Frohnlach
Abschuss

Ein "Hosenflicker" sorgt in Ebersdorf für Aufregung

Ein über 40 Kilo schwerer junger Keiler hat am Mittwochmorgen in Ebersdorf bei Coburg sogar eine kurzzeitige Sperrung der Bundesstraße 303 ausgelöst
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Endstation Parkplatz:  Weil    der etwa zwei Jahre alte Keiler  auf dem Gelände der Firma "W. Schillig" auf Menschen losging, wurde er von einem Jäger erschossen.Foto: privat
Endstation Parkplatz: Weil der etwa zwei Jahre alte Keiler auf dem Gelände der Firma "W. Schillig" auf Menschen losging, wurde er von einem Jäger erschossen.Foto: privat

Einen ungewöhnlichen ersten Tag nach seinem Sommerurlaub hat der Ebersdorfer Bürgermeister, Bernd Reisenweber (BG), am Mittwoch erlebt. Just als Reisenweber im Rathaus an seinem Schreibtisch die angesammelte Post aufarbeiten wollte, wurde er kurz nach 8 Uhr darüber informiert, dass auf dem Gelände des Polstermöbelherstellers W. Schillig ein Wildschwein auf dem Parkplatz wütet.

Neben dem Bürgermeister machte sich auch ein befreundeter Jägerkollege auf den Weg an den Frohnlacher Ortsrand - und siehe da: Es raste wirklich ein offensichtlich verirrtes Wildschwein auf dem Firmengelände umher. Es hatte sogar schon mehrere geparkte Fahrzeuge attackiert, wie nach dem Einsatz der Coburger Polizeipressesprecher Stefan Probst auf Nachfrage bestätigte: "Die Kollegen draußen haben fünf beschädigte Fahrzeuge aufgenommen." Vermutlich, ergänzte der Bürgermeister, werden es sogar noch mehr gewesen sein. "Und keine billigen Modelle", schickte der Bürgermeister hinterher.

Und plötzlich war er weg

Reisenweber und der für Frohnlach zuständige Jagdpächter bekamen nach telefonischer Rücksprache mit dem Landratsamt sofort die Erlaubnis, das Tier zu erlegen. Es gab auch keine Alternative zu dieser Entscheidung, versicherte der Bürgermeister: "Der Keiler war voller Adrenalin und ging sogar auf Menschen los." Die Situation auf dem Schillig-Gelände sei nicht zu unterschätzen gewesen, ergänzte Bernd Reisenweber. Die einzige Möglichkeit zur Flucht hätte für den jungen Keiler direkt in den Ort geführt, ein Schuss mit dem Betäubungsgewehr wäre bei dem aufgeregten Tier fast sicher wirkungslos gewesen. "Es blieb keine andere Wahl", sagte der Bürgermeister.

Doch die Sache mit dem Abschuss war leichter gesagt wie getan. Zwar sperrte die Coburger Polizei mit mehreren Fahrzeugen die direkt am Firmengelände vorbeiführende Bundesstraße 303, um keine Autofahrer zu gefährden. Aber nun wollte sich die Sau nicht mehr blicken lassen. "Auf der Suche nach dem Tier kam sogar eine Wärmebildkamera zum Einsatz", berichtete Stefan Probst. "Selbst vom Dach meines Geländewagens aus war sie nicht mehr zu sehen", bestätigte Bernd Reisenweber. Erst nach einiger Zeit verließ der Keiler plötzlich sein Versteck am Zaun des Geländes heraus - und wurde prompt vom Jagdpächter bei freiem, sicherem und gefahrlosem Schussfeld zur Strecke gebracht.

Personen wurden bei der Aktion am frühen Morgen nicht verletzt - auch wenn der Keiler völlig außer Rand und Band war. Nur für das nach Angaben von Stefan Probst mindestens 40 Kilogramm schwere Tier fand die Sache ein böses Ende. Der Schaden an den vom Wildschwein attackierten Fahrzeugen beläuft sich nach erster Schätzung der Polizeibeamten vor Ort auf eine Summe im niedrigen vierstelligen Bereich.

Ein Ende als Bratwurst

Als alter Praktiker hat Bernd Reisenweber gestern natürlich gleich weitergedacht. Weil der Keiler mit einem "sauberen Schuss", sagte der Bürgermeister anerkennend, erlegt wurde, lässt er sich nun gut weiterverarbeiten. "Gerade jetzt zur Kirchweihzeit sind Wildschweinprodukte gerne gesehen", berichtete Reisenweber und zählte flugs jede Menge Spezialitäten auf, die sich aus dem Fleisch zubereiten lassen - von Bratwürsten über Burger bis hin zum klassischen Schweinebraten.



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