Coburg
Medizin

Diskussion in Coburg: Wie geht's weiter mit der Pflege?

Bei der Veranstaltung im Kongresshaus positionierte sich auch der künftige Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke.
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Bei der Podiumsdiskussion von Regiomed (von links):  Agnes Kohlbeck (Vizepräsidentin der Pflegenden in Bayern), Dr. Gerald Quitterer (Präsident der bayerischen Landesärztekammer), Dr. Ellen Lundershausen (Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen), Pflegebeauftragter und Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Moderator Wolfgang Braunschmidt, Regiomed-Akademieleiterin Dr. Dorothea Thieme und der designierte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke.Foto: Christoph Winter
Bei der Podiumsdiskussion von Regiomed (von links): Agnes Kohlbeck (Vizepräsidentin der Pflegenden in Bayern), Dr. Gerald Quitterer (Präsident der bayerischen Landesärztekammer), Dr. Ellen Lundershausen (Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen), Pflegebeauftragter und Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Moderator Wolfgang Braunschmidt, Regiomed-Akademieleiterin Dr. Dorothea Thieme und der designierte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke.Foto: Christoph Winter

"Ich habe das Gefühl, auf Station auf mich aufmerksam machen zu müssen, damit mir etwas beigebracht wird." Die Schülerin aus der Regiomed-Berufsfachschule Lichtenfels sagt im Kongresshaus Coburg weiter, dass ihr "sehr viel aufs Auge gedrückt wird". Die Liebe zum Beruf in der Krankenpflege müsse mehr vermittelt werden.

Für dieses Statement bekommt die junge Frau Applaus bei der Podiumsdiskussion. Das vielschichtige Thema, daher vielleicht etwas sperrig formuliert, lautet: "Pflegende und Ärzte im Wandel der Zeit - Zusammenarbeit oder Konfrontation? Wege aus dem Pflege- und Ärztemangel, Pro und Kontra Professionalisierung der Pflege und Übernahme ärztlicher Tätigkeiten".

Dass es einen eklatanten Mangel an Fachkräften in Kliniken, in Seniorenheimen und der ambulanten in Deutschland gibt, ist eine bekannte Tatsache. Gleichwohl nach den Worten des designierten Regiomed-Hauptgeschäftsführers Alexander Schmidtke "die Pflege eine der wichtigsten Berufsgruppen im Krankenhaus ist".

Andreas Westerfellhaus ist der Pflegebeauftragte der Bundesregierung und steht im Range eines Staatssekretärs. In den 1970er Jahren absolvierte er die Ausbildung als Krankenpfleger, arbeitete zunächst auf einer Intensivstation, durchlief die Weiterbildung Intensivpflege und Anästhesie und übernahm die Leitung der Abteilung. In den 1980er Jahren studierte er Pädagogik für Gesundheitsberufe und wurde dann Lehrer in der Krankenpflegeausbildung. Er gründete und leitete eine Weiterbildungsstätte für Intensivpflege und Anästhesie, ehe er Schulleiter der Krankenpflegeschule der Westfälischen Kliniken wurde. Seit April 2018 ist er Pflegebeauftragter der Bundesregierung.

Westerfellhaus Forderung ist, der Pflegeberuf, einerlei ob in Kliniken, Altenheimen oder ambulant ausgeführt, müsse attraktiver werden. Dazu gehöre selbstverständliche eine bessere Bezahlung, eine höhere Anerkennung in der Gesellschaft und im Beruf selbst. "Eine Altenpflegerin in München kann dort von ihrem Gehalt nicht leben", stellt er fest. Wichtig ist nach seinen Worten auch, dass in Kliniken die verschiedenen Berufsgruppen enger zusammenarbeiten und sich gegenseitig anerkennen. "Pfleger brauchen darüber hinaus mehr Kompetenzen, sie müssen ihren Beruf selbstständig machen dürfen." Zustimmung gibt es von Alexander Schmidtke: Der Klinikbetrieb sei schon"sehr arztlastig".

"Auszubildende dürfen keine Fachkräfte ersetzen müssen", fordert Agnes Kohlbeck, die Vizepräsidentin der Pflegenden in Bayern. Diese Körperschaft des öffentlichen Rechts versteht sich als Interessenvertretung von Pflegenden. Mit der Generalisierung der Pflegeausbildung ab 2020 werde sich die Situation verbessern. Damit ist gemeint, dass es eine gemeinsame Ausbildung in für die Alten-, Kranken und Kinderkrankenpflege gibt. Weiter werden die Schüler von den Ausbildungskosten befreit. Für die Leiterin der Regiomed-Akademie, Dr. Dorothea Thieme, wird sich mit der allgemeinen Pflegeausbildung auch die Praxisanleitung der Schüler verbessern.

Für mehr Miteinander von Medizin und Pflege tritt auch der Präsident der bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer ein. Pfleger seien kein ärztliches Hilfspersonal. Hingegen sieht die Präsidentin der Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Ellen Lundershausen, das Problem auch in der Kommerzialisierung des Gesundheitswesens: "Medizin nach Marktwirtschaft ist verkehrt."

Die Diskutierenden sehen die Pflege in den nächsten 20 Jahren professioneller, eventuell entlastet durch eine fortschreitende Digitalisierung und Telemedizin und die Trennung von ambulanter und stationärer Pflege wird aufgelöst sein.

Der Krankenpflege-Schülerin aus Lichtenfels gestand die Leiterin der Regiomed-Akademie, Dr. Dorothea Thieme ein, "in vielen Häusern dürfen die Schüler nicht Schüler sein". Sobald die Auszubildenden vom Stellenplan verschwunden seien, werde die Situation wohl besser.

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