Heilgersdorf
Kirchenmusik

Die Heilgersdorfer Orgel ist restauriert und erklingt wieder

In die Heilgersdorfer Orgel ist Technik eingezogen: Die Steuerung des spektakulären Klangkörpers übernimmt eine neuartige elektronische Steuerung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die frisch sanierte und erweiterte Heilgersdorfer Orgel bringt neuen Schmuck in die ansonsten eher nüchterne, im Markgrafen-Stil erbaute Kirche "Zu unserer Lieben Frauen". Pfarrer Tobias Knötig kann die Einweihung des großen Tasteninstruments am 4. Advent um 17 Uhr kaum erwarten. Orgelsachverständige Merle Rößner zeigte sich bereits von dem Ergebnis der Arbeit begeistert, an der u. a. die Orgelbauer Christoph und Dominik Schindler (Ostheim/Rhön) beteiligt waren (von links). Am Prospekt ziehen...
Die frisch sanierte und erweiterte Heilgersdorfer Orgel bringt neuen Schmuck in die ansonsten eher nüchterne, im Markgrafen-Stil erbaute Kirche "Zu unserer Lieben Frauen". Pfarrer Tobias Knötig kann die Einweihung des großen Tasteninstruments am 4. Advent um 17 Uhr kaum erwarten. Orgelsachverständige Merle Rößner zeigte sich bereits von dem Ergebnis der Arbeit begeistert, an der u. a. die Orgelbauer Christoph und Dominik Schindler (Ostheim/Rhön) beteiligt waren (von links). Am Prospekt ziehen der neue Zimbelstern und das ebenfalls neue Schleierwerk die Blicke auf sich. Foto: Bettina Knauth
+8 Bilder

"Sagenhaft!" Merle Roßner ist begeistert. Soeben hat die Orgelsachverständige aus Münchberg die frisch sanierte Heilgersdorfer Orgel zum ersten Mal erklingen gehört. "Und dabei haben wir noch nicht mal die Hälfte der Pfeifen drin", grinst Orgelbauer Dominik Schindler (Ostheim).

Roßner war in den Seßlacher Stadtteil gekommen, um zu sehen und hören, was aus der Orgel geworden war, die sie Ende 2015 unter die Lupe genommen hatte. Den Glanz einer "Königin" hatte das Instrument damals längst eingebüßt. "Leise schöne Töne konnte man ihr zwar noch entlocken, doch gaben vor allem im Pedal manche Pfeifen gar keinen Ton mehr von sich", erzählt Pfarrer Tobias Knötig. Manche Register trauten sich die Organisten nicht mehr zu ziehen. Überhaupt handelte es sich bei der Orgel um einen Sparzwängen geschuldeten Kompromiss: Hatten die Erbauer der Firma Hoffmann (heute Hoffmann und Schindler) doch Mitte der Sechzigerjahre für das "neue" Instrument Teile des Vorgängers aus dem 19. Jahrhundert mitverwendet. "Die ehemalige Orgel hatte ein nach Cincinnati ausgewanderter ehemaliger Heilgersdorfer gestiftet", weiß der Ortspfarrer zu berichten. Hinzu kam eine veraltete elektronische Steuerung, bei der sogar Brandgefahr bestand. Auch optisch stellte das Instrument keinen Hingucker dar. Knötig: "Sie war nicht nur äußerst schlicht, sondern verschmolz regelrecht mit der Empore."

Orgel ersetzen

Das von der Orgelsachverständigen Roßner erstellte Gutachten diente dann mehreren Orgelbau-Firmen als Grundlage für Vorschläge, was aus dem Instrument werden soll. Einhelliges Urteil: Die Orgel sollte durch ein Nachfolgemodell ersetzt werden.

Das sahen die Heilgersdorfer nicht ein. Nach langem Hin und Her überzeugte schließlich ein Vorschlag der Väter der Orgel den Kirchenvorstand und auch Roßner: Die Orgel sollte ein hochmodernes Steuerungssystem erhalten, mehr Register aufweisen und durch ein neues Schleierwerk vor den Prospektpfeifen veredelt werden. Seit Anfang April mussten die Gemeindemitglieder auf ihr gewohntes Kircheninstrument verzichten. Als die Fachleute von Hoffmann und Schindler sie nach Ostern ausbauten, versprachen sie Pfarrer Tobias Knötig vollmundig: "Sie werden ihre Orgel nicht wieder erkennen."

Jetzt eine klangliche Einheit

Die Orgelbauer sollten recht behalten: Weder optisch noch akustisch erinnert das Kircheninstrument an das, was im Frühjahr das Gotteshaus Richtung Rhön verließ. Der 16-Fuß-Sub-Bass als Grundfundament und das 8-Fuß-Gedakt als Grundstimme wurden aus der Vorgängerorgel übernommen, das Pfeifenwerk von 1965 überarbeitet, so dass es eine klangliche Einheit bildet. Aus den ursprünglich zwölf Registern wurden 22 verschiedene Klangmöglichkeiten. Darunter mehr Register, die laut Orgelbauer Christoph Schindler "zu Herzen gehen", besonders in der "männlichen Tenorlage". Er zählt die 8-Fuß-Gambe, die 8-Fuß-Trompete und die 4-Fuß-Flöte auf. "Mit der Trompete kann die Orgel dem Posaunenchor gegenüber antworten", deutet der Experte die Möglichkeiten an. Die Steuerung des spektakulären Klangkörpers übernimmt ein neuartiges BUS-System. Diese neueste elektronische Steuerung erfolgt mittels LAN-Kabel, das vom Spieltisch bis zur Orgel gezogen wurde. "Die Töne werden aber alle noch von Pfeifen und dem System aus Windladen erzeugt", beschreibt es Schindler senior. 912 Pfeifen hat er gezählt. Alle Neuerungen höben das 1965 erbaute pneumatische Aerophon mit elektrischer Steuerung auf eine "komplett neue Ebene". Durch die Steuerungstechnik könnten Teilbereiche auch in anderen Stimmlagen genutzt werden. "Die Klangvielfalt wird so extrem gesteigert", fasst es der 55-Jährige zusammen.

Noch eine Neuerung

Besonders freut sich Knötig über den nun eingebauten Zimbelstern, ein Effektregister aus einem klingenden Glöckchen-Spielwerk hinter und einem rotierenden Metall-Stern an der Frontseite der Orgel. Wie das gesamte Instrument steuert der Organist den Zimbelstern vom gegenüberliegenden Spieltisch aus. Bei seiner Aktivierung lassen kleine Hämmerchen die nicht sichtbaren Zimbeln ertönen, während außen am Prospekt der Stern rotiert. Nach Ansicht des Pfarrers "gehört so ein Zimbelstern in jede Kirche". Schon freut sich Knötig darauf die Gemeinde bei "Oh du fröhliche" oder "Tochter Zion" mit dem feinen Glockenklang zu überraschen. "Auch zu ,Nun danket alle Gott‘ gehört der Zimbelstern zwingend dazu", ergänzt Schindler senior.

Bis es soweit ist, haben die Orgelbauer noch alle Hände voll zu tun. "Wir sind noch nicht fertig, es gibt noch viele Löcher zu füllen", informiert der 55-Jährige. "Die kleinsten und die größten Pfeifen fehlen noch", präzisiert Junior Dominik. Nun folgten die "Klangkronen, die noch ein wenig Pfeffer rein bringen". Die Schindlers bleiben gelassen, immerhin seien die kompliziertesten Teile bereits eingebaut. "Und die Heilgersdorfer Orgel wäre die erste, die nicht rechtzeitig fertig wird", meint der Senior. Gedulden werden sich auch die Besucher des Einweihungs-Gottesdienstes am 4. Advent: Erst nach ihrem Segen wird die Orgel von Bezirkskantor Klaus Bormann erstmals angespielt werden.

Spenden und ein Zuschuss vom Freistaat

50 000 Euro ließen sich die Heilgersdorfer ihre Orgel kosten. Zu den Spenden von Privatleuten, Unternehmern und Vereinen kamen 5000 Euro vom Freistaat Bayern. "Ein Betrag, den selbst eine kleine Gemeinde wie die unsere gerade noch stemmen kann", sagt Knötig. Sein Dank gilt allen, die diese Maßnahme ermöglicht haben. "Eine neue Orgel von dieser Größe und mit dieser Wirkung würde mindestens das Dreifache kosten", schätzt der Orgelbaumeister. Merle Roßner schüttelt derweil erneut ungläubig den Kopf und ist voll des Lobs für die geleistete Arbeit: "Einfach toll, man erkennt das Instrument kaum wieder."

Die Einweihung: Eingeweiht wird die sanierte und erweiterte Orgel am Sonntag, 23. Dezember (4. Advent) um 17 Uhr, mit einem Gottesdienst. Pfarrer Tobias Knötig wird ihn gemeinsam mit Dekanin Stephanie Ott-Frühwald (Michelau) und ihrer Stellvertreterin Anne Salzbrenner (Lichtenfels) zelebrieren und dabei die Orgel segnen. Die Ehre, das Instrument erstmals in seiner vollen Pracht ertönen zu lassen, wird dem Bezirkskantor, Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann (Lichtenfels), zukommen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren