Seßlach
Baumaßnahmen

Die Seßlacher Rathaus-Sanierung braucht mehr Zeit und Mittel

Wie schreitet die energetische Modernisierung der Seßlacher Verwaltungsgebäude voran? Darüber informierte die zuständige Bauleiterin die Stadträte.
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Im ursprünglichen Rathausgebäude läuft der Trockenbau auf Hochtouren. Oben im Saal wird eine neue Zwischendecke eingezogen. Mit moderner LED-Beleuchtung wird sie den Raum heller erscheinen lassen. Trotz Fortgang der Arbeiten wird der Stadtrat hier frühestens im April 2019 wieder tagen können. Foto: Bettina Knauth
Im ursprünglichen Rathausgebäude läuft der Trockenbau auf Hochtouren. Oben im Saal wird eine neue Zwischendecke eingezogen. Mit moderner LED-Beleuchtung wird sie den Raum heller erscheinen lassen. Trotz Fortgang der Arbeiten wird der Stadtrat hier frühestens im April 2019 wieder tagen können. Foto: Bettina Knauth
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"Wir werden hier keine Diskussion über irgendwelche Fassaden führen", schob Wolfgang Pfister (CSU) gleich zu Beginn der Stadtratssitzung am Dienstag allen Diskussionen um das "weiße" Rathaus einen Riegel vor. Der bisherige Stellvertreter von Martin Mittag hat bis zur Wahl des neuen Seßlacher Bürgermeisters die Amtsgeschäfte übernommen.

Die Kritik, die an der Ton-in-Ton Gestaltung laut wurde, wollte der aktuelle Rathauschef nur zum Teil gelten lassen: Pfister appellierte an seine Kollegen, auf das Fachwissen und Können der Beauftragten zu vertrauen: "Warten wir erst ab, bis das Werk vollendet ist, dann können wir uns gern unterhalten!" Er sehe die vorschnelle Kritik nicht als berechtigt an.

Zimmerer- und Putzarbeiten dominierten die bisherige Umbauphase. "Der energetische Teil der Sanierung hat gerade erst begonnen", informierte Anne-Kristin Geller (Architekturbüro Geller-Bornschlögl, Bamberg). Sorgen bereitete die Fassade: Sie enthielt zu viel Zement, trug massiv Farbe (Haus Nr. 97) und wies starke Holzschädigungen auf. "Vor Dämmung der Wände im Innern mussten wir zunächst das Fachwerk grundsätzlich konsolidieren", erläuterte Geller. So sei aus einer energetischen Sanierung "eine komplette Fassadensanierung" geworden. Die Farbe musste abgetragen, Holzrisse mussten beseitigt, selbst Balken ausgetauscht und die Fassade ausgebessert werden, um "Schlagregendichtigkeit" zu gewährleisten. Dazu wurden Fenster mit einer besseren Isolierverglasung eingebaut und Verblechungen zum Schutz angebracht. Um "die Außenhülle wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu überführen", wurde auch die Rückfassade des Nebengebäudes instand gesetzt.

Noch vor der Weihnachtspause sollen die Dämmarbeiten abgeschlossen werden, die "Abschlussbeschichtung" soll Anfang 2019 folgen. Heizung und Elektro-Installationen seien bereits fertig. Als "Restgewerk" steht noch der Aufzug aus: Nach langem Ringen fand sich eine Zwischenlösung zwischen Plattform- und Kabinen-Aufzug. Es habe sich eine Schlosserei gefunden, die einen "schönen Schacht" neben die Treppe ins Obergeschoss setzen werde, kündigte die Architektin an. Den für den Aufzug notwendigen Glaskasten wird eine unauffällige Stahlkonstruktion tragen. Geller: "Von der Statik her ist das kein Problem, das Kellergewölbe hält das Gewicht aus."

Böse Überraschungen

Neben dem problematischen Zustand von Fachwerk und Fassade außen barg das alte Gemäuer auch innen böse Überraschungen: So war in Haus Nr. 97 nicht das gesamte Dach, sondern nur die Luke gedämmt. Im Trausaal wurden Risse entdeckt, die gespachtelt werden mussten. Wegen des Mehraufwands und angesichts gestiegener Preise infolge der guten Baukonjunktur rechnen die Verantwortlichen mit Mehrkosten. "Zwischen 50 000 und 80 000 Euro", schätzt Geschäftsleiter Bernd Vogt. Gemacht werden soll auf jeden Fall noch der Sockelbereich. Wie "katastrophal" dessen Zustand ist, offenbarte sich Vogt zufolge erst während der Arbeiten. Dabei hofft die Verwaltung auf einen Zuschuss vom Landesamt für Denkmalpflege. Gegen Ende März 2019 sollten alle Arbeiten abgeschlossen sein. Der Wiedereinzug der Mitarbeiter ist für April geplant.

Weg für Ärztehaus frei

In den Rodachauen werden neben dem vorhandenen Einkaufsmarkt ein Ärztezentrum mit Apotheke (Erdgeschoss) sowie sechs Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen. Dafür wandelte der Stadtrat einen Teilbereich des dortigen Gewerbegebietes in ein Mischgebiet um. Alle notwendigen Beschlüsse fielen einstimmig. Die Verwaltung wurde beauftragt, das Genehmigungsverfahren einzuleiten.

Mitte Mai hatte der Stadtrat die dritte Änderung des Bebauungsplans beschlossen. Die vorherige hatte lediglich die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines großflächigen Einkaufsmarktes anstelle der Brandruine des ehemaligen Möbelbetriebs geschaffen, inklusive ausreichender Parkplätze und des Ausbaus von Wohnungen im ehemaligen Verwaltungsgebäude.

Der rund 12 900 Quadratmeter große Änderungsbereich liegt südwestlich des bestehenden Edeka-Marktes und betrifft die Flurnummern 282/1, 460/8 und 460/1. Der vorhandene Fuß- und Radweg und der vorhandene Pflanzstreifen wurden bereits nach Südwesten an den Rand des Überschwemmungsgebietes verlegt. Durch Auffüllung der ehemaligen Trasse kann das Ärztezentrum auf einer ebenen Fläche entstehen. Parkplätze sind vor dem Edeka-Markt bereits ausreichend vorhanden. Erreichbar wird der neue Komplex über die bereits vorhandenen Linksabbiegerspur an der Staatsstraße 2204 sein.

Gegen die vierte Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Itzgrund und die Aufstellung des Bebauungsplans "Solarpark Herreth" hatte der Stadtrat keine Einwände.

Mitteilungen

Zu Martin Mittags Wahl in den Bayerischen Landtag sagte amtierender Bürgermeister Pfister: "Wir haben hier die einmalige Chance, Wünsche direkt in München unterzubringen."

Für die Bürgermeisterwahl am 27. Januar 2019 wird Geschäftsleiter Bernd Vogt zum Gesamtwahlleiter berufen, sein Stellvertreter ist Kämmerer Fabian Leppert.

Wie Pfister mitteilte, wird der Umbau des Freibades Autenhausen als einfache Dorferneuerungsmaßnahme durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) mit bis zu 65 Prozent der anrechenbaren Kosten gefördert. Der Antrag auf Förderung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums wurde deshalb zurückgezogen.

Zur Förderung der E-Mobilität wird die Stadt eine Ladestation am Bauhof errichten. Dazu reichen die im Haushalt 2018 dafür eingestellten Mittel zur Installation der Wallbox mit zwei Ladepunkten aus.

Durch die Anschaffung eines neuen Unimogs ist der Bauhof auf den Winterdienst gut vorbereitet.

Wegen Installation der neuen Telefonanlage im Rathaus muss in der ersten Dezemberwoche mit einer eingeschränkten Erreichbarkeit der Verwaltung gerechnet werden.

Was es mit den Fähnchen zwischen Memmelsdorf, Heilgersdorf und Bischwind auf sich habe, wollte Ralf Würstlein (FW) wissen. Anlass seien seismische Untersuchungen, erläuterte Renate Schubart-Eisenhardt (CSU). Es werde versucht, einer "Anormalität im Boden" auf den Grund zu gehen, der Bereich sei wärmer als die Umgebung.

Nach dem Sachstand zum Schloss Heilgersdorf erkundigte sich Wolfgang Brasch (SPD). Das Vorgutachten werde noch diese Woche erwartet, informierte Pfister.



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