Coburg
80er

Ein Coburger erinnert sich: "Mein Manta war eine Ente!"

Die Musik war "tanzbarer" als in den 70ern und wenn vom "Frisieren" die Rede war, ging es nicht nur um "Vokuhila", sondern auch um Mofas: Matthias Straub, Schauspieldirektor am Landestheater Coburg, erinnert sich an das Lebensgefühl der 80er
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Der Kult um die 80er Jahre lebte jüngst auch im Landestheater auf: Mehr als 60 mal wurde die "Spider Murphy Story" aufgeführt.Foto: Sebastian Buff
Der Kult um die 80er Jahre lebte jüngst auch im Landestheater auf: Mehr als 60 mal wurde die "Spider Murphy Story" aufgeführt.Foto: Sebastian Buff
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Matthias Straub hat sich schon mehrfach auch "dienstlich" mit den 80ern beschäftigt: Der Schauspieldirektor des Landestheaters schuf zusammen mit Rüdiger Eisenhauer die "Spider Murphy Story", die mehr als 60 mal aufgeführt wurde und zudem auch umjubelte Gastspiele in München und Fürth hatte. Am Samstag, 14. September, legt Matthias Straub bei einer Party im "Theater in der Reithalle" in Coburg Musik aus den 80ern auf. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

Im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt erzählt Matthias Straub, welche Erinnerungen er an das Lebensgefühl der 80er hat.

Coburger Tageblatt: Wer nach Musik für seine Party sucht, greift oft auf die Musik aus den 1980er Jahren zurück. Warum ist das so, und geht es Ihnen genauso?

Matthias Straub: Ja klar geht es mir genauso. Ich bin zwar schon mit der Rockmusik der 70er Jahre aufgewachsen - Pink Floyd, Genesis (mit Peter Gabriel!) und vor allem Yes -, aber diese teilweise noch sehr langen Titel der Konzeptalben waren nicht tanzbar, oder nur teilweise. Und da die Musik der 80er sich so breit entwickelt hat, kann man sich aus jeder Richtung bedienen. Das macht Laune und ist wahnsinnig vielseitig. Vom Soul über Rock und Pop bis hin zur Neuen Deutschen Welle und vielem mehr...

Sie haben die 1980er Jahre ja auch hautnah miterlebt. Wie sind Ihre Erinnerungen an das Lebensgefühl von damals? Sie sind zum Beispiel Manta gefahren oder hatten eine "VokuHila"-Frisur?

Die 80er Jahre haben mich nachhaltig geprägt. Angefangen hat es mit der Grundsatzfrage beim Mofakauf: Peugeot 103 oder eine Puch mit Gangschaltung? Bei meiner Peugeot hieß es dann Lenker ganz eng stellen, Flöte raus, 10 km/h schneller, aber auch lauter - dann Polizeikontrolle und erster Kontakt mir der deutschen Justiz. Im Fernsehen lief die großartige Vorabendserie "Parole Chicago" mit dem sehr jungen Christoph Waltz, zwei Jungganoven zum Scheitern verurteilt. Aber es war auch ein gesellschaftlicher Aufbruch spürbar, mit der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung, mit der Gründung der Grünen, einer Zeit des Kampfes gegen Berufsverbote von DKP-Mitgliedern - das betraf zum Beispiel einen meiner Lehrer! -, meinem eigenen Kampf um Anerkennung als "Kriegsdienstverweigerer" mit mündlicher Verhandlung und meinem zweiten Kontakt mit der deutschen Justiz. Deshalb hatte ich auch keinen Vokuhila, sondern eher eine alternative Lockenmatte mit Norwegerpulli - und mein "Manta" war eine "Ente"!

Nach der "Spider Murphy Story" könnten Sie sich doch eigentlich auch mal an ein "80er Jahre-Musical" wagen!

Tja ja, wenn das so einfach wäre. Da ist uns der Film einige Schritte voraus. Von "Manta Manta" bis "Almoust Famous". Aber es lohnt sich, mal darüber nachzudenken. Da braucht's nur einen coolen Plot! Schaun mer mal.

Party auf dem Schlossplatz Das Coburger Land ist seit geraumer Zeit im "Spider-Murphy-Fieber". 2016 spielte die Kult-Band der 80er live beim Tambacher Sommer. 2017 feierte das Musical "A Spider Murphy Story" von Matthias Straub umjubelte Premiere im Landestheater - es folgten mehr als 60 Vorführungen sowie Gastspiele in München und Fürth. 2018 gaben Günther Sigl & Co. ein Konzert bei den Open Airs in Eyrichshof, 2019 gastierten sie erneut in Tambach - und jedes Mal strömten die Massen. Und: Ein Ende des Fiebers ist nicht in Sicht! Am Freitag, 4. Oktober, steigt auf dem Schlossplatz eine Spider-Murphy-Party. Im Festzelt, das tags drauf für das "OktOPAfest" genutzt wird, gibt es ein Rockabilly-Konzert mit Hauptdarstellern und Solisten der Erfolgsproduktion. Eintrittskarten für zwölf Euro (ermäßigt ächt Euro) gibt es im Vorverkauf in der Tageblatt-Geschäftsstelle in der Hindenburgstraße 3a in Coburg.

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