Coburg
Streit

Diskussion über Kahlschläge in und um Coburg

In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Bäume gefällt und gestutzt. Für Aufregung sorgt vor allem ein Kahlschlag am Ahorner Berg.
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Blick vom Ahrenshügel bei Ahorn aufs Coburger Weichengereuth: Diese Baumfällungen dienten auch der Sicherheit des unten parallel zur Straße verlaufenden Geh- und Radweges. Fotos: Berthold Köhler/Horst Schunk
Blick vom Ahrenshügel bei Ahorn aufs Coburger Weichengereuth: Diese Baumfällungen dienten auch der Sicherheit des unten parallel zur Straße verlaufenden Geh- und Radweges. Fotos: Berthold Köhler/Horst Schunk
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Horst Schunk blutet das Herz: "Es muss sehr viel neues Grün gepflanzt werden, um die zahlreichen Rodungen der letzten Monate zumindest einigermaßen auszugleichen", sagt Coburgs bekanntester Baumschützer. Zwar schränkt der ehemalige SPD-Politiker auch sehr wohl ein, dass niemand etwas dagegen sage, wenn aus Gründen der Sicherheit einzelne schräg stehende oder stark geschädigte Bäume gefällt werden. Aber: "Das komplette Fällen ist nicht hinnehmbar."

Als besonders krass empfindet Horst Schunk die Rodungen zwischen Coburg und Dörfles-Esbach, im Weichengereuth und am Ahorner Berg. Über Letzteren ärgert sich auch der in Ahorn lebende Unternehmer Michael Stoschek, der von "Frevel" spricht und die Bezeichnung "Ahorner Schandberg" benutzt.

Finzel: Ja, sieht furchtbar aus!

"Auch ich bin über diesen Kahlschlag absolut nicht erfreut", gibt Ahorns
Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) unumwunden zu: "Ja, das sieht furchtbar aus - und das an einem Eingangstor zu unserer Gemeinde."
Zwei Fragen drängen sich auf: Warum konnten oder mussten all diese Kahlschläge passieren? Und: Gibt es Möglichkeiten, die Stellen kurzfristig optisch wieder schöner zu machen?

Michael Höfner vom Straßenbauamt Bamberg verweist da rauf, dass man alleine schon aus Gründen der Verkehrssicherheit Bäume, die in der Nähe von Straßen stehen, regelmäßig kräftig zurückschneiden oder auch mal fällen muss. Grundsätzlich setze man solche Bäume alle zehn bis 15 Jahre "auf Stock" - es bleibt nur ein Stumpf, aus dem aber dann wieder neue Äste austreiben. Zum Ahorner Berg könne er noch sagen, dass es dort gleich mehrere recht schräg stehende Bäume gab. Doch letztlich habe man hier kaum Einfluss gehabt, weil es sich um Privatgrund handelt.

Das kann Martin Finzel nur bestätigen. Der Bürgermeister erklärt aber auch, dass die Gemeinde mehrere Bäume oberhalb des Geh- und Radweges im Weichengereuth hat fällen lassen. Dass dann zusätzlich noch viele weitere Bäume im Bereich Ahrenshügel "auf Stock gesetzt" wurden, habe ihn selbst "geschockt". Doch es sei eben nun einmal Privatgrund. Und Hartmut Puff von der Unteren Naturschutzbehörde stellt klar, dass ein Zurückstutzen von Bäumen auf Privatgrund rechtlich völlig in Ordnung sei.

Heute Gespräche am Berg

Bliebe aber noch die Sache mit der Optik, die oftmals nicht mehr in Ordnung ist, und der Frage nach einem möglichen weiteren Vorgehen. Während an den meisten Stellen in Coburg nichts anderes übrig bleibt, als die Zeit und die Natur die geschlagenen Wunden heilen zu lassen, denkt Martin Finzel für den Ahorner Berg über Nachpflanzungen nach. Auch deshalb wird er sich am heutigen Mittwoch mit Vertretern des Straßenbauamts treffen. Denn er will zum Beispiel erklärt haben, welche Folgen ein drei- bis vierspuriger Ausbau des Weichengereuths hätte. Denn wenn dieser geplante Ausbau kommt, muss wohl in den Berg eingegriffen werden. "Deshalb sollten wir jetzt nicht etwas pflanzen, was in fünf Jahren vielleicht im Weg steht." An dem Treffen wird laut Finzel auch der Grundstückseigentümer teilnehmen. Der Bürgermeister möchte mit ihm besprechen, ob kurzfristig erst einmal niedrigere Hecken- und Buchpflanzen (Flieder, Schlee, Weißdorn) den kahlen Berg verschönern könnten.

Horst Schunk appelliert derweil an alle Städte und Gemeinden, ein "neues Baumbewusstsein" zu entwickeln. Es sei eine "fatale Entwicklung", dass Bäume keine Lobby hätten - und das in Zeiten eines rasanten Klimawandels und obwohl jeder wisse, dass jeder Baum Kohelnstoffdioxid bindet und Sauerstoff produziert.
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