Neustadt bei Coburg
Wirtschaft

Dietz baut in Neustadt heute schon wie in der Zukunft

Die Federnfabrik Dietz bekommt ein Verwaltungsgebäude, das modernen Vorstellungen von Nachhaltigkeit und Ökologie gerecht wird.
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Die ersten Spatenstiche sind symbolisch (von links): Wirtschaftsförderer des Landkreises Martin Schmitz,Frank Rebhan, Matthias Dietz, Sebastian Straubel und Andreas Truckenbrodt.Rainer Lutz
Die ersten Spatenstiche sind symbolisch (von links): Wirtschaftsförderer des Landkreises Martin Schmitz,Frank Rebhan, Matthias Dietz, Sebastian Straubel und Andreas Truckenbrodt.Rainer Lutz

Es ist ein zukunftsorientierter Bau, der als neues Verwaltungsgebäude der Federnfabrik Dietz in Neustadt entstehen wird. Er hätte sogar noch zukunftsorientierter werden können, wie Unternehmer Matthias Dietz beim Spatenstich am Freitag betonte.

Schon früher hätte das Unternehmen am Standort Neustadt wachsen sollen. Doch "die Grundstücksangelegenheiten waren kompliziert", wie Matthias Dietz betonte. So wurde damals beim Nachbarn in Sonneberg investiert. Doch die Verwaltung in Neustadt war noch immer auf drei Gebäude verteilt. "Das führt ständig zu Kommunikationsverlust", stellt der Unternehmer fest.

Als die Grundstücksangelegenheiten geregelt waren, war der Entschluss zum Neubau rasch gefasst. Gebaut werden konnte nicht so rasch. Matthias Dietz hatte eine Vision. Die Vorstellung von einem Gebäude, das energieautark ist, auf moderne Weise den Bedürfnissen der Beschäftigten nachkommt und wenig Betriebskosten verursacht.

Es war nicht leicht, ein Unternehmen zu finden, das die Vision des Bauherrn nicht für Utopie hielt. Mit dem Büro Goldbeck und Büroleiter Andreas Truckenbrodt fand es sich. Geothermie, gespeist aus Tiefbohrungen sollte es ermöglichen, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Doch Matthias Dietz musste feststellen, dass dem Bekenntnis der Regierung zu Energiewende, Ökologie und Nachhaltigkeit noch immer gelegentlich die Bürokratie im Wege steht. Das Wasserwirtschaftsamt intervenierte. Die Pläne wurden verworfen.

Planung angepasst

Dass Dietz als Unternehmen daraufhin nicht auf die Investition verzichtete oder gar ganz den Standort wechselte, dafür ist Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) dankbar, wie er sagte: "Diese Standorttreue kommt auch der gesamten Gesellschaft in Neustadt zugute."

Dietz verzichtete also nicht. Das Gebäude wurde etwas kleiner geplant. Die Energieversorgung über Photovoltaik und eine reduzierte Form der Geothermie gesichert. Dass zudem noch eine Gastherme eingebaut wurde, bezeichnete Andreas Truckenbrodt als "doppelten Hosenträger". Auf 85 Prozent Eigenenergieanteil komme das Haus. Die meiste Zeit reiche der erzeugte Strom und die Erdwärme für Heizung oder Kühlung sowie für die elektrische Versorgung im Gebäude.

Kleiner aber nicht einfacher

Warum auch die neue Planung, die dann endlich ein Jahr nach dem ursprünglich geplanten Start genehmigt war und zum Spatenstich führte, warum auch diese Planung durchaus Herausforderungen für die Techniker mit sich brachte, verheimlichte Truckenbrodt nicht. Der doch eher knapp bemessene Baugrund, trug dazu ebenso bei, wie die Vorgabe des Bauherren, einen Baum auf jeden Fall zu erhalten, der unmittelbar am Baugrundstück steht.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass der Kanal nicht ausreichend sein würde, um das zu erwartende Regenwasser aufzunehmen, das vom Gebäude gesammelt wird. Also entschieden sich die Planer für eine Dachbegrünung, um auch dieses Problem zu lösen.

Ein Jahr Bauzeit

Noch ist der Bau nicht fertig. Aber in etwa einem Jahr soll er es sein. Dann wird die Firma rund vier Millionen Euro investiert haben, wie Matthias Dietz sagte. Eine Investition, die sicherstellen soll, dass mit dem neuen Gebäude auch genug Raum vorhanden ist, wenn das Unternehmen weiter wächst wie in den vergangenen Jahren. Hatte Dietz vor zehn Jahren noch rund 70 Mitarbeiter, stehen dort heute rund 200 Menschen in Lohn und Brot.

Bedeutung für die Region

Nicht erst mit der neuen Erweiterung sieht Landrat Sebastian Straubel (CSU) die Federnfabrik Dietz als "Innovationstreiber in der gesamten Branche", der maßgeblich zum Wirtschaftsstandort Coburg beiträgt. Teile aus der Herstellung des Neustadter Unternehmens fänden sich in der Automobil- und Elektroindustrie, der Haus- wie auch der Medizintechnik. Beeindruckt zeigte sich Sebastian Straubel von der Zahl der jährlich hergestellten Teile: "800 Millionen Teile verlassen jedes Jahr das Werk in Neustadt. 800 Millionen!" Ein Stand an Produktivität, der für Oberbürgermeister Frank Rebhan nicht das Ende der Fahnenstange sein wird. "Ihr habt kontinuierlich alle paar Jahre erweitert und investiert, euch nie auf dem Erreichten ausgeruht", sagte er beim Spatenstich.

Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass die drei Generationen der Unternehmerfamilie, die Dietz seit seit der Gründung vor über 90 Jahren zu stetem Wachstum verhalfen, nicht immer nur rosige Zeiten erlebt hätten, sagte Rebhan: "Es gab auch schwierige Zeiten, aber sie wurden gemeistert."

Nun hoffen Planer und Bauherren, in einem Jahr das neue Gebäude einweihen zu können, ohne dazwischen weitere Probleme lösen zu müssen.

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