Neustadt bei Coburg
Einsatz

Ehrung von Mitgliedern der Sicherheitswacht Neustadt/Rödental

"Wir sind keine Polizisten, wir machen das in unserer Freizeit" - in Neustadt wurden ehrenamtliche Mitglieder der Sicherheitswacht geehrt.
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Andreas Großmann zeichneten Polizeipräsident Udo Skrzypczak (rechts) und OB Frank Rebhan aus. Foto: Manja von Nida
Andreas Großmann zeichneten Polizeipräsident Udo Skrzypczak (rechts) und OB Frank Rebhan aus. Foto: Manja von Nida
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"Ich wollte mich einfach engagieren. Dann habe ich die Ausschreibung damals gesehen und dachte sofort, das ist genau das, was ich suchte. Da habe ich mich beworben", erinnerte sich Kanat Akin, der als Jurist in der Finanzverwaltung arbeitet, an seinen Start bei der Sicherheitswacht Neustadt bei Coburg und Rödental. "Als jüngerer Mensch habe ich gerade zur Jugend einen völlig offenen Zugang", sagte Akin, der zusammen mit Harry Hanft und Andreas Großmann für diese ehrenamtliche Tätigkeit geehrt wurde. "Das ist heute ein schöner Anlass hier in der Polizeiinspektion Neustadt", sagte Mattthias Schubäck, der Chef der Polizeiinspektion Neustadt, zu Beginn der kleinen Feierstunde am Montag.

2008 wurde der Sicherheitsverbund Neustadt/Rödental geschaffen, die ersten acht Sicherheitswacht-Mitglieder wurden ausgebildet. Seitdem gibt es in beiden Städten an gewissen Punkten wie öffentlichen Parks, Anlagen, in der Umgebung von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel und im Umfeld von Asylbewerber-Unterkünften eine Sicherheitswacht. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und sollen mit ihrer Anwesenheit der Bevölkerung ein Gefühl von Sicherheit geben. Sie unterstützen die Polizei und sind Ansprechpartner für schutzbedürftige Personen wie Kinder und Senioren. Sie arbeiten präventiv und sollen durch ihre Anwesenheit Störungen oder Vandalismus verhindern und beugen im Idealfall der Straßenkriminalität vor.


Begeistert von der Tätigkeit

Kanat Akin, Andreas Großmann und Harry Hanft sind Männer der ersten Stunde der Sicherheitswacht. Sie machen seit zehn Jahren ihren ehrenamtlichen Job und sind begeistert davon. Dieses Engagement würdigte das bayerische Staatsministerium jetzt. Im Namen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) überreichte Udo Skrzypczak, Polizeivizepräsident von Oberfranken, die Dankesurkunden. Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) überraschte
zudem noch mit einem netten Präsent.

"Wir sind keine Polizisten, wir machen das in unserer Freizeit", erzählte Busfahrer Andreas Großmann. "Ich wohne am Hindenburgplatz hier in Neustadt. Dort gab es damals oft abends Terror und Randale. Das war sehr störend." Betroffene Anwohner starteten eine Unterschriftenaktion. "Wir trugen unser Anliegen OB Rebhan vor und gingen damit auch zur Neustadter PI. Dann habe ich gleich auch gesagt: Ich kann nicht nur meckern, ich muss auch was tun. So bin ich zur SIWA gekommen, und meine Frau hatte das sogar noch mit angeregt", erzählte Großmann. "Seitdem ist es inzwischen auch ruhiger geworden, auch auf den Spielplätzen", ergänzte Kollege Harry Hanft. "Als Busfahrer bei der
SÜC kriege ich ja vieles an den Haltestellen mit, besonders bei der Jugend. Verkehrsmäßig machen wir als SIWA gar nichts. Wir nehmen uns hauptsächlich der Jugendkriminalität, des Alkoholmissbrauchs an, das ist so unser Hauptaufgabengebiet", zählte Hanft auf. "Und für uns Busfahrer ist unser Engagement zudem ein schöner Ausgleich, denn wir sitzen beruflich ganz viel."

Vor zehn Jahren wurde ein Zeitungsaufruf für die Sicherheitswacht (SIWA) gestartet. "Damals wurde
noch über die Sinnhaftigkeit von SIWA diskutiert. Und ich glaube, die Praxis überzeugt einen letztendlich", hielt Skrypczak Rückschau. Die SIWA gehöre zwischenzeitlich in Neustadt und Rödental zum Straßenbild. Die einheitliche Kleidung (blaues Pique-Kurzarmhemd, blaue Einsatzjacke mit Aufschrift "Sicherheitswacht") dokumentiere ein wenig die Zugehörigkeit zur Polizei, so der Polizeivizepräsident. "Am 15.7.2008 händigten wir die Bestellungsurkunden nach dem Ausbildungsabschluss aus. Seitdem sorgen Sie, meine Herren, mit einem Segment zusätzlich für Sicherheit hier in Neustadt und Rödental, das die Polizei aufgrund anderer Aufgaben nicht in dem Maße abdecken kann", sagte Skrzypczak. Gerade der niederschwellige Bereich von Ordnungsstörungen oder einfach präsent sein, dies sei alles eingespielt, auch was SIWA-Mitarbeiter der Polizei melden müssten. Inzwischen sei eine zweite und dritte SIWA-Generation ausgebildet worden. "Sie decken die subjektive Sicherheit hervorragend ab, objektive Sicherheit ist ausschließlich Aufgabe der Polizei. Die Menschen haben ein Gefühl der Sicherheit. Und wir haben nun schon zehn Jahre hier mit der SIWA starke Partner", dankte Skrzypczak. Mit einem neuen Fahrzeug seien zudem inzwischen die Mobilität und der Radius erhöht worden. "Und die schärfste Waffe, die SIWA haben, ist das Wort."

OB Frank Rebhan erinnerte, der damalige Neustadter PI-Chef Eppler habe die Zeit der SIWA-Gründung damals großartig vorangetrieben. "Das war ein Glück. Und das andere Glück war, dass die Menschen wie Sie sich dafür bereit erklärten, mein Dank und mein Respekt. Das Thema "innere Sicherheit", das Alltägliche (sich unwohl fühlen in Parks usw.) sei von der Politik völlig unterschätzt worden, so Rebhan. "Das hat was mit Lebensgefühl zu tun, besonders auch für ältere Menschen. Das hat die große Politik weit unterschätzt und ignoriert." OB Rebhan sprach den Vandalismus beispielsweise im Freizeitpark an. "Videokameras haben wir nicht, deshalb sind wir auf Bürger wie Sie angewiesen", dankte OB Rebhan.

"Wir werden den Sicherheits-Pool der SIWA Neustadt/Rödental definitiv aufstocken", bemerkte Schubäck. Eine Werbung werde noch heuer erfolgen. Neben Kronach beginne auch Lichtenfels mit einer SIWA, wozu Gespräche angesagt seien. "In den letzten zehn Jahren haben wir achteinhalbtausend Stunden SIWA geleistet, was im Jahr gut 850 bis 900 Stunden bedeutete. Daran
sieht man die Notwendigkeit und auch das Engagement der einzelnen Leute, die das Gespräch mit dem Bürger suchen oder einfach nur bei verschiedenen Veranstaltungen anwesend sind. Es ist ein sehr großer Stellenwert vorhanden", fügte Schubäck hinzu.

Bayernweit werden SIWA-Mitarbeiter in einem 40-Stunden-Lehrgang ausgebildet. Aufwandentschädigung wird mit 8 Euro vergütet. Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, darf sich gern bei den Polizeidienststellen informieren.

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