Coburg
Museumsnacht

Die smarten Männer von Gizela

Wer steckt hinter der Band Gizela? Seit zwei Jahren begeistern sechs Männer mit ihrem Deutschrock die Coburger.
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Gern cool: Die Männer von Gizela. Foto: privat
Gern cool: Die Männer von Gizela. Foto: privat
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"Gizela. Ein Name wie das Versprechen einer schönen Frau. Die Salsa tanzt oder einen Cocktail mit Dir trinkt. Spoiler-Alarm: Es geht um Musik. Aber Gizela ist keine Sängerin. Und kommt nicht aus der Karibik. Gizela sind Männer. Aus Coburg in Oberfranken." - Eine Band stellt sich vor. Anders. Überraschend. Sie trifft den Nerv der Zeit. Der Coburger insbesondere.

Eigentlich kein Wunder. Denn die Männer sind allesamt Coburger, mitten im Leben. Verwurzelt in ihrer Heimat. Als Schulleiter, Haustechniker, Mediendesigner, Unternehmer, Geschäftsführer und Leiter einer Behinderteneinrichtung. 15 Kinder haben sie schon in die Welt gesetzt und eigentlich ist die Musik nur ihr Hobby, wie sie sagen. Eigentlich. Denn im Gespräch mit den smarten Rockern wird schnell klar: "Nur Hobby" trifft es nicht annähernd.

Leidenschaft, Enthusiasmus, Engagement, unverzichtbarer Teil ihres Lebens. Denn ohne Musik werden sie mürrisch, genervt und sind unzufrieden. Ach ja, und der Probenraum im Keller ist längst zu einem modernen Aufnahmestudio aufgerüstet.

Von Verlusten, Hoffnungen, Träumen. Von Liebe, Zweifeln und Wut handeln ihre Lieder. Das ist tanzbar, die deutschen Texte gehen an Herz und Nieren und die Melodie bleibt im Ohr. Die Männer fragen sich manchmal: Ist das Deutschpop? Vielleicht. Und dann wieder: Oder doch Deutschrock? Vielleicht. Denn Gizela sind Rocker. Und wollen auch nichts anderes sein. Auf gar keinen Fall Schlagersänger!

Punk, Rock und Metal

Sie kommen aus der Punk-, Rock- und Death-Metal-Szene. Entstammen der ehemaligen Schulband Chax vom Ernestinum. Schon damals waren es eigene Lieder, mit denen sie durch die Lande getingelt sind - bis auf die Alm nach Österreich. "Für Kost und Logie", betont Erik Dietzel - einfach glücklich spielen zu können. Immerhin etwa 30 Konzerte im Jahr.

Aber weil ein Leben ohne Musik eben nicht denkbar ist, haben sich der Songwriter und Sänger Matthias Schmidt-Curio und der Gitarrist Erik Dietzel nach der Auflösung von Chax 2009 weiter regelmäßig getroffen. Musik im Keller gemacht. Stephan Welsch und Stephan Kinder (Six in the Basement) kamen dazu.

Was fehlte, war ein Bassist. Den gabelte Matthias Schmidt-Curio schließlich im Kindergarten auf. Da trafen sich die Väter nämlich jeden Morgen, wenn sie ihre Kinder abgaben. "Ich wusste nicht, ob ich das wirklich will", erzählt Matthias Emmer - schließlich hat er eine Death-Metal-Vergangenheit. Heute lacht er darüber.

Über Facebook meldete sich dann noch David Lange, der schon zu Chax-Zeiten als fünfter Beatle gehandelt wurde und mit seinem Schlagzeug Gizela den Ritterschlag versetze. Das war 2016. Immer mehr Lieder wurden geschrieben und gesungen. Im Keller. "Wir wollten nur unser Hobby ausleben", betont Schmidt-Curio. Nichts professionell aufziehen.

Geflasht

Ein Video sollte es dann doch mal geben. Und dazu brauchte es ein paar Statisten aus der Fußgängerzone. Das war der Moment, der die sechs zum Nachdenken brachte. Denn die Menschen, die ihre Musik auf der Straße hörten, waren begeistert. Wo kann man euch hören? Habt ihr eine CD? Das hat geflasht. Raus aus dem Keller, rauf auf die Bühne. Da war es wieder, dieses Gefühl.

Bei der Jam-Night in der Sonderbar sollte es sich wieder voll entfalten lassen: Gizela als Opener. "Die Leute wollten gar nicht, dass wir aufhören", erinnert sich Dietzel.

Es folgten Gigs beim Open-Air im Rosengarten, in Coburger Bars, im dialog, auch in Erfurt. Und immer wollten die Zuhörer mehr und mehr. Dank Akustikgitarre und Klavier fühlt sich ihre Musik manchmal auch ziemlich schmusig an. Bemerkenswert ist dabei ihre Authentizität und die Energie, die aus den Songs auf das Publikum überspringt. Denn das ist nicht trendy sondern zeitlos.

Alles im Kopf

Auf ihren Auftritt in der Nikolauskapelle (siehe Infokasten) freuen sich die Männer sehr. "Ob da überhaupt jemand kommt?", fragen sie sich immer noch. Sie können es kaum glauben, dass sie so gefragt sind. Obwohl sie "die Schuldige" für ihren Erfolg gefunden haben: die deutsche Sprache. "Die Menschen hören zu, setzen sich dazu sogar hin, manche sind zu Tränen gerührt", sagt Erik Dietzel mit Blick auf seinen Freund Matthias, den er als lyrischen Sänger ehrt. Dietzel ist es, der die Melodien komponiert, Schmidt-Curio schreibt den Text dazu. Zu Papier werden die Noten allerdings nicht gebracht. "Das ist alles in unserem Kopf." Der 36-Jährige grinst.

Im November - rechtzeitig zum nächsten geplanten Auftritt im Contakt - soll ihre CD endlich fertig werden. "Vom Elementaren zu Dir" wird sie heißen und ist ein Statement - "kein Midlifecrises-Rock".

Sechs Männer er sind Gizela seit Anfang 2017: Erik Dietzel (36,Gitarre, Gesang), Matze Emmer (40,Bass, Gesang), Stefan Kinder (45, Keyboards), David Lange (40,Schlagzeug, Gesang), Matthias Schmidt-Curio (41,Gesang) und Stephan Welsch (35,Gitarre).

Live & digital & lyrisch

Museumsnacht GIZELA spielt am Samstag, 7. September, immer zur vollen Stunde für 30 Minuten in der Nikolauskapelle. Einlass ist ab 18 Uhr (mit Bändchen), Beginn 19 Uhr. Tickets für die Museumsnacht gibt es für sieben Euro im Vorverkauf in der Geschäftsstelle des Coburger Tageblatts, Hindenburgerstraße 3a, 96450 Coburg.

Internet Im Internet findet man Gizela unter www.gizela.de, www.facebook.com/gizelaband und auf www.instagram.com/gizelaband.

Liedtexte Ausschnitte aus den Liedtexten:

Reste

Vier Blümchentassen sind der Rest

vom Feiertagsgeschirr

Das gab"s damals zur Hochzeit

Und ein Teller fürs Gebäck

Nehmt doch nochwas mit

Tante Erna freut sich.

Die Kommode ist noch schön

Die stand damals im Flur

Und war doch mal so teuer

Das Buch war ein Geschenk

Wie hat sie sich gefreut

Das wollte sie noch lesen

Was am Ende bleibt passt auf einen Tapeziertisch Was vom Leben bleibt passt in einen Wäschekorb

Gizelas Beitrag gegen Rassismus:

Irgendwo muss Liebe sein

Ist plötzlich kalt in unserm Land

Ist plötzlich ich und ich und

Angst regiert Verstand

Ist plötzlich kalt in unserm Land

Bin plötzlich fremd in meinem Land

Weil ich nicht hassen will

Statt Faust wähl ich die Hand

Drum bin ich fremd in meinem Land

Und irgendwo muss doch noch Liebe sein

Und irgendwo muss Liebe sein

Über Beziehungen

Enden

Ich halte dich nicht mehr

Du bist lange nicht mehr hier

Wir sind an andern Enden dieser Stadt

Dein Zahnputzglas ist leer

Dein Duft nicht neben mir

Wo wir einst aßen werde ich nicht mehr satt...

Der Stuhl auf dem du saßt

Das Bett in dem du lagst

Die Lieblingstasse auf dem Fensterbrett

Von allen möglichen Enden muss es dieses sein.

In allen möglichen Enden sind wir allein.

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