Coburg
Tourismus

Die Veste statt Neuschwanstein

Gut zwei Stunden hat eine Gruppe chinesischer Reiseblogger Zeit, sich ein Bild beziehungsweise viele Bilder von Coburg zu machen: Die Deutsche Zentrale für Tourismus führt sie neun Tage lang zu Schlössern, Gärten und Parks.
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Touristen vertrauen einander: Da wird die Kamera einem Fremden in die Hand gedrückt, damit die ganze Gruppe aufs Foto mit Birgit Jäckel-Beck im Kostüm von Queen Victoria kann.
Touristen vertrauen einander: Da wird die Kamera einem Fremden in die Hand gedrückt, damit die ganze Gruppe aufs Foto mit Birgit Jäckel-Beck im Kostüm von Queen Victoria kann.
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Die Reiseroute umfasst Heidelberg, Stuttgart, Ludwigsburg, Rothenburg ob der Tauber, Nürnberg und Dresden. Coburg wird auf dem Weg von Franken nach Sachsen mitgenommen: Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) hat chinesische Reiseblogger eingeladen, unter dem Motto "Schlösser, Gärten, Parks" Deutschland zu erkunden. Am Sonntag spazierten die Blogger und drei Mitarbeiter der Onlineplattform Qyer durch Coburg.

Oliver Hack, neuer Abteilungsleiter Tourismus im Tourismus- und Stadtmarketingbetrieb, erwartete die Gruppe am Anger. Zwei Stunden Zeit waren vorgesehen, um durch die Stadt und den Hofgarten bis zur Veste hoch zu gehen und wieder zurück. Nun, nicht den ganzen Weg gehen: Raufwärts ging es mit dem Veste-Express. Solche Bahnen fahren auch in China zu den Sehenswürdigkeiten.

Doch sehens- und fotografierenswert ist in Coburg für die Gäste einfach alles, angefangen vom Ketschentor über die spielenden Kinder in den Fontänen am Albertsplatz bis zum kleinen Denkmal des Gurken-Alex in der Herrngasse. Höflich hört sich die Gruppe die Erläuterungen über Prinz Albert, das Denkmal und den Marktplatz an, aber Begeisterung erweckt dann Birgit Jäckel-Beck. Sie geleitet im Kostüm der Queen Victoria gerade Touristen durch Coburg, wie sie es häufig tut. An der Ehrenburg treffen die beiden Gruppen aufeinander, und Birgit Jäckel-Beck muss ihre deutschen Gäste kurz links liegen lassen, weil die Chinesen ein Foto von und mit ihr wollen.

Rund 1,55 Millionen Chinesen vom Festland und aus Hongkong haben Deutschland im Jahr 2017 besucht. Das sind die aktuellsten Zahlen, die auf der Homepage der DZT (www.germany.travel) zu finden sind. Deutschland ist demnach das bei Chinesen beliebteste Reiseland in Europa, gefolgt von Frankreich, Spanien und der Schweiz. In Deutschland selbst ist Bayern das meistbesuchte Ziel. 2,8 Millionen Übernachtungen wurden in Deutschland registriert, was bedeutet, dass die Chinesen im Schnitt keine zwei Tage da bleiben. So gesehen, ist die neuntägige Reise der Gruppe recht lang. Betreut werden die Gäste von Jingsi Wang, die im DZT-Büro in Peking arbeitet. Sie reise drei bis vier mal pro Jahr nach Deutschland, erzählt sie. Das Thema Schlösser, Gärten und Parks wurde gewählt, um einmal etwas Neues zu bringen.

Neuschwanstein steht nicht auf dem Reiseplan, "das ist zu berühmt in China", sagt Jingsi Wan. Die DZT habe sich zur Zusammenarbeit mit Online-Plattformen entschlossen. Qyer wurde 2004 von chinesischen Studenten in Deutschland gegründet und hat nun das Hauptquartier in Peking. Ursprünglich war es eine Seite, auf der Chinesen sich über ihre Erfahrungen in Europa austauschten. Inzwischen lassen sich über die Plattform auch Reisen planen und Tickets buchen.

Weil es sich um Blogger handelt, befragen sie die Coburger Journalisten genauso interessiert wie umgekehrt. "Was mögen Sie an der Stadt am meisten?", fragt "Bruno". Den Namen habe ihm sein Englischlehrer gegeben, erzählt er. Der junge Pekinger hat sich gründlich auf die Reise vorbereitet, kennt die Baustile ("Renaissance ist ein schwieriges Wort für mich!") und interessiert sich für das Lebensgefühl in den Städten, sagt er. Siyao Wu,der aus Shanghai kommt, will wissen, ob Deutschland in Europa die meisten Burgen hat - eine Frage, bei der Oliver Hack passen muss. Zumindest, darauf können sie sich einigen, gibt es im Coburger Land eine Menge davon: Von der Veste aus sieht man auch Schloss Callenberg, und, wenn man weiß, wo, den Giebel von Schloss Rosenau.

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