Coburg
Tracht

"Ein Dirndl passt immer!"

Schützenfest und Dirndl? Das gehört auch in Coburg inzwischen zusammen. Und sogar bei Coburg gibt es inzwischen eine Dirndl-Schneiderei.
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Die Stettener Weinprinzessin Annika Burkard erzählt beim Bummel über das Coburger Vogelschießen, dass sie sieben Dirndl im Schrank hat. Im Sommer absolviert sie jedes Wochenende zwei bis drei Einsätze im Trachtengewand.

Bei einer Weinprinzessin ist das Dirndl quasi Dienstkleidung. Aber bei einer IT-Fachfrau, und noch dazu einer, die aus Lübeck stammt? Adelka Niels lebt in Weitramsdorf, arbeitet in Bad Rodach und stellte bei den Coburger Designtagen Dirndl aus eigener Produktion aus. "Designerpunks" hat sie ihr Label genannt; Logo ist ein blumendekorierter Totenschädel mit Hirschgeweih. Den Namen "Designerpunks" und die entsprechende Internetpräsenz hatten sie und ihr Lebensgefährte Christian Zagel sich schon gesichert, erzählt sie. Und nun finden sich dort ihre Dirndl.

Vor eineinhalb Jahren sei sie ins Coburger Land gezogen, erzählt die 39-Jährige. Vorher hatte sie mit Dirndlkleidern nicht viel zu tun, aber als sie hier auf eine Hochzeit eingeladen war, wollte sie sich passend kleiden und fuhr in ein Spezialgeschäft in Bad Staffelstein. "Ich hab dort drei Dirndl anprobiert und gleich alle drei gekauft."

Genäht habe sie schon seit ihrer Kindheit, sagt sie. "Meine Oma war Schneiderin. Ich habe mir alles abgeschaut, aber nie richtig den Beruf gelernt." Trotzdem wagte sie sich ans Dirndlmachen, besorgte sich Schnitte und entwarf eigene. "Ich versuche, Tradition mit Moderne zu verbinden." Das führte zu Dirndln mit einem hochgeschlossenen asiatisch angehauchten Kragen über einem offenen Dekolletee oder den Märchendirndln mit Spitzenschürze.

Sie lässt sich von Stoffen und Materialien inspirieren, durchstöbert Flohmärkte und Trödelläden auf der Suche nach Knöpfen oder originellen Materialien. Totenkopfdirndl oder neonfarbige Schürzen, wie man sie vielleicht von einem Label namens "Designerpunks" erwarten würde, finden sich in ihrem Atelier nicht. Dafür aber zugeschnittene schwarze Kunstleder-Teile, mit denen sie das nächste Dirndl für sich selbst schneidern will.

Zuletzt nähte sie ein Dirndl aus einem alten Mehlsack. Etwas mühsam, wegen des störrischen Materials, wie sie sagt. Aber mit dem Ergebnis ist sie durchaus zufrieden, und die Streifen auf dem Sack hat sie als grafisches Element für Vorder- und Rückseite des Mieders genutzt. Für "Kronach leuchtet" im nächsten Jahr hat sie ein Lichtdirndl in Planung. Kleine LED-Lämpchen sollen computergesteuert in dem Kleid leuchten - so ist zumindest die Idee.

"Ich verwende bewusst keine normalen Trachtenstoffe", sagt Adelka Niels. Stattdessen stöberte sie beim Urlaub in Italien in Stoffläden; auf ihren Musterbügeln hängen Gewebe aus Seide, fein gegerbtes Ziegenleder oder gemusterte altertümliche Kissenbezüge aus Leinen. Daneben Spitze, Organza und Schleierstoffe mit Strass-Steinchen. Je nach dem verwendeten Material und dem Arbeitsaufwand kann ein handgefertigtes Dirndl schon mal 1700 Euro kosten, erzählt sie. "Allein die Spitze kostet schon 160 Euro auf den Meter."

Wird der Rock nur in Falten gelegt, so kommt das wegen der geringeren Arbeitszeit günstiger als wenn er gestiftelt wird, also unter dem Bund in kleinste Falten gelegt und fixiert wird. "Einen Rock zu stifteln dauert allein zehn Stunden." Für ein Dirndl gehen locker mal zwei Wochen drauf, "wenn ich alles einrechne", wie sie betont: die Auswahl des Stoffs, der passenden Paspel- und Zierbänder, der Applikationen, das Zuschneiden, Anpassen und Nähen.

Für sie ist es Ausgleich neben dem Job, "mich entspannt das, ich kann da vor mich hinarbeiten", sagt sie. Und: Dirndl passen immer. Zum einen jeder Frau ("auf jede Figur passt ein Dirndl"), zum andern zu fast jedem Anlass. Als Festgewand sei ein Dirndl praktisch, findet sie: "Es ist bequem, es hat Taschen, und man sieht damit immer gut gekleidet aus. Außerdem ist es bequem" - zumindest, wenn das Dirndl maßgeschneidert sei, schränkt sie ein. Ähnlich sieht es Weinprinzessin Annika Burkard: "Man ist schnell angezogen und schaut immer schick aus."Mitarbeit: Marieke Fiala

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