Neustadt bei Coburg
Medizin

Die Prothesen-Experten aus Neustadt bei Coburg

Obwohl es kein zertifiziertes Endoprothesenzentrum ist, sieht sich das Regiomed-Klinikum in Neustadt bei Coburg gut aufgestellt für die Implantation künstlicher Gelenke. Oberarzt Robert Hammer erklärt im Interview, warum dieses Spezialgebiet eine große Zukunft hat
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Ein Mediziner mit künstlichem Hüftgelenk: Das Regiomed-Klinikum in Neustadt hat sich in den vergangenen Jahren auf die Implation solcher und anderer Endoprothesen spezialisiert. Hans Wiedl, dpa
Ein Mediziner mit künstlichem Hüftgelenk: Das Regiomed-Klinikum in Neustadt hat sich in den vergangenen Jahren auf die Implation solcher und anderer Endoprothesen spezialisiert. Hans Wiedl, dpa
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Das Neustadter Krankenhaus ist klein und wird deshalb immer mal wiederzur Disposition gestellt. Doch mit der Implantation künstlicher Knie- und Hüftgelenke (Endoprothesen) scheint man jetzt eine gute Nische gefunden zu haben. Oberarzt Dr. Robert Hammer gibt Einblicke in dieses Spezialgebiet - und er erklärt, warum künftig wohl immer mehr Menschen eine solche Operation benötigen werden.

Coburger Tageblatt: Das Regiomed-Klinikum Neustadt ist zwar bekannt für die Implantation künstlicher Knie- und Hüftgelenke, allerdings ist es kein zertifiziertes Endoprothesenzentrum. Müssen Betroffene deshalb mit einer schlechteren Qualität rechnen, wenn sie sich dort behandeln lassen?

Dr. Robert Hammer: Das Klinikum Neustadt hat sich in den letzten Jahren immer mehr auf die Implantation von künstlichen Hüft- und Kniegelenken spezialisiert. Im Prinzip erfüllen wir auch alle wesentlichen Voraussetzungen für ein Endoprothesenzentrum (EPZ). Da wir ein recht kleines Krankenhaus sind, können wir aber nicht alle logistischen Voraussetzungen für ein EPZ erfüllen, die zum Beispiel für große Wechseloperationen nötig sind. Stehen solche Operationen an, stehen wir den Patienten beratend zur Seite und verweisen zu unseren Kollegen an ein entsprechendes Zentrum, wie zum Beispiel unser Regiomed-Klinikum Lichtenfels. Unser Fokus liegt auf dem qualitativ hochwertigen primären Einbau von künstlichen Gelenken. Die Größe des Hauses bietet dabei viele Vorteile: Kurze Wege, einfache Kommunikation und OP-Säle, die praktisch ausschließlich für aseptische, also saubere, Operationen genutzt werden können.

Es ist häufig der Rat zu hören, dass man sich Endoprothesen nur noch roboterunterstützt implantieren lassen sollte. Sehen Sie das auch so, und welche Methoden kommen konkret bei ihnen zum Einsatz?

Im Klinikum Neustadt operieren wir nicht mit Roboter- beziehungsweise computergestützter Navigation. Es wird viel diskutiert, ob diese Hilfen einen tatsächlichen Nutzen haben. Nachgewiesen ist, dass die OP-Dauer mit Roboter beziehungsweise Navigation deutlich zunimmt. Nach Studienlage liefern sie zwar im Röntgen exaktere Ergebnisse, klinisch macht das aber für den Patienten keinen Unterschied. Im Gegenteil kann es sogar von Vorteil sein, wenn der Operateur individuelle Anpassungen vornehmen kann.

Wie viele Endoprothesen wurden in diesem Jahr bereits am Klinikum Neustadt implantiert und woran liegt es, dass ganz allgemein die Tendenz steigend ist?

Wir implantieren im Jahr etwa 400 künstliche Knie- und Hüftgelenke bei Arthrose. Dabei spüren wir einen Trend, dass unsere Patienten immer älter werden. Das hat zwei wesentliche Gründe: Die Arthrose, also der Gelenkverschleiß, nimmt im Alter zu. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung stetig an. Durch sicherere Narkoseverfahren und standardisiertes operatives Vorgehen mit kürzerer OP-Dauer und geringem Blutverlust, können diese Operationen heutzutage auch noch im höheren Alter sicher durchgeführt werden. Außerdem rückt die Bewegung beziehungsweise der Sport gerade im hohen Alter als gesundheitsfördernde Maßnahme immer mehr in den Mittelpunkt. Dies alles trägt dazu bei, dass immer mehr Endoprothesen implantiert werden.

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