Coburg
Rückblick

Ein Jahr nach dem Großbrand in Coburg

Claus Weigand, Leiter der UG-SanEL im BRK-Kreisverband, kann sich noch fast an jede Einzelheit seines Dienstes beim Altstadtbrand zu Pfingsten 2012 erinnern. Heute ist er froh, dass vor einem Jahr alles so gut funktioniert hat und kein Mensch ernsthaft verletzt wurde.
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Als am Samstag um 1.21 Uhr der Alarm anschlug, ahnte Claus Weigand noch nicht, dass er die nächsten 16 Stunden nicht mehr in sein Bett kommen würde. "Ich hatte nur die Information, dass bei der ,Loreley‘ der Dachstuhl brennt", erzählt der Leiter der Unterstützungsgruppe-Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) des BRK. Am Marktplatz angekommen, sah er die Flammen über den Dächern und dachte noch: "Das brennt aber ordentlich."

Im Autoradio lief gerade "Euphoria", das kurz zuvor beim Eurovision Song Contest den ersten Platz belegt hatte. "In dem Moment schlugen die Flammen richtig hoch." Noch heute versetzt es ihm einen Stich, wenn er diese Musik hört.

Als Erster vor Ort
Claus Weigand war einer der ersten Retter vor Ort - er hat es nicht weit von seiner Wohnung bis zum Markt. "Mir kam eine Gruppe von jungen Leuten entgegen. Sie waren in Decken gehüllt und barfuß und hatten zum Teil Kinder auf dem Arm. Auf der Straße lagen die Scherben von zerbrochenen Maßkrügen", erinnert er sich. Die Menschen, die verzweifelt nach einem Ort suchten, an den sie flüchten können, wurden in den Ratskeller geschickt. Dort untersuchten sie Ärzte und Rettungskräfte erst einmal. Mitarbeiter der psychisch-sozialen Notfallversorgung waren zur Betreuung vor Ort. "Es war ein Kommen und Gehen, weil die Leute immer wieder zu den brennenden Häusern gelaufen sind, um zu sehen, wie es dort aussieht."

Um den Überblick zu behalten, haben alle, die schon betreut worden waren, kleine Kärtchen zum Umhängen bekommen. Noch war nicht klar, ob es Verletzte in den brennenden Häusern gibt - die Feuerwehrleute waren auf der Suche, mit Atemschutzgeräten ausgerüstet. "In der Anfangsphase haben wir Leute mit leichteren Verletzungen ins Klinikum gebracht." Ab 6 Uhr morgens wurden dann 25 bis 30 Menschen, die kein Dach mehr über dem Kopf hatten, in die Jugendeinrichtung CoJe gefahren. "Der Rest war privat untergekommen."

Als Einsatzführer war Claus Weigand die Schadensstelle zugewiesen worden. Das heißt, er koordinierte die angeforderten Rettungskräfte und wies den Fahrzeugen ihre Plätze zu. "Später haben wir in der Theatergasse eine Verpflegungsstelle für die Feuerwehrleute eingerichtet." Es gab dort vor allem Getränke, denn: "Die waren so voller Adrenalin und haben gar nicht gespürt, dass sie zu wenig trinken." Doch da für waren ja die Rettungskräfte da. Sie kümmerten sich auch um die Feuerwehrleute, die zum Teil Übermenschliches zu leiten hatten.

Fotos von Brandschäden
Sonntagmittag gegen 12 Uhr hatte auch Claus Weigand ernstzunehmende Ermüdungserscheinungen. "Ich habe mich von der Führung ablösen lassen, bin aber noch dageblieben." Denn es gab noch allerhand zu tun: Die Einsatzdokumentation für die folgende Schicht musste geschrieben und der Zustand der Zimmer in den inzwischen gelöschten Häusern fotografiert werden. "Das habe ich übernommen", sagt Claus Weigand.

Um 18 Uhr hat er sich auf den Heimweg gemacht. "Ich war müde, aber schlafen konnte ich nicht gleich." Und am Pfingstmontag begann um 7 Uhr seine nächste Schicht - bis zur Pressekonferenz um 13 Uhr.

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