Tambach
Tambacher Sommer

Die Popolskis bringen Gänsehautentzündung

"Der verruckte Familie Popolski" des verruckten Pseudo-Polen Achim Hagemann wurde heuer im vollen Tambacher Schlosshof gebührend empfangen und gefeiert. Am ersten Wochenende des vom Wetter diesmal hoffentlich begünstigten Tambacher Sommers funktionierte das "Wudka-Trinken mit das Publikum" reibungslos.
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Schuld an allem: "das Kopf von das Familie", Pavel Popolski (Achim Hagemann).  Fotos: Albert Höchstädter
Schuld an allem: "das Kopf von das Familie", Pavel Popolski (Achim Hagemann). Fotos: Albert Höchstädter
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Ein Jahr später. "Der Familie Popolski" ist zurückgekehrt in die Polka-Hochburg Tambach. Diesmal ist alles anders. Und trotzdem genau so wie letztes Jahr. An Widersprüche ist das mittlerweile den Schlosshof füllende Publikum bei den Pseudo-Polen mit der irren Sprache gewöhnt.

War die "verruckte", aus dem 12. Stock Plattenbau in Zabrze stammende Musikerfamilie des tatsächlich komplett verrückten deutschen Komponisten Achim Hagemann, Freund und Erfolgsbegleiter von Hape Kerkeling, noch vor wenigen Monaten verbluffende Überraschung, so wurde sie diesmal erwartet und gebührend empfangen. Das Wudka-Saufen mit das Publikum funktionierte reibungslos, genauso wie die streng zum Programm gehörende - selbstverständlich gar nicht gemütliche - Schunkeleinlage und der unvergleichliche Polka-Schlenderschritt.
Das Publikum ist unter dem zwingenden Dirigat von das Kopf von das Familie, Pavel Popolski (Achim Hagemann, tobend an der "Polka-Schießbude"), längst selbst "Familie" geworden, allerdings bei weitem weniger gnadenlos als die eigentlichen Popolskis.

Das als "trubste Tasse von das Familie" geschmähte Buberl Janusz (Martin Ziaja, Bass, Gesang), schon vier Mal durch die Polkaprüfung gefallen, wird vom Publikum sofort virtuell in den Arm genommen. Ha, wir wissen doch mittlerweile, was in dem Pullunderchen steckt, die affenschärfste Rocknummer in muskulär wohl geformtem Body, die je aus einem schmalzigen Popliedchen geboren wurde. Die Rache an Dieter Bohlen, der hat gestohlen alle Hits aus Polen, nämlich von Opa Popolski, der vor hundert Jahren 128 000 Welthits der Rock- und Popgeschichte komponiert, leider aber an windige Autohändler verloren hat. Schauen Sie mal auf YouTube, was bei den Popolskis aus diesem süßlichen "Cheri, Cheri Lady" von Modern Talking geworden ist.

Musikalisch faszinierend

Und regen Sie sich bloß nicht politisch korrekt über die Wudka-Sauferei auf; geniale Parodie, wie die ganze darstellerisch hinreißend zelebrierte Show, musikalisch noch viel besser. Denn bei allem Spaß in dieser Pseudo-Polen-Welt, die ja tatsächlich der Hohn auf die deutsche Spießerwelt ist, haben die exzellenten Musiker um Achim Hagemann die Musik verdammt ernst genommen. Aus den blödesten Hits werden raffinierte Jazzva rianten oder sie donnern als Rockgiganten über die Bühne.

Die stimmlich vielseitige Jazzsängerin Iva Buric Zalac als rote Dorrrrrota ("Wenn ichhh einmal reichh wär"), Bogdan der Baumeister (Jörg Hamers) hochgestiegen aus dem Tambacher Heizungskeller, der schamlose Botschafter der Liebe Andrzey ("Verdammt, ich lieb mich", Andreas Schleicher), der blinde, umso einfühlsamere Sänger und Multiinstrumentalist Danusz ("Cchöne Maid, chast du heut‘ für mich Zeit", Daniel Basso), die scharf akzentuierenden Bläser Henjek (Ludwig Götz, Posaune) und Stenjek (Rüdiger Testrut, Trompete), der Akkordeonspieler Marek (Markus Grieß) - jedes Familienmitglied hat seine Geschichte, und wir wollen sie exakt so hören, wie wir sie kennengelernt haben.

Jetzt stellt sich ein Problem: Wie sieht es aus mit dem Fortsetzungsroman? Hätten wir gern, obwohl uns schwant, das der nie wieder so gut sein kann, wie diese erste verruckte Rockpolkareggae-Legende. - Ach was, wir nehmen, was wir kriegen, zur Not die ganze Sippschaft ein drittes Mal in gleichem Wahn. Na zdrowie!

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