Coburg
Nominierung

Ein Thüringer will Landrat in Bayern werden

Bei der Wahl eines neuen Coburger Landrats schickt die ÖDP Martin Truckenbrodt ins Rennen. Der 47-Jährige kommt aus dem Nachbarbundesland.
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Martin Truckenbrodt aus dem Landkreis Sonneberg tritt als Kandidat der ÖDP bei der Landratswahl in Coburg an.Foto: privat
Martin Truckenbrodt aus dem Landkreis Sonneberg tritt als Kandidat der ÖDP bei der Landratswahl in Coburg an.Foto: privat

Macht es mal wieder Christoph Raabs? Oder mit Thomas Büchner sein langjähriger Doppelpartner in der ÖDP? Oder wird Simone Wohnig ins Rennen geschickt, die jüngst auch bei der Wahl zum Bezirkstag angetreten ist? Nein, nein und noch einmal nein - die ÖDP hat am Freitagabend alle überrascht und Martin Truckenbrodt als ihren Kandidaten für die Landratswahl nominiert.

Wohlgemerkt: Am 27. Januar 2019 wird ein neuer Landrat für den oberfränkischen Landkreis Coburg gewählt - und Martin Truckenbrodt wohnt in Seltendorf im thüringischen Nachbarlandkreis Sonneberg.

Aber: Franken hin, Thüringen her - für die ÖDP ist Truckenbrodt ein "Südthüringer Frankenaktivist", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Zusammen mit Freunden gründete er 2013 den überparteilichen Verein Henneberg-Itzgrund-Franken. Dieser Verein setzt sich laut seiner Statuten vor allem dafür ein, dass die Thüringer Landespolitik die Existenz eines kulturell fränkisch geprägten Teils südlich des Rennsteigs anerkennt. In der jüngsten Zeit brachte sich der Verein aber auch zu tagespolitischen Themen ein, allen voran für einen Schienen-Lückenschluss zwischen dem Coburger Land und Südthüringen. Dieser würde nicht nur zwei Landkreise miteinander verbinden, sondern zwei Regionen mit insgesamt weit mehr als einer Million Einwohnern.

Truckenbrodts länderübergreifendes Engagement kommt wohl nicht zuletzt daher, dass der heute 47-Jährige aus Untersiemau im Landkreis Coburg stammt und 2004 der Liebe wegen nach Seltendorf gezogen ist.

Viele Fische und ein Saxofon

Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist von Beruf Energieelektroniker. Seit 1995 ist er in der IT tätig, und seit 2015 arbeitet er als IT-Administrator beim drittgrößten Arbeitgeber im Landkreis Hildburghausen. Seine Hobbys sind das Halten und Züchten von Killifischen sowie die Musik. Seit 1991 ist er als Saxofonist viel in der Coburger Livemusik-Szene unterwegs.

1990 und 1996 kandierte Martin Truckenbrodt für die den Grünen nahestehende Unabhängige Wählergruppe Untersiemau für den dortigen Gemeinderat. 2009 folgte der Eintritt in die ÖDP. Seit April 2017 ist er stellvertretender Landesvorsitzender der ÖDP Thüringen und seit Oktober 2018 Vorsitzender des Regionalverbands Südwestthüringen. Bei der Europawahl im Mai 2019 steht Truckenbrodt auf Platz 12 der bundesweiten ÖDP-Liste.

HINTERGRUND

Kandidaten Weil der bisherige Amtsinhaber Michael Busch (SPD) in den bayerischen Landtag gewechselt ist, muss am Sonntag, 27. Januar 2019, ein neuer Coburger Landrat gewählt werden. Nach dem Bürgermeister von Lautertal, Sebastian Straubel (CSU), dem ehemaligen Weitramsdorfer Bürgermeister Christian Gunsenheimer (FW) und dem Neustadter AfD-Chef Michael Höpflinger ist mit Martin Truckenbrodt (ÖDP) jetzt der vierte Kandidat offiziell nominiert worden. Die SPD will Neustadts Dritten Bürgermeister Martin Stingl ins Rennen schicken; dessen Nominierung soll am 24. November erfolgen.



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