Coburg
Gerichtsverhandlung

Ein krasser Fall von Kindesmisshandlung wird in Coburg verhandelt

Eine 28-jährige Frau aus Coburg soll ihre zehnjährige Tochter mit der Gürtelschnalle malträtiert und dabei schwer verletzt haben.
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Ein krasser Fall von Kindesmisshandlung wird derzeit vor dem Amtsgericht Coburg verhandelt. Eine 28-jährige Frau aus Coburg soll ihre zehnjährige Tochter mit der Gürtelschnalle malträtiert und dabei schwer verletzt haben. Die Verhandlung läuft schon seit einiger Zeit. Bei einem Schwimmbadbesuch sollen die Verletzungen aufgefallen und angezeigt worden sein. Die Mutter streitet die Tat ab und macht ihre Oma, also die Uroma des Mädchens, für die Verletzungen verantwortlich.

Die 80-jährige Rentnerin aus Coburg, Oma der Angeklagten und Uroma des Opfers, hat während des Prozesses die 28-Jährige schwer belastet. Sie beschrieb Situationen, in denen ihre Enkeltochter regelrecht ausgerastet sei und zum Beispiel Geschirr aus dem Schrank geworfen habe. Den Kontakt zu den Urenkeln habe ihr die 28-Jährige verboten. Die Rentnerin hat demnach die Kinder regelmäßig aus einem Kinderhort abgeholt. Dort habe ihr eine Betreuerin des Hortes Fotos mit den Verletzungen des Kindes gezeigt. "Als sie aus der Kabine im Schwimmbad kam, haben alle gesehen, wie sie zugerichtet war", so die Rentnerin.

Jüngere Tochter belastet die Mutter

Darauf habe sie ihre zehnjährige Urenkelin gefragt, wer ihr das angetan habe. Diese habe geantwortet, das dürfe sie nicht sagen, so die 80-Jährige. Die jüngere Schwester des Opfers habe aber gesagt: "Die Mama hat sie mit dem Gürtel gehauen", sagte die Rentnerin aus. Ihre Enkeltochter habe die Zehnjährige immer "wie abseits" behandelt. "Sie mochte ihr Kind nicht so richtig", so die Rentnerin. An der zehnjährigen Urenkelin habe sie öfters blaue Flecken festgestellt, die das Kind mit Stürzen erklärt habe.

Eine Psychologin sagte aus, dass die Zehnjährige zunächst wegen des Verdachtes eines sexuellen Übergriffes vorgestellt worden war. Später sei es darum gegangen, das Mutter-Tochter-Verhältnis zu bessern, da wohl eine Bindungsstörung zwischen Mutter und Tochter bestünde. Diagnostiziert worden sei bei dem Kind eine Anpassungsstörung und eine posttraumatische Belastungsstörung. Auch die Psychologin gab an, an den Beinen des Kindes öfters blaue Flecken gesehen zu haben, die aber auch so entstanden sein könnten. Die Zehnjährige erzähle generell wenig und sei sehr verschlossen.

Übersät mit Blutergüssen

Rechtsanwalt Martin Jensch wollte geprüft haben, ob die Flecken aufgrund einer Bindegewebsschwäche entstanden sein könnten. Diese Theorie bezeichnete die Jugendrichterin als hanebüchen, denn laut einem Sachverständigen seien die viereckigen dunklen Marker und die Ergüsse auf dem Körper des Kindes mit Gürtelschnallen zu vereinbaren; das Kind war demnach übersät mit Blutergüssen. Jensch ließ nicht locker, seine Mandantin habe ihn in der Zwischenzeit wieder kontaktiert. "Sie hat gesagt, dass ihre Tochter jetzt wieder blaue Flecken habe, sie habe jetzt Angst, dass es wieder heiße, sie sei das gewesen", so der Anwalt. Der Anwalt beabtragte, die Kinder erneut zu vernehmen. Die Richterin musste den Antrag - wenn auch ungern - zustimmen. "Ich habe nicht vor, die Kinder hierherzuzerren. Die sind traumatisiert und befinden sich in einem Loyalitätskonflikt. Und wir wissen, was die Kinder sagen werden", sagte die Richterin. Die Mutter will ihren Kindern den Auftritt vor Gericht nicht ersparen und schloss sich den Worten des Verteidigers an. Die Verhandlung wurde daraufhin ausgesetzt. Wann es weitergeht, ist unklar, denn jetzt müssen die Kinder erneut psychologisch begutachtet werden.

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