Coburg
Stellungnahme

"Ein Antrag contra Coburg"

Das Landestheater dauerhaft an den Güterbahnhof verlegen: Das hat die Wählergemeinschaft Pro Coburg vorgeschlagen. Hier die Reaktion von OB Tessmer.
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Das Coburger Landestheater ist dringend sanierungsbedürftig. Außerdem soll es zusätzliche Räume erhalten, die ein zeitgemäßer Theaterbetrieb braucht. Das dürfte mindestens 100 Millionen Euro kosten. Der Freistaat finanziert mit. Foto: Simone Bastian
Das Coburger Landestheater ist dringend sanierungsbedürftig. Außerdem soll es zusätzliche Räume erhalten, die ein zeitgemäßer Theaterbetrieb braucht. Das dürfte mindestens 100 Millionen Euro kosten. Der Freistaat finanziert mit. Foto: Simone Bastian
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Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hat sich einen Tag Zeit gelassen, um auf den Antrag zu reagieren. Das tut er nun umso ausführlicher. Hier die Stellungnahme aus dem Rathaus im Wortlaut:

"Aus der Sicht des Oberbürgermeisters und Verwaltungsausschuss-Vorsitzenden sind folgende Punkte zum Antrag anzumerken:

Bei der anstehenden Generalsanierung handelt es sich um eine Baumaßnahme des Freistaates Bayern. Es ist die umfangreichste Baumaßnahme seit der Theatereröffnung im Jahre 1840. Die letzte Sanierung liegt über 40 Jahre zurück. Die vorgesehenen Raumerweiterungen sind zudem gesetzlichen Bestimmungen (Brandschutz, Bühnen- und Sicherheitstechnik, Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, etc) geschuldet. Es soll ein zukunftsorientierter und wirtschaftlicher Theaterbetrieb entstehen.

Zu diesem Zweck wurde im Jahre 2016 mit dem Freistaat Bayern eine Finanzierungsvereinbarung abgeschlossen. Dies sieht eine Kostenverteilung von 75 (Freistaat Bayern) zu 25 (Stadt Coburg) beim Großen Haus (Bestandsgebäude) und eine hälftige Förderung im Bereich der Ausgleichsflächen (Nebengebäude) vor. Durch diese Vereinbarung wird die Generalsanierung ermöglicht und es fließt ein zweistelliger Millionenbetrag in unsere Stadt.

Der vorliegende Antrag der Fraktion PRO Coburg sieht vor, die genannte Finanzierungsvereinbarung zu kündigen und neu zu verhandeln. Ebenso wird vorgeschlagen, den Staatsvertrag über die Fortführung des Coburger Landestheaters von 1924 zu kündigen und neu zu verhandeln. Der Theaterbetrieb gründet sich auf diesem Vertrag und aus diesem ergibt sich die Verpflichtung, das Landestheater Coburg auf seiner künstlerischen Höhe fortzuführen. Eine Auf- bzw. Abweichung im Sinne des Antrages würde den Staatsvertrag einseitig in Frage stellen.

Die Diskussion um die Generalsanierung hat eine große Dynamik in Coburg ausgelöst. Die drei größten Coburger Unternehmen (Brose, HUK-Coburg und Kaeser) beteiligen sich als Globe-GmbH finanziell und mit großem Einsatz an der Planung und Umsetzung des "Globe" am Standort Güterbahnhof.

Der Freistaat Bayern fördert diese Maßnahme mit zehn Millionen Euro. Das "Globe" bietet dem Landestheater während der Generalsanierung einen Standort als Interim. Danach steht diese Kulturstätte dauerhaft für vielfältige Zwecke (zum Beispiel für die freie Szene, Events, Veranstaltungen, etc.) zur Verfügung. Das "Globe" hat eine hohe Qualität als Übergangslösung, ist aber nie als zweites Landestheater entwickelt und geplant worden. Dies war nie Ziel der Entwicklung, und deshalb entspricht das "Globe" nicht den Anforderungen an eine dauerhafte Nutzung eines modernen Dreispartenhauses.

Das Coburger Landestheater hat eine fast 180-jährige Geschichte, die sich im Stadtgeschehen widerspiegelt. Das Theater hat Einfluss auf das Coburger Lebensgefühl, ist Identifikationsfaktor und kultureller Leuchtturm für Stadt und Region. Es ist die zentrale Kulturinstitution in der Region, ein Wahrzeichen, ein Alleinstellungsmerkmal und für unsere Unternehmen ein relevanter Standortfaktor.

Auch wenn der Preis der Generalsanierung hoch ist: Das Theater ist Investition in die Zukunft und kein lästiger Kostenfaktor. Investitionen in Kunst und Kultur sind wichtig. Kunst und Kultur geben in unsicheren Zeiten Halt und Orientierung. Für die Entfaltung der Kunst ist der Kulturbau des Landestheaters Coburg unersetzlich.

Das hochmotivierte Team des Landestheaters hat durch Improvisation und Engagement das Haus trotz seiner Unzulänglichkeiten am Laufen gehalten Das Theater ist für 230 Mitarbeiter(Innen) berufliche Existenz. Über die Generalsanierung wird bereits seit 2004 nachgedacht, diskutiert und es wurden Beschlüsse gefasst. Einmal mehr bedeutet der Inhalt des Antrages nun für die gesamte Mannschaft des Landestheaters ein hohes Maß an Verunsicherung und Demotivation.

Das Landestheater verdanken wir den geschickten Verhandlungen unserer früheren Stadtväter.

"Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen."

Dieses Wort von Goethe hat im weitesten Sinne Gültigkeit für den Erhalt des kulturellen Erbes , das uns unsere Vorfahren mit dem Landestheater hinterlassen haben. Würde man dem Vorschlag von PRO Coburg in dieser Weise folgen, bedeutet das nicht Erhalt, sondern Zerschlagung dieses großartigen Erbes, um das uns viele beneiden.

Zudem würde die Stadt Coburg ihrer historischen Verantwortung für das klassizistische Theaterjuwel nicht gerecht. Insofern bedeutet der Antrag nicht PRO sondern CONTRA Coburg."

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