Coburg
Landestheater

Don Juans Ständchen in der Coburger Reithalle

Wie der Tenor Sascha Mai das Publikum in der Coburger Reithalle mitnimmt auf eine Reise quer durch Europa.
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Sascha Mai (rechts) und MArco A. Cruz Otero gestalteten einen bemerkenswerten Liederabend im Coburger Theater in der Reithalle.Foto: Jochen Berger
Sascha Mai (rechts) und MArco A. Cruz Otero gestalteten einen bemerkenswerten Liederabend im Coburger Theater in der Reithalle.Foto: Jochen Berger
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Wahrscheinlich ist das ja die bequemste Art des Reisens. Einfach als Zuhörer sich auf die Spuren eines Reisenden zu begeben. "Streifzug durch Europa" hatte der Tenor Sascha Mai einen außergewöhnlichen Liederabend betitelt, den er gemeinsam mit seinem Klavierpartner Marco Alejando Cruz Otero im Coburger Theater in der Reithalle gestaltete.

Sieben Komponisten repräsentierten dabei in seiner Auswahl sieben Länder. Von Österreich bis Italien, von Spanien bis Russland, von Schubert bis Tosti spannte sich der klingende Bogen.

Romantik bis Moderne

Sascha Mais vielsprachiger Liederabend - er wurde schon durch diese Auswahl zum musikalischen Kontrapunkt zur aktuellen Situation Europas, in der eher auseinander strebende als verbindende Kräfte die politische Szene beherrschen. Musikalisch aber wurden in dieser Zusammenstellung zwischen Romantik und gemäßigter Moderne neben reizvoll unterschiedlichem Lokalkolorit immer wieder auch Gemeinsamkeiten und verbindende Aspekte hörbar. Schubert, Fauré, de Falla, Tschaikowsky, Britten, Sibelius und Tosti garantierten stilistische Vielfalt.

Reise der Erinnerungen

Vor allem aber hatten Regieassistentin Katarzyna Bogucka und Musikdramaturgin Dorothee Harpain in ihrem Konzept diesen Liederabend in eine szenisch arrangierte Reise der Erinnerungen verwandelt. In (fingierten) Briefen der ausgewählten Komponisten an den heimgekehrten Sänger hatten sie zudem hilfreiche biografische Infos eingefügt.

Aus gutem Grund bildete Schubert mit drei seiner bekanntesten Lieder den Auftakt: "Die Forelle", "Heideröslein" und "An die Musik". Schließlich hat Schubert mit seinem ebenso umfangreichen wie bedeutsamen Liedschaffen die Gattung Kunstlied im frühen 19. Jahrhundert auf ein bemerkenswertes Niveau geführt - Vorbild für viele spätere Komponisten.

Dass die Gattung Kunstlied auch Raum bietet für opernhafte Aufschwünge, bewies Tschaikowsky mit seinem "Ständchen des Don Juan", einst entstanden unter dem Eindruck von Mozarts "Don Giovanni".

Szenische Wirkungen

Sascha Mai ist nicht nur seit rund zwei Jahrzehnten Mitglied im Chor des Landestheaters, sondern tritt in der Region immer wieder solistisch hervor - in Konzerten ebenso wie mit prägnanten Solorollen auf der Bühne. Sein Gespür für szenische Wirkungen nutzte er auch bei einigen Liedern sehr effektvoll. Dennoch hütete er sich vor opernhaften Attitüden, setzte immer wieder auf zarte, leise Töne.

Einfühlsamer Klavierpartner

Gestalterisch war er stets an prägnanter Textausdeutung orientiert. Den gestalterischen Freiraum dazu garantierte ihm Marco Alejando Cruz Otero, der am Flügel sehr genau und einfühlsam begleitete. Begeistert ausdauernder Beifall und als Zugabe die Rückkehr zum Ausgangspunkt dieses außergewöhnlichen Liederabends - die Rückkehr zu Schubert, dessen "Erlkönig" die beiden Künstler mit atemloser Intensität darboten.

Konzerte des Landestheaters Coburg

Sascha Mai wurde in Gießen geboren. Er studiert nach dem Abitur Gesang in Frankfurt, später in St. Ingbert. Außerdem ließ er sich als Orgelbauer ausbilden und übte diese Tätigkeit bis 1998 aus. Seit der Spielzeit 1998/1999 ist er als Chorist mit Soloverpflichtung am Landestheater Coburg engagiert. Dem Publikum in der Region ist er als Tenorsolist zudem durch zahlreiche Auftritte als Solist in Kirchenkonzerten bekannt. Marco A. Cruz Otero ist seit Herbst 2017 als Solorepetitor am Landestheater Coburg engagiert. Ausblick Sinfoniekonzert, Montag, 11. März, 20 Uhr, Kongresshaus Rosengarten (in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg). - Interpreten: Alexander Schimpf (Klavier), Philharmonisches Orchester, Leitung: Johannes Klumpp Vorverkauf Tageblatt-Geschäftsstelle, Theaterkasse.

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