Bad Rodach
Konzept

Die "Therme Natur" ist eine Energiequelle

Die Stadt Bad Rodach (Landkreis Coburg) hat jetzt ein Konzept vorliegen, dass die energetische Versorgung des Kurparks skizziert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Jede Menge interessante Fakten im  jetzt neu vorliegenden Teil-Energienutzungsplan für das  Bad Rodacher Kurgebiet   entdecken (von links) Clemens Koropecki, Horst Sorg,  Tobias Ehrlicher,  Markus Weber, Stine Michel und  Michael Fischer.Berthold Köhler
Jede Menge interessante Fakten im jetzt neu vorliegenden Teil-Energienutzungsplan für das Bad Rodacher Kurgebiet entdecken (von links) Clemens Koropecki, Horst Sorg, Tobias Ehrlicher, Markus Weber, Stine Michel und Michael Fischer.Berthold Köhler
Am Endes des Teil-Energienutzungsplans, den die Stadt für den Bereich der "Therme Natur" und das Kurgebiet in Auftrag gegeben hat, steht eine auf den ersten Blick kühne Vision. "Es kann ein Ziel sein, das gesamte Kurgebiet aus energetischer Sicht autark zu machen", sagt Kämmerer Michael Fischer. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Einige kleinere Projekte liegen vom zeitlichen Horizont her deutlich näher.
So langsam sind zum Beispiel die Tage des elf Jahre alten Biomasseheizwerks hinter dem Wohnmobilstellplatz unterhalb der Therme gezählt. Zwar hat sich die rund eine Million Euro teure Anlage "inzwischen selbst bezahlt gemacht", erklärt Fischer, aber der Markt habe sich auch verändert. Der Gaspreis sei auf einem fast schon historisch niedrigen Niveau, da tue man sich als Stadt schwer, die Energie aus Hackschnitzeln noch wirtschaftlich darzustellen. Die Folge, sagt Fischer: "Wir werden unseren Anteil an Biomasse-Energie langsam nach unten fahren." Neu wird dafür noch heuer in der Therme ein kleines, 50 Kilowatt starkes und rund 150 000 Euro teures Blockheizkraftwerk (BHKW) kommen. Dieses wird Wärme und Strom aus Gas erzeugen.


Wenn denn alle mitmachen...

Aber Horst Sorg, der Leiter der Bad Rodacher Stadtwerke, hat deutlich weitergehende Konzepte in der Schublade liegen. Nach dem Teil-Energienutzungsplan, der vom Institut für Energietechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg erstellt wurde, wäre es gut möglich, irgendwann einmal ein BHKW mit 800 Kilowatt Leistung zu errichten. Mit diesem könnten dann die "Therme Natur" (als Abnehmer einer hohen Grundlast) und das Kurgebiet samt Hotel und Medical Park mit Nahwärme versorgt werden. "Mittelfristig", versicherte Sorg, "können wir uns das gut vorstellen." Aber klar sei auch, ergänzt Michael Fischer: "Das geht nur, wenn wir auch Abnehmer haben." Gespräche über künftige Kooperationen gebe es aber schon.

Lesen Sie hier, wo die Stadt Bad Rodach zuletzt in die Therme investiert hat

Aber schon das kleine BHKW wird ein deutlicher Schritt nach vorn. Markus Weber, der in Amberg für den Teil-Energienutzungsplan verantwortlich war, geht davon aus, dass die Stadt Bad Rodach damit "deutlich flexibler" bei der Energieerzeugung für das Thermalbad wird. Derzeit steht in der Therme nur ein großes Blockheizkraftwerk mit rund 140 Kilowatt Leistung zur Verfügung. "Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz", erhofft sich Michael Fischer von der neuen Anlage. Dieser Spagat sei zu schaffen, versichert Clemens Koropecki, der stellvertretende Leiter der Stadtwerke. Gerade, um die für Energieversorger schwierigen Spitzen beim Stromverbrauch abzufedern, sei die Kraft-Wärme-Kopplung die richtige Technologie.
Teil des Teil-Energienutzungsplans war auch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die hat, sehr zur Freude von Tobias Ehrlicher (SPD) ergeben, dass ein "steuerlicher Querverbund" zwischen der "Therme Natur" und den Stadtwerken hergestellt werden einfach. Das sei gut für die Stadt, erklärt Ehrlicher und bringt die Sache laienverständlich auf den Punkt: "So können wir Verluste der Therme mit Gewinnen der Stadtwerke verrechnen." Das soll heuer schon zum ersten Mal Anwendung finden.


Wer mit dem E-Auto kommt

Auf gar nicht einmal so lange Sicht können auch die Besucher der "Therme Natur" von den Ergebnissen des rund 30 000 Euro teuren Teil-Energienutzungsplans profitieren - zumindest die Besucher, die mit einem E-Auto kommen. Auf Basis der Amberger Analysen wollen die Stadtwerke das Stromnetz insbesondere rund um den Kurpark ausbauen. Das wird nach Worten von Horst Sorg dazu führen, dass am unteren Ende des Kurparks Stellplätze mit Schnellladestationen für E-Fahrzeuge entstehen können. Gemeinsamen mit weiteren Projekten, wie etwa einer deutlich verbesserten Stromversorgung des Kurparks für Veranstaltungen wie den Kinosommer und die Genusstage, kommen die Stadtwerke so auf eine Investitionssumme von rund zweieinhalb Millionen Euro - "mittelfristig", betont Sorg noch einmal.
Ob gleich fünf E-Fahrzeug-Ladestationen wie in den derzeitigen Plänen errichtet werden, will Bürgermeister Tobias Ehrlicher nicht gleich versprechen: "Wir schauen, wie die Nachfrage ist, und werden unser Angebot darauf einstellen." Gleiches gelte am Ende auch für das Nahwärmenetz. Denn bei diesem sei die Bereitstellung der Infrastruktur (sprich: der Leitungen) der finanziell entscheidende Faktor. Aber mit dem einem großen 800-Kilowatt-BHKW sei die Stadt dann auf jeden Fall gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren