Coburg

Dreifaches Happy End am Broadway Oberfrankens in Coburg

Wie Gast-Regisseur Felix Seiler die Coburger Erstaufführung des Musicals "Otello darf nicht platzen" zum umjubelten Erfolg werden lässt.
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In der Inszenierung von Felix Seiler feierte das Musical "Otello darf nicht platzen" seine Coburger Erstaufführung am Landestheater.Foto: Sebastian Buff
In der Inszenierung von Felix Seiler feierte das Musical "Otello darf nicht platzen" seine Coburger Erstaufführung am Landestheater.Foto: Sebastian Buff
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Das Chaos ist perfekt. Das Opernhaus ist fast pleite - und der grandiose Einfall zur Rettung entpuppt sich als Reinfall. Denn der Star-Tenor, der mit seinem Gastspiel die Kasse klingeln lassen soll, ist versehentlich durch eine reichliche Dosis an Schlaftabletten kurz vor Beginn der Vorstellung außer Gefecht gesetzt.

Boulevard-Komödie wird Musical

Das Chaos ist perfekt am Landestheater Coburg - perfekt, weil das Chaos nur als Theater auf dem Theater stattfindet, wie in "Otello darf nicht Plätzen". Die erfolgreiche Boulevard-Komödie von Ken Ludwig ist jetzt mit lautstarkem Erfolg als Musical ins sanierungsbedürftige Haus am Schlossplatz zurück gekehrt.

Effektvoll in Szene gesetzt

Während sich draußen die Coburger Oberbürgermeister-Kandidaten geradezu inflationär vermehrt haben und der langsam in Gang gekommene Kommunalwahlkampf schon mit manchen (billigen) Theatereffekten aufwartet, zeigen die Profis, wie sich echter Theaterdonner in Szene setzen lässt.

Star des Abends

Der Assistent des Theatermachers, der bislang nur den Stichwortgeber und den Steigbügelhalter der echten Stars geben durfte, wittert plötzlich seine Chance, selber im Rampenlicht zu stehen. In Coburg spielt und singt Lean Fargel diesen Assistenten Max Garber als ebenso ehrgeizigen wie ängstlichen Möchtegern-Nachwuchsstar, der seine plötzlich sich bietende Chance nutzt und in der Maske von Otello zum Star des Abends wird.

Wunderbar komisch

Das erhöht natürlich seine Chancen bei Maggie Saunders (Veronika Hörmann), der Tochter des gleichmaßen verzweifelten wie von der Situation letztlich überforderten Impresarios Henry Saunders, dem Stephan Mertl couragiert singend ein wunderbar komisches Profil verleiht.

Stepptanz-Einalge

Dirk Mestmacher ist die perfekte Besetzung als Star-Tenor Tito Merelli, weil er dieser Figur genau das gibt, was das gesamte Musical vor allem braucht: klare Kontur, Präzision und perfektes Timing, eine flotte Stepptanz-Einlage am Ende inklusive.

Perfektes Timing

Denn davon lebt "Otello darf nicht platzen" auch in der Musical-Fassung - vom perfekten Timing bei den zahllosen Auf- und Abtritten. Klugerweise verzichtet Gast-Regisseur Felix Seiler auf jeden Umdeutungs-Ehrgeiz. Er belässt das Musical mit seinem Ausstatter Nikolaus Webern in den 30er Jahren, setzt auf Tempo und präzises Timing. Türen knallen, die Eifersucht bekommt überall dort reichlich Nahrung, wo Tito Merelli auftaucht.

Einfallsreiche Choreographie

Gemeinsam mit Ballettmeisterin Tara Yipp als einfallsreicher Choreographin gelingt es Seiler, immer wieder sehr lebendige, farbenfroh funkelnde Massenszenen zu formen. Denn dieses Musical lebt von genau durchgestalteten Bildern, vom präzisen Wechselspiel zwischen Chor (Einstudierung Mikko Sidoroff), Ballett und Solisten aus Schauspiel und Musiktheater.

Karrieresüchtige Prima Donna

Präzis und einfallsreich, vor allem aber mit sicheren Gespür für das richtige Tempo reizt Regisseur Felix Seiler das Pointen-Potenzial des Stückes in jeder Rolle perfekt aus. Das gilt auch für Dimitra Kotidou als karrieresüchtige Primadonna Diana Divane und Emily Lorini als Tito Merellis ausdauernd eifersüchtige Ehefrau Maria.

Lautstark turbulent

Dass die Klangbalance an diesem Abend mit zahlreichen Mikroports nicht immer ganz perfekt war und manche Passage reichlich laut tönte, störte bei diesem turbulenten Musical-Spaß wohl niemanden ernsthaft.

Musical für Kenner

Rein musikalisch ist "Otello darf nicht platzen" ein Musical für (Opern-)Kenner. Auch wenn die Partitur von Brad Carroll nicht unbedingt überfließt an hitverdächtigen Melodien, so bietet sie doch mit ihrem versierten 30er-Jahre-Sound gerade dem Connaisseur viele Gelegenheiten, Anspielungen zu entdecken von plakativ bis hintersinnig - angefangen beim berühmten Sturm-Chor aus Verdis originaler "Otello"-Partitur.

"Mister Musical"

Auch diese Feinheiten sind bei Coburgs "Mister Musical", bei Kapellmeister Roland Fister und dem ebenso temporeich wie präzis musizierenden Philharmonischen Orchester sowie dem von Mikko Sidoroff gewohnt sorgsam einstudierten Chor des Landestheaters in besten Händen.

Temposteigerung

Nach der Pause nimmt der Abend dann entschlossen Fahrt auf, erhöhen sich Tempo und Pointen-Dichte bis zum dreifachen Happy End nochmals deutlich.

Broadway Oberfrankens

Der heftige Applaus steigert sich am Ende zu stehenden Ovationen und weckt die Hoffnung, dass das Landestheater Coburg mit dieser fulminanten Produktion den früher gerne benutzten Ehrentitel "Broadway Oberfrankens" mit neuem Leben erfüllt.

Sie bringen "Lend Me a Tenor" in Coburg auf die Bühne

Musical-Tipp "Otello darf nicht platzen (Lend me a Tenor)"

- Musical von Peter Sham (Buch und Gesangstexte) und Brad Carroll (Musik) nach der Komödie von Ken Ludwig - 23. Januar, 19.30 Uhr, 26. Januar, 15 Uhr, 4., 6., 21., 28. Februar, 4., 7., 11. März, 4., 13. April, 23. Mai, 20. Juni, jeweils 19.30 Uhr, Landestheater Coburg Produktions-Team Musikalische Leitung: Roland Fister; Chorleitung: Mikko Sidoroff;

Inszenierung: Felix Seiler; Bühne und Kostüme: Nikolaus Webern;

Choreografie: Tara Yipp; Lichtregie: Andreas Rehfeld

Besetzung Henry Saunders: Stephan Mertl

Max Garber: Lean Fargel

Diana Divane: Dimitra Kotidou

Maggie Saunders: Veronika Hörmann

Tito Merelli: Dirk Mestmacher

Maria Merelli: Emily Lorini

Ballett des Landestheaters Coburg; Chor des Landestheaters Coburg; Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg Vorverkauf Tickets gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Hindenburgstraße 3 a.

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