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Coburg
Handball

Ein Joker für das Fernduell

Philipp Seitle (28) gilt als blitzschnell, clever und hat individuelle Klasse. Der aktuelle Neuzugang des HSC 2000 Coburg soll in die Spielmacher-Rolle schlüpfen und seine Erst- und Zweitliga-Erfahrungen im Titelrennen in die Waagschale werfen.
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Bereits nach dem ersten Spiel integriert: Philipp Seitle (Nummer 33) wurde nicht nur von HSC-Spieler Philipp Barsties (links), sondern kurz danach auch von Torwart Howard Martinsen, Steffen Coßbau, Hajck Karapetjan und Tomas Riha umarmt. Die "Gelb-Schwarzen" gewannen in Auerbach mit 26:21 und der Neuzugang aus Leipzig erzielte nach seinem Blitztransfer sein erstes Tor. Foto: Iris Bilek
Bereits nach dem ersten Spiel integriert: Philipp Seitle (Nummer 33) wurde nicht nur von HSC-Spieler Philipp Barsties (links), sondern kurz danach auch von Torwart Howard Martinsen, Steffen Coßbau, Hajck Karapetjan und Tomas Riha umarmt. Die "Gelb-Schwarzen" gewannen in Auerbach mit 26:21 und der Neuzugang aus Leipzig erzielte nach seinem Blitztransfer sein erstes Tor. Foto: Iris Bilek
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Coburg — Der Vertrag ist unterschrieben, der Wechsel perfekt: Philipp Seitle, der Spielgestalter des Handball-Zweitligisten SC DHfK Leipzig, soll ab sofort die Regisseur-Rolle im Rückraum des HSC 2000 Coburg übernehmen. Grund: Spielmacher Till Riehn fällt wegen einer nicht zu unterschätzenden Jochbein-Verletzung, die er sich nach einem unglücklichen Ellenbogen-Check im Training zuzog, mehrere Spiele aus.
Nach dem Blitztransfer am Freitag warf Seitle bereits beim 26:21-Sieg der Coburger in Auerbach sein erstes Tor für die "Gelb-Schwarzen" und zeigte dabei, dass er für den HSC Coburg ein wichtiges Mosaiksteinchen auf dem steigigen Weg in die 2. Bundesliga werden kann.

Ein cleverer Spielgestalter

Bei den ambitionierten Coburger Handballern sind die Macher jedenfalls jetzt schon sehr stolz auf ihre jüngste Verpflichtung, gilt Seitle, den die Coburger schon länger auf ihrem Wunschzettel haben, doch als cleverer Spielmacher. Mit blitzschnellen, wohl durchdachten Aktionen im Rückraum und einer fantastischen Moral überzeugte er in seinen bisherigen zwölf Einsätzen in dieser Zweitliga-Serie.
Der Neu-Coburger soll eine ganze Reihe von individuellen Qualitäten haben, mit denen er aufwarten und die Konkurrenz vor knifflige Aufgaben stellen kann. Mit einer Körpergröße von 1,80 gehört Philipp Seitle zwar nicht zu jenen Rückraum-Hünen, die allein schon durch ihre körperliche Länge alles überragen. Aber dafür ist er unglaublich schnell auf den Beinen, besticht durch seine Wendigkeit und ist das, was man mit Fug und Recht als wurfgewaltig bezeichnen darf.
Die Hoffnung, dass der neue "HSC-Joker" im Fernduell mit dem Noch-Spitzenreiter HSC Bad Neustadt entscheidend sticht, ist bei Verantwortlichen und Fans jedenfalls sehr groß.

Optimismus im Business-Club

Bereits am Sonntagvormittag, als sich viele HSC-Freunde und Sponsoren zu einem lockeren Plausch im Business-Club trafen, gab es nicht wenige, die dem 28-Jährigen zutrauen, dass er sich rasch in Coburg einlebt, im Mannschaftsgefüge seinen Platz findet und durchaus über die laufende Saison hinaus auch in die Regisseur-Rolle wächst.
Bei dieser Zusammenkunft mit geladenen Gästen beleuchtete Cheftrainer Jan Gorr im Gespräch mit dem HSC-Medienbeauftragten Thomas Apfel auch die aktuelle Verletzungsmisere und die trotzdem noch sehr spannende Tabellensituation zwei Spieltage vor Jahresende. Der Vier-Punkte-Rückstand auf Bad Neustadt ist keine unlösbare Aufgabe, so die übereinstimmende Meinung. Und Seitle? Seitle sei ein echter Gewinn für den Klub, ein Spielgestalter und ein Typ, der auch charakterlich gut ins Team passe.

Mit 14 ins Handball-Internat

Vermutlich war es eine grenzenlose Handball-Leidenschaft, die den erst 14-jährigen Philipp Seitle einst dazu bewog, ins Sport-Internat nach Eisenach zu ziehen, Familie und die gewohnte Umgebung im pfälzischen Kandel zu verlassen und das Handball-Einmaleins quasi von der Pike auf zu lernen.
"Eine Zeit, die ich nicht missen möchte, in der ich selbstständig wurde und an die ich sehr gerne zurückdenke", erinnert sich der neue Mann, der künftig die Nummer 33 auf dem HSC-Trikot tragen wird, auch an seine Lehrjahre beim ThSV Eisenach, beim Erstligisten SC Magdeburg und nicht zuletzt beim SC Concordia Delitzsch.
Von Letzterem aus wechselte er zum SC DHfK Leipzig. Dort hatte man seinen Wechsel zum TV Neuhausen mit großem Bedauern aufgenommen. Weder Leipzigs Trainer Jungandreas noch die Verantwortlichen ließen ihren Leistungsträger damals gerne ziehen. Nach einem kurzen Gastspiel beim damaligen Erstligisten TV Neuhausen und seiner Rückkehr nach Leipzig verlief die zweite Trennung von den Sachsen in der zurückliegenden Woche allerdings weniger angenehm für Seitle.
"Aufgrund wiederholter disziplinarischer Verstöße" wurde er ausgemustert. Während Seitle mit sofortiger Wirkung gekündigt wurde, kamen seine Teamkollegen Alen Milosevic und Philipp Weber wegen Disziplinarverstößen mit Verwarnungen davon. Beide blieben im Zweitliga-Kader der Leipziger und erhielten von den Verantwortlichen eine Chance zur Wiedergutmachung.

Falsche Einstellung zum Sport?

Bei Seitle war nach mehrmaligen Verstößen gegen Teamregeln die Geduld der Funktionäre dagegen ausgereizt: "Wir bedauern diesen Schritt sehr, doch Philipp hat trotz mehrmaliger Besserungsgelöbnisse nicht die richtige Einstellung zum Leistungssport gefunden und jetzt ist ein Punkt erreicht, wo wir das einfach nicht länger tolerieren können", teilt Geschäftsführer Karsten Günther auf der vereinseigenen Homepage mit.
Beim HSC läuft Seitles Vertrag vorerst bis Saisonende, allerdings gilt das Rückraum-Ass als Perspektivspieler, der auch bei einem möglichen Aufstieg in die 2. Bundesliga aufgrund seiner höherklassigen Erfahrungen eine tragende Rolle spielen könnte. Und Seitle selbst verfolgt nach wie vor seit seiner Zeit im Handball-Internat einen großen Traum: "Ich will in der 1. Bundesliga spielen."

ct

Steckbrief: Philipp Seitle

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