Coburg

"Diesmal startet jeder als Amateur"

Norbert Denninger, vormals ÖDP, hat eine neue politische Heimat gefunden. Die Partei "Die Partei" nominierte ihn zum Spitzenkandidaten in Coburg.
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Kein Spaß: Norbert Denninger (Mitte), 2002 schon einmal OB-Kandidat, tritt erneut an, diesmal für die Satirepartei Die Partei. Links Bezirksvorsitzender Andreas Hartmann, rechts Kreisvorsitzender Pascal Grochla. Foto: Wolfgang Desombre
Kein Spaß: Norbert Denninger (Mitte), 2002 schon einmal OB-Kandidat, tritt erneut an, diesmal für die Satirepartei Die Partei. Links Bezirksvorsitzender Andreas Hartmann, rechts Kreisvorsitzender Pascal Grochla. Foto: Wolfgang Desombre

Seit über zehn Jahren praktiziert "Die Partei" nach ihren Aussagen "moderneste Turbopolitik" und bezeichnet sich als "Trendsetter im verkommenden deutschen Politikbetrieb". Nun will sie auch in Coburg zur Kommunalwahl antreten - die Stadt unterwandern, wie es auf der Nominierungsversammlung am Freitag im "Oylnspiegl" hieß. Der 15. März 2020 wurde zum "Unterwandertag" erklärt.

Zunächst aber mussten die Formalitäten erledigt werden. Bei der Versammlung wurde die Stadtratsliste aufgestellt und ein Oberbürgermeisterkandidat für Coburg nominiert. Da sich für die Kreistagswahl keine 20 Leute gefunden haben, wurde mehrheitlich dafür plädiert, keine eigene Liste aufzustellen. Von den 19 Wahlberechtigten stimmten 15 mit Ja, drei mit Nein und es gab eine ungültige Stimme.

"Wir wollen mit Norbert ins Coburger Rathaus einziehen", dass stand schon vor Beginn der geheimen Wahl fest. Den Individualverkehr zu minimalisieren, den ÖPNV auszubauen, ein Stadtratsfernsehen und eine weltoffene Party für die Coburger während des Coburger Convents ins Leben zu rufen lauten die Ziele, die Denninger formulierte. Seine Vision von Coburg sei eine weltoffene Stadt, in der niemand bevorzugt wird und die Klimaschutz aktiv lebt.

Er bewerbe sich um einen Job, vor dem er durchaus Respekt habe und deshalb sei seine Bewerbung auch ernst gemeint und kein Spiel, betonte Denninger, der dem Coburger Stadtrat von 2002 bis 2008 angehört hatte. Die wichtigste Frage sei natürlich, ob er überhaupt für diese Tätigkeit qualifiziert sei. Fachwissen sei sekundär, dafür gebe es schließlich hochqualifizierte Leute in der Stadtverwaltung, lautet Denningers Antwort. Und: Jeder Bewerber um diesen Posten starte dieses Mal als Amateur. Keiner habe sich bereits in einer ähnlichen Position qualifiziert.

Denninger verwies auf seinen Werdegang und seine Tätigkeit als Kursleiter in der Erwachsenenbildung. Im Studium (staatlich anerkannter Sozialpädagoge mit Diplom ) habe er Öffentlichkeitsarbeit und Sozialplanung als Vertiefungsbereiche gehabt. Auch "Mitarbeitermotivation und positiver Führungsstil", sowie "Entwicklung/ Fortschritt/ Nachhaltigkeit" habe er mit Bestnoten abgeschlossen. Zudem sei er ausgebildet in personenzentrierter Gesprächsführung, habe Führungserfahrung und den Ausbilderschein. Er habe mit Suchtkranken, Migranten, Arbeitslosen, psychisch Kranken, Missbrauchsopfern und vielen anderen Menschen, die die Gesellschaft am liebsten ignorieren möchte, gelacht und geweint, sagte er.

In jedem Beruf würden zehn Prozent Fachwissen und zu 90 Prozent eine Mischung aus Psychologie, Soziologie, Strategie, Diplomatie, Präsenz und einem Schuss Exhibitionismus benötigt. "Das bin ich, das kann ich und das will ich!"

Er werde als OB nicht aufhören, Missstände anzuprangern, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, natürlich auch mit denen der Satire, versprach er. Während seiner Zeit im Stadtrat habe er mit allen damaligen Stadtratskollegen gut zusammenarbeiten können. Schwierig werde aber in diesem Zusammenhang der Umgang mit der AfD werden, denn es sei zu befürchten, dass sie auch in den Coburger Stadtrat einziehen werde. "Ich verspreche schon jetzt, die werden keinen Spaß haben." des

Die Stadtratsliste der Partei Die Partei für Coburg

1. Norbert Denninger, 2. Anke Stolle, 3. Johannes Escherich, 4. André Eckerlein, 5. Mattes Bauer, 6. Florian Schleicher, 7. Katharina Kühn, 8. Jan Arnold, 9. Oliver Grambs, 10. Nils Liebscher, 11. Yvonne Benthien, 12. Andreas Kacenka, 13. Sebastian Michel, 14. Michael Miße, 15. Florian Rothaug, 16. Alexander Fink, 18. Simon-Welf Wohlleben, 19. Christian Meißner, 20. Maximilian Hager, 21. Benjamin Peter, 22. Oliver Anders, 23. Thomas Kallenberger, 24. Björn Gabler, 25. Andreas Knoch, 26. Michael Merz, 27. Stefan Schwämmlein.

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