Seßlach
Aktion

Ein Studium ist nicht alles

Bei der dritten "Nacht des Handwerks und der Manufakturen" in Seßlach warben Handwerksbetriebe und Manufakturen für ihre Leistungen - und um Nachwuchs.
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Unter der Anleitung von Auszubildenden der Firma Otto Hauch konnten diese jungen Besucher der "Nacht des Handwerks und der Manufakturen" am Samstag das Maurern versuchen. Foto: Bettina Knauth
Unter der Anleitung von Auszubildenden der Firma Otto Hauch konnten diese jungen Besucher der "Nacht des Handwerks und der Manufakturen" am Samstag das Maurern versuchen. Foto: Bettina Knauth
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Sie ist das "wunderschöne Gesicht" des regionalen Handwerks und hat bewiesen, dass man auch ohne Studium Schlagzeilen machen kann: Schornsteinfegerin und "Miss Handwerk 2018" Ramona Brehm. Zur Eröffnung zur dritten "Nacht des Handwerks und der Manufakturen" wurde die Neu-Coburgerin am Samstag in Seßlach zur Botschafterin der Region ernannt. "Trage das Coburger Land hinaus in die Welt", gab Landrat Michael Busch (SPD) der 28-Jährigen mit auf den Weg. Brehm selbst hofft, viele junge Menschen für ihr Metier begeistern zu können: "Es gilt nicht immer nur zu studieren, manchmal ist man im Handwerk besser aufgehoben", so die gebürtige Sonnebergerin.

Eine Aussage, die Kreishandwerksmeister Jens Beland nur unterstreichen konnte. "Wegen des Trends zum Studium oder zur Bürotätigkeit wird es immer schwerer einen Handwerker zu bekommen", sagte der Malermeister, der deshalb bereits vor 15 Jahren eine Imagekampagne startete. Die Nacht des Handwerks, die Beland gemeinsam mit Regionalmanager Stefan Hinterleitner und Seßlachs Tourismuschefin Carolin Franz organisiert hatte, bot die Gelegenheit "das Handwerk in seiner ganzen Breite und mit all seinen Möglichkeiten zu zeigen", wie es Hinterleitner ausdrückte, von traditionellen Berufen wie Bauarbeiter, Maler oder Schneider bis hin zum hochmodernen Betrieb der Geiss AG.

Vielfältiges Handwerk

Wie vielfältig das Handwerk ist, davon konnten sich die zahlreichen Gäste selbst ein Bild machen. Erstmals hatte das Regionalmanagement eine Broschüre mit allen Teilnehmern herausgegeben; großflächige Transparente listeten die verschiedenen Gewerke und die dazu passenden Berufsbilder auf. Wer sich einem der von Handwerks-Experten und Stadtführern moderierten Rundgänge anschloss, erfuhr noch mehr Details. Ulrich Schmitt, Referent der Handwerkskammer für Oberfranken, schilderte etwa, wie aus einem Schmied ein "Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung" oder aus einem Automechaniker ein "Kfz-Mechatroniker" wurde. In seiner Coburger Sattlerei bekommt es Heiko Teistler heutzutage mehr mit Autos oder Motorrädern als mit Pferden zu tun, wie er erläuterte. Kunden bestellen bei ihm etwa neue Cabrio-Verdecks oder Sitzpolster.

Dringend junges Blut braucht die boomende Baubranche. Max Beyersdorf (Otto Hauch, Coburg) warb mit dem "Spaß am Job auf dem Bau": "Bei uns ist kein Tag wie der andere", verkündete der Geschäftsleiter. Eine Aussage, die seine anwesenden Auszubildenden mit Hammer und Kelle unterstrichen.

Anders als um Metzger oder selbst Bäcker braucht sich die Handwerkskammer um den Nachwuchs an Brauern keine Sorgen zu machen. Mit 31 Schülern platze die Klasse an der Staatlichen Berufsschule in Kulmbach aus allen Nähten, berichtete Schmitt am Seßlacher Kommunbrauhaus. Kein Wunder, angesichts der Brauereidichte in Franken. Beim Probeschluck konnten sich die Teilnehmer des Rundgangs von der Qualität des Hausbräus der Genussstadt überzeugen.

Seltener Kanubauer

Nicht alle Handwerker kamen aus der Region: Kanubauer Thomas Braun war aus Niddatal in die Ackerbürgerstadt gekommen, um vor dem Rothenberger Tor seine seltene Tätigkeit zu demonstrieren. "Es gibt in ganz Europa nur drei Handwerker dieser Art", stellte Beland den "nicht alltäglichen Handwerker" vor. Mit Enthusiasmus habe er sich dahin gearbeitet, schilderte der junge Mann, leben kann Braun von seinen in rund 200 Arbeitsstunden entstehenden Booten allein nicht. "Ich arbeite sonst in einer Zimmerei", berichtete der Hesse.

Selbst Einheimische waren verblüfft, was sich hinter den Türen der ansässigen Betriebe so tut: So machte der leidenschaftliche Bogenschütze Uwe Beier sein Hobby zum Beruf und fertigt in der Bahnhofstraße hochwertige Bögen wie einige Tiere für 3D-Parcours. Dass ein hochmoderner Betrieb wie die Geiss AG noch zum Handwerk zählt, erfüllte Beland mit besonderem Stolz. Mit welcher Präzision die Feinwerkmechaniker beim Bau von Werkzeugen und Maschinen dort vorgehen müssen, demonstrierten sie eindrucksvoll bei Laserbeschnittvorführungen.

Während die Besucherscharen durch die Altstadt und bis hinaus ins Industriegebiet schlenderten, schmiedete Hinterleitner schon Pläne fürs nächste Jahr. Dann möchte der Regionalmanager gezielt die Branchen in den Mittelpunkt stellen, die - wie Polstermöbel, Spielwaren sowie Keramik und Textil - einst das Coburger Land stark machten.



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