Coburg
Auftakt

Dürfen wir jetzt schwelgen im Landestheater?

Mit einer fulminanten Opern-Gala im vollbesetzten Haus eröffnete das Landestheater Coburg die Saison 2019/2020.
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"Sei du selbst" schmettern die beiden putzigen Kerle in bester Musical-Manier und reißen damit die Leute im voll besetzten Landestheater Coburg gleich von den Sitzen. Nirgends sonst sind die Leute vom Landestheater im geballten Auftritt so zu erleben wie bei der Gala zur Eröffnung der neuen Saison, sehr sie selbst und persönlich und dabei voller Vorfreude musikalische Bonbons reichend, die uns schon mal den Geschmack des neuen Programmes probieren lassen.

"Sei du selbst" ist ein mächtig auftrumpfender Song aus dem Musical "Otello darf nicht platzen" von Brad Carroll, das im Januar zur Premiere kommen wird. Es schmetterten bei der großen Gala Dirk Mestmacher, den wir ja schon mögen, und ein neuer Sänger, Lean Fargel, auf den wir sehr gespannt sein dürfen.

Nicht geplatzt ist, trotz widrigen Auftaktes, die neue Intendanz. Zu seiner zweiten Spielzeit begrüßte Bernhard F. Loges jetzt mit sympathischer Souveränität - womöglich erstarkt in den Stürmen des letzten Jahres - ein erwartungsvolles Publikum aus den ganzen oberfränkischen Landen. Wir werden sehen; jedenfalls führte Loges geistreich und launig und Vertrauen erweckend durch das Programm.

Das wird - so weit scheinen wir hoffen zu können - vielseitiger als in der letzten Saison. Beginnend mit Wagners "Rheingold" als Auftakt zum kompletten "Ring" in den nächsten Jahren. Kora Pavelic als Fricka erweckte schon mal dramatisch nachdrücklich Wotan (Michael Lion). Gleich drauf ließ Olga Shurshina als Freia ihren schönen Sopran in den weiten mythischen Wagner-Raum.

Ach, tat das gut, nach der Sommerpause das Philharmonische Orchester des Landestheaters wieder zu hören in seiner schwelgenden Pracht, dabei aber ganz differenziert uns die unterschiedlichen Musikstile spüren lassend, die uns in dieser Spielzeit geboten werden. Ganz zart etwa für Händels "Alcina". Da rührte Laura Incko als männerfressende Zauberin, jetzt aber als leidende Liebende, sehr. Emily Lorini dagegen ließ zusammen mit dem Orchester giftige Eifersucht durch ihre Stimme rasen. Barock-Oper muss mittlerweile unbedingt sein in Coburg.

Und dann etwas Moderneres, das schon in dieser kleinen Kostprobe ungemein fesselte: Bohuslav Martinus Oper "Die griechische Passion" wird im April kommen, eine Klangsprache, die aus Vertrautem neue Gefühlsphären erweckt. Das wird spannend.

Dimitra Kotidou! Eine Wahnsinns-Stimme mit ganz eigener Färbung, eine fulminante Darstellerin. Sie wird Donizettis wahnsinnig werdende Lucia di Lammermoor singen. Das Gala-Publikum geriet geradezu aus dem Häuschen.

Aufs Dirigentenpodest sprangen - jeweils zu ihren Produktionen - Generalmusikdirektor Roland Kluttig (in seiner letzten Spielzeit hier in Coburg), Roland Fister und Johannes Braun. Man mag sie alle drei sehr gerne erleben.

Roland Fister etwa wird sein neues Musical zur Uraufführung bringen, "Die Prinzessin auf dem Kürbis", wozu Peter Asher schon mal die Nöte des verliebten Prinzen sang - zu einem üppigen Klanggemälde des Orchesters. Das wurde von eben diesem übersprühenden Fister bei der Farandole aus Bizets L'Arlesienne Suite fast zum Abheben getrieben. Bizet, Rachmaninov und andere werden die Musik zum neuen Handlungsballett von Mark McClain geben, "Der Glöckner von Notre-Dame".

Zum Abschluss - nach bereits zuvor genossener Koketterie dem Herrn Marquis durch Francesca Paratore - als unwiderstehliche Verführung gemeint und zelebriert: Johann Strauß zum Dahinschmelzen mit Chor und dem ganzen Ensemble. Duidu, duidu... "Die Fledermaus" hat schon im November Premiere.

Übrigens pöbelte zwischendurch auch mal das Schauspielensemble herein, das in der Saison 2019/2020 schließlich auch einiges zu bieten hat, Shakespeares "Othello" etwa, aber auch Dario Fos Farce "Bezahlt wird nicht". Anfangen tun die aber fränkisch bös schimpfend, im Oktober mit Fitzgerald Kusz "Schweig, Bub!".

Der Spielplan 2019/2020 des Landestheaters Coburg

Musiktheater

Wagner "Das Rheingold", Premiere am 29. September Strauß "Die Fledermaus", 9. November Sham/Carroll "Otello darf nicht platzen", 18. Januar Frid "Das Tagebuch der Anne Frank" (Reithalle), 1. Februar Sinatra in Concert "Fly Me to the Moon" (Reithalle), 14. Februar Fister "Die Prinzessin auf dem Kürbis" (Uraufführung), 20. Febr. Martinu "Die Griechische Passion", 11. April Händel "Alcina", 9. Mai Donizetti "Lucia di Lammermoor", 14. Juni:

Schauspiel

Streul "Die Sternstunde des Josef Bieder" (Reithalle), 4. Okt. Kusz "Schweig, Bub!", 12. Okt. Jacobs/Netenjakob "Extrawurst" (Reithalle), 22. November Löhle/Gebrüder Grimm "Die Bremer Stadtmusikanten", 24. Nov. Horváth/Sagor "Jugend ohne Gott" (Reithalle), 6. Dezember Shakespeare "Othello", 8. Febr. Vinterberg/Rukov "Das Fest", 28. März Tabori "Mein Kampf" (Reithalle), 15. Mai Fo "Bezahlt wird nicht!", 30. Mai

Ballett

McClain "Ballet rocks!", 26. Okt. McClain "Der Glöckner von Notre-Dame, 14. März Ballett Coburg "First Steps - Introspektive" (Reithalle), 30. April Yamamoto "Giraffes can't dance" (Reithalle), 11. Juni Ballettwoche, 1. bis 5. Juli

Konzerte

Sinfoniekonzerte: 13., 14. Oktober; 17., 18.November; 15., 16. Dezember; 1., 2. März; 20. April; 25. Mai; Ende Juni; Neujahrskonzert 6. Januar (Kongresshaus), 4. Juli, Klassik-Open-Air (Rosengarten) - Kammerkonzerte im Rathaussaal: 3. November, 22. Dezember, 9. Februar 2020, 5. April, 28. Juni.

Wiederaufnahmen

Baltscheit "Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor" (26. September);

Künneke "Der Vetter aus Dingsda" (6. Oktober); Bizet "Carmen" (18. Oktober); Schreier "Wunderland" (23. Oktober);

Tschaikowsky "Nussknacker" (1. Dezember)red

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