Wildenheid
Kirche

Die Wildenheider Sternsinger sind motiviert

Die Jungen und Mädchen ziehen wieder als Heilige drei Könige durch Wildenheid, aber eigentlich sind sie zu wenige.
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Wohin gehen, wohin nicht gehen? Manuela Kotschenreuther beratschlagt mit den Kindern, wie das Problem der fehlenden Gruppen gelöst werden soll. Foto: Daniela Pondelicek
Wohin gehen, wohin nicht gehen? Manuela Kotschenreuther beratschlagt mit den Kindern, wie das Problem der fehlenden Gruppen gelöst werden soll. Foto: Daniela Pondelicek
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Tina, acht Jahre alt, ist mächtig stolz: Dieses Jahr darf sie bei den Sternsingern ihre Traumrolle übernehmen und als Stern von Haus zu Haus ziehen. "Der Stern ist sowas wie der Anführer der Sternsinger, und das finde ich voll cool", erzählt sie. Das Verkleiden ist für sie das Allerbeste bei den Sternsingern. "Mir gefällt aber auch, dass wir unseren Text einüben und dann vortragen", erklärt sie.

Seit 20 Jahren ziehen die Sternsinger in der Kirchgemeinde Wildenheid-Meilschnitz von Haus zu Haus, um den Menschen den Segen Gottes nach Hause zu bringen. "Diesem Brauch wohnt eine schöne Symbolik inne - denn normalerweise kommen die Menschen in die Kirche, um den Segen zu empfangen und nun wird er quasi in die Welt hinausgetragen", erklärt Désirée Sommermann, die die Sternsinger in der Kirchgemeinde Wildenheid-Meilschnitz gemeinsam mit Manuela Kotschenreuther betreut. "Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr regelmäßig in die Kirche kommen können, ist das etwas ganz Besonders", weiß Eva Grempel, Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes der Kirchgemeinde Wildenheid-Meilschnitz. Aus diesem Grund habe es in den letzten Jahren auch emotionale Momente gegeben: "Es gab Senioren, die sich so über den Besuch der Kinder gefreut haben, dass sie Tränen in den Augen hatten."


Schwierigkeiten in der Organisation

Zwar feiern die Sternsinger in der Kirchgemeinde einen runden Geburtstag, allerdings treten in der Organisation in diesem Jahr auch Schwierigkeiten auf: In Meilschnitz haben sich genug Kinder gefunden, so dass das ganze Dorf Besuch von den Sternsingern bekommen kann. In Wildenheid schaut das aber anders aus. "Wildenheid besteht aus drei Bereichen, also bräuchten wir drei Gruppen, um das gesamte Gebiet abzudecken", erklärt Désirée Sommermann. Mit fünf Kindern, die sich gemeldet haben, kommt in diesem Jahr aber nur eine große Gruppe zusammen. "Ich denke, im Moment ist es im Allgemeinen schwierig, Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu zu motivieren, in ihrer Freizeit einen freiwilligen Dienst zu übernehmen", vermutet sie und fügt hinzu: "Das finde ich sehr schade." Umso dankbarer sei sie den Kindern, die sich in Wildenheid bereit erklärt haben, ihren Mitmenschen eine Freude zu bereiten. Denn schlussendlich täten die Sternsinger nicht nur den Mitmenschen gut, sondern seien auch für die Kinder eine wertvolle Erfahrung: "In diesem Jahr sammeln die Kinder Geld für Familien in Vietnam, damit diese dann einen Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen können. Dadurch erfahren die Kinder hautnah, was Nächstenliebe bedeutet."

Gemeinsam mit den Kindern überlegen Désiree Sommermann und Manuela Kotschenreuther, wie das Problem in Wildenheid gelöst werden könnte. "Das ganze Gebiet können die Kinder sicher nicht alleine bewältigen - sie wären den ganzen Tag in der Kälte unterwegs", sagt Manuela Kotschenreuther. Das wäre eine Überlastung für die Kinder. "Und am Ende hätten sie vielleicht keine Lust mehr, im nächsten Jahr noch einmal mitzumachen", befürchtet sie. Also kann nur ein Teilgebiet von den Kindern besucht werden - auch wenn es schwerfällt, sich für ein Gebiet zu entscheiden. Deshalb nehmen die Kinder alle drei Gebietskarten am Samstag auf ihre Reise mit. "So können die Kinder am Samstag spontan entscheiden, wo sie hingehen und aufhören, sobald ihnen kalt wird oder sie nach Hause möchten", erklärt Désirée Sommermann.


"Lauter nette Leute"

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Kinder am Samstag mehr als nur eine der Gebietskarten durcharbeiten können - denn sie alle freuen sich schon wahnsinnig darauf, am Samstag von Haus zu Haus zu ziehen, auch die 13-jährige Linnea und der zwölfjährige Toni. Die beiden haben schon in den letzten Jahren mitgemacht und hatten dabei sehr viel Spaß. "Ich gehe immer mit meiner Schwester zusammen zu den Sternsingern und ich treffe dort auch alte Freunde wieder. Das finde ich cool", erzählt Toni. Für Linnea habe der Dienst als Sternsinger weitere Vorteile: "Es ist toll, wenn sich die Leute so freuen, wenn man sie besucht - und manchmal bekommen wir auch Süßigkeiten." Tina, Linnea und Toni würden sich alle drei wünschen, dass sich im nächsten Jahr wieder mehr Kinder bereit erklären würden, bei den Sternsingern mitzumachen. "Sonst müssen wir irgendwann aufhören und das fände ich richtig blöd", erklärt Tina. "Wenn wir unterwegs sind, wird immer viel gelacht", schwärmt Toni. Und Linnea findet: "Bei uns im Ort wohnen lauter nette Leute - und für die macht man das doch gerne."
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