Coburg
Debatte

Coburg: Die Mehrheit will das Theater in der Stadt

Den Bau von aufwendigen Nebengebäuden für das Theater sparen und den Betrieb dauerhaft an den Coburger Güterbahnhof verlagern. Dieser Vorschlag wird in Coburg heftig diskutiert.
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Diese Wolken überm Coburger Landestheater sind wetterbedingt. Foto: Simone Bastian
Diese Wolken überm Coburger Landestheater sind wetterbedingt. Foto: Simone Bastian

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hat am Freitag ausführlich Stellung genommen (siehe hier). Die Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC) hatte vorgeschlagen, das Landestheater über die Sanierungszeit hinaus im Globe anzusiedeln. Das Theatergebäude am Schlossplatz könne dann für Events, Tagungen oder einzelne Vorstellungen des Theaters genutzt werden. Damit wäre, so die Argumentation, nur die Sanierung des Großen Hauses nötig, nicht aber die Schaffung weiterer Nebengebäude.

Das Globe sei aber nicht als Dreispartenhaus konzipiert, sondern lediglich als Übergangslösung, argumentiert Tessmer. Sobald das Theater saniert und der Betrieb wieder an den Schlossplatz gezogen ist, soll das Globe für Events und Veranstaltungen aller Art genutzt werden können. In der Nachbarschaft befindet sich die frühere Stückguthalle ("Alte Pakethalle"), die jetzt schon viel genutzt wird. Außerdem sollen auf dem Güterbahnhofsgelände Startups und junge Unternehmen unterkommen.

Die Stadt kann den Theaterbetrieb auch nicht einfach so mal eben dauerhaft verlagern. Im Landestheatervertragzwischen der Stadt und dem Freistaat Bayern aus dem Jahr 1924 ist geregelt, dass die Stadt "das frühere Hoftheater unter der Bezeichnung "Coburger Landestheater" auf

seiner bisherigen künstlerischen Höhe unter Darbietung von Oper und Schauspiel fortzuführen" verpflichtet sei. Dafür darf sie die Theatergebäude, die dem Freistaat Bayern gehören, unentgeltlich nutzen. An Sanierungskosten muss sich die Stadt beteiligen. Üblich waren da jeweils 75 Prozent für den Freistaat und 25 Prozent für die Stadt.

Auch aus den übrigen Stadtratsfraktionen kam heftige Kritik für das Vorgehen der WPC. Was sie von dem WPC-Vorschlag hält, fasst Petra Schneider, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, in einem Wort zusammen: "Nichts." Darüber hinaus genügen ihr drei Sätze: "Der Antrag von Pro Coburg hat einen falschen Grundtenor: das Globe ersetzt nicht das Landestheater. Pro Coburg will das LTC schließen bzw. es zu einer Eventlocation abqualifizieren. Pro Coburg schadet der Stadt Coburg, weil sie einen der wichtigsten Standortfaktoren und Traditionen sterben lassen möchte."

"Wir halten überhaupt nichts davon", sagt Christian Müller namens der CSB. "Für mich ist absurd und abwegig, was die WPC da fordert. Das wäre ein Wegfall der Geschäftsgrundlage für die alten Verträge. Und da hätte Coburg alles zu verlieren."

René Hähnlein (Linke/SBC) hält ebenfalls "wenig bis gar nichts" von dem Vorschlag, das Theater dauerhaft an den Güterbahnhof zu versetzen. "Der Antrag kommt zu spät. Ich hätte mir diese Kritik mal 2016 oder 18 gewünscht, als die Sanierungskonzepte vorgetragen wurden." Außerdem, fügt Hähnlein an, widerspreche der Antrag der wiederholten Forderung der WPC nach einer Schlossplatztiefgarage.

Martina Benzel-Weyh, Fraktionssprecherin der Grünen, spricht von "Populismus". Diesen Antrag könne sie nicht ernst nehmen. Jürgen Oehm als Vorsitzender der CSU/JC-Fraktion hält es ebenfalls für falsch, das Theater von der Innenstadt weg zu verlagern.

Auch der Landtagsabgeordnete Martin Mittag (CSU) meldete sich am Freitag zu Wort: Die Verhandlungen mit der Staatsregierung über die Sanierung seien abgeschlossen. "Diese Chance für das Landestheater darf man nun nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Eine hohe Kostensensibilität ist dabei selbstverständlich zu beachten. Die gesamte Sanierung und damit verbundene weitere Maßnahmen müssen finanziell sauber durchgeplant und an vernünftigen Maßstäben ausgerichtet werden. Ziel muss es sein, nach der Sanierung die ursprüngliche Funktion als Landestheater wieder einzunehmen: schöner, besser und effizienter, als bedeutender Kulturbetrieb" für die Bürger der Region. "Für all das stehe ich selbstverständlich gerne immer auch persönlich als Schnittstelle zur Staatsregierung in München zur Verfügung."

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