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Coburg
Digitalisierung

Die Wurzel am Tablet ziehen: Wie digitale Medien am Casimirianum in Coburg eingesetzt werden

Casimirianum: Im Rahmen einer Arbeitstagung zum Modellprojekt "Digitale Schule 2020" zeigten Schüler und Lehrer, wie sie von digitalen Meiden profitieren.
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Die Fünftklässler Tim und Jarn  lösen verschiedene Matheaufgaben am Tablet.  Für richtige Lösungen erhalten sie Sterne und Smileys - gerne übertrumpfen sie sich gegenseitig und spornen sich dadurch an, auch in der Freizeit zum Tablet zu greifen, um Aufgaben zu lösen.Jutta Rudel
Die Fünftklässler Tim und Jarn lösen verschiedene Matheaufgaben am Tablet. Für richtige Lösungen erhalten sie Sterne und Smileys - gerne übertrumpfen sie sich gegenseitig und spornen sich dadurch an, auch in der Freizeit zum Tablet zu greifen, um Aufgaben zu lösen.Jutta Rudel

Die Fünftklässler Tim und Jarn schauen gebannt auf das Tablet. Abwechselnd tippen sie auf den Bildschirm und ein Ton erklingt: "Ja, 100 Prozent!", freut sich Jarn. "Das Ziel ist es, viele Sterne und Gesichter zu sammeln", erklärt er. Jetzt ist Tim dran. "Wir übertrumpfen uns gegenseitig", sagt er und beide lachen. Im ersten Moment denkt man, die Jungs spielen ein lustiges Spiel gegeneinander - in Wahrheit sitzen sie im Unterricht und lösen Matheaufgaben.

Als Hausaufgabe einen Film zu regressiven Verben drehen oder eben mal ein E-Book auf Spanisch erstellen - für die Schüler des Casimirianums ist das ganz normal. Das Gymnasium ist eines von zwei bayerischen Modell-Gymnasien, die beim Schulversuch "Digitale Schule 2020" teilnehmen. Digitale Geräte werden verstärkt als Lernwerkzeuge genutzt. Vier weitere Gymnasien nehmen an diesem Projekt teil. "Wir kochen alle mit dem selber Wasser, aber jeder macht es etwas anders", so Schulleiter Burkhard Spachmann. Deshalb schauten sich die beteiligten Schulleiter und Teamchefs im Rahmen einer Arbeitstagung den Unterricht in Coburg mal genauer an.

Spielerisch Lernen am Tablet

Neben den gewöhnlichen Unterricht mit Stift und Papier können Lehrer Netbooks buchen. Jeder Schüler hat einen Account, sodass er auch von zu Hause aus Aufgaben am PC lösen kann. Die Eltern zahlen fünf Euro dafür, müssen aber im Gegenzug keine Arbeitshefte mehr kaufen. In den höheren Klassen lernen die Schüler ihre Lerninhalte digital aufzubereiten.

In den niedrigen Stufen werden die Geräte für Lernspiele, aber auch als Forum für Fragen und Antworten genutzt, so auch bei Latein-Lehrer Peter Carl: "Ausreden wie ,Ich habe die Hausaufgabe nicht gemacht, weil ich sie nicht verstanden habe‘ gehen nicht mehr." Auch Mathe-Lehrer Stefan Herold ist begeistert von den Möglichkeiten: "Die Hausaufgaben müssen bis 20 Uhr abgeschickt werden. Danach kann ich sie anschauen und sehen, wo die Schwierigkeiten lagen. So kann ich mich gleich auf den nächsten Unterricht vorbereiten." Und bei Aufgaben während des Unterrichts muss er nicht einzeln überprüfen, ob richtig gerechnet wurde - das übernimmt die App. Nach jeder Aufgabe wird der Lösungsweg erklärt und Punkte vergeben. Abschreiben, das geht nicht: "Wenn eine Textaufgabe mit Euro dran kommt, habe ich einen anderen Betrag als Tim", sagt der Fünftklässler Jarn.

Ein weiteres Modell "Bring your own device" (zu deutsch: Bringe dein eigenes Gerät mit) wurde in der neunten Klasse etabliert. Die Schüler arbeiten hier ausschließlich mit ihren eigenen Laptops, Notebooks und Tablets. Per Stifteingabe werden Vokabeln schwarz übermalt und dann wieder aufgedeckt, Wurzlen gezogen und Arbeitsblätter "per Hand" ausgefüllt - die Möglichkeiten scheinen grenzenlos. Schüler die ältere Gerät ohne Stifteingabe haben, greifen da doch lieber noch zum echten Stift und Papier.

Natürlich sind viele Eltern, so Lehrerin und Teammitglied "Digitale Schule 2020" Kathrin Grosch, zunächst nicht erfreut, wenn sie ein neues Gerät kaufen sollen. "Man kauft ja normal nicht einfach so ein Notebook für 600 Euro." Die Lehrer leisten daher viel Überzeugungsarbeit.Im Großen und Ganzen stehen die Eltern aber hinter dem Projekt, spätestens dann, wenn sie sehen, wie vielseitig ihre Kinder arbeiten können.

Eine Hardware-Schulung hatten die Lehrkräfte übrigens nicht. "Meine größte Angst war, dass ein paar Schüler vor mir sitzen und schreien, weil etwas nicht geht", erzählt Grosch. Aber diese Sorgen waren unbegründet. Die Schüler kennen sich meist besser aus, helfen sich gegenseitig und es gibt eine Technik-Expertengruppe. "Die Schülern werden dadurch ernst genommen und ihre Kompetenz anerkannt", sagt der Schulleiter. Probleme gebe es dann, wenn das Netz überlastet ist, weil zu viele Geräte gleichzeitig online gehen oder Schüler unerlaubt mit ihren Smartphones im Netz surfen. Das passiere aber recht selten, das Netz sei sehr stabil. Zudem werde es den Schülern durch eine neue Software bald nicht mehr möglich sein, unerkannt zu surfen.

Medienkompetenz schulen

Dass die Schüler nur noch in den Bildschirm starren, ist nicht der Fall. Vielmehr soll die Medienkompetenz gestärkt werden. Eva Stolpmann von der Stiftung Bildungspakt Bayern erklärt: "Es wird oft darüber geredet, dass der Unterricht durch die Digitalisierung ganz anders wird. Man kann hier sehr gut sehen, dass es kleine Schritte sind, in die die Digitalisierung zerlegt werden muss." Denn nur so könne man zeigen, wie man die digitalen Medien produktiv für das Lernen einsetzt. Die Geräte sollen nur zum Einsatz kommen, wenn es Sinn macht. Lehrer Herold macht deutlich: "Ausschließlich Digitales zu nutzen wäre der falsche Weg. Es ist nur eines von vielen Werkzeugen."

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