Neustadt bei Coburg
Treffen

Die Franken machen's g'scheit: Mundart in Neustadt

Beim oberfränkischen Mundart-Theater-Tag in Neustadt gab es auf der Bühne der Kultur.werk.stadt Liebeserklärungen für die fränkische Mundart.
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Reinhard Witzgall aus Kulmbach Foto: Helke Renner
Reinhard Witzgall aus Kulmbach Foto: Helke Renner
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"Wir sind ein bunter Haufen, das wird man heute auch erleben", sagt Bezirkstagspräsident Henry Schramm zur Eröffnung des oberfränkischen Mundart-Theater-Tages in der Kultur.werk.stadt. Zum ersten Mal findet er im Rahmen des Tages der Franken statt und zum ersten Mal mit Thüringer Beteiligung - zwei Teilnehmer kommen aus Sonneberg. Lange sei in Franken vieles durch die Grenze zerschnitten gewesen, doch die Sprache habe man nicht teilen und verändern können. Das sei wissenschaftlich erwiesen, betont Henry Schramm.

Wolfgang Bräutigam aus Sonneberg macht den Anfang. Bei ihm geht es ums "Assen und Trinken", wie er sagt. Das "Sunnabends-Frühstück", bei dem der Gelee fehlt, nimmt er zum Anlass, sich an die Oma zu erinnern. Die hat beim Gelee-Einkochen immer Geschichten erzählt. Und Wolfgang Bräutigam fragt sich, warum man die schönen Augenblicke im Leben nicht in Einmachgläsern aufbewahren kann. Der eher besinnliche Schluss der Geschichte wird durch die "Fousenacht" dann gleich wieder aufgebrochen. Beim Arzt am Aschermittwoch, wo sich alle noch einen Tag zum Ausschlafen sichern wollen, passiert es schon mal, dass dem Eduard der Kugelschreiber statt des Fieberthermometers in den Allerwertesten geschoben wird. Und beim "Omdassen" freut sich die Frau über die Büchsen mit dem kleinen Hund drauf, die im Supermarkt im Angebot waren und jetzt bis Weihnachten reichen.

Birgit Baumbach bestreitet den Beitrag des "Schauhaufen" Kulmbach allein. "Die gute Mutter" sortiert das Spielzeug des Sohnes aus. Der hat sie wegen einer gewissen Olga verlassen, die natürlich durchtrieben und hinterlistig ist. Eine amüsante Eifersuchtsnummer, die wohl so manche "verlassene" Mutter unterschreiben würde.

Vierrädriger Lebensgefährte

Für Reinhard Witzgall aus Gössnitz ist das Auto, nein, das SUV, sein liebstes Spielzeug. Den Blinker links auf Dauerbetrieb, schimpft er auf die "Öko-Fuzzis", die den armen Autofahrern alles vorschreiben wollen. So nicht! "Geschwindigkeit, Tempo, Freiheit" gehören für Reinhard Witzgall einfach zusammen, das Auto ist sein vierrädriger Lebensgefährte.

Reiner "Heiner" Hartmann aus Bayreuth erinnert sich an einen Teddy, den er als Kind erforscht hat und der danach nicht mehr gebrummt, sondern gehustet hat. An die Knie des Vaters denkt er zurück, die das Schaukelpferd waren, das er nie bekommen hat. Heute sind seine Lieblingsspielzeuge der Grill und das Navi. Doch damit kann man die schlimmsten Geschichten erleben, weiß Reiner "Heiner" Hartmann. Etwa, wenn ihm von der Einkaufsliste seiner Frau fürs Grillen im Gedächtnis nur noch Bratwurst, Steak und zwei Kästen Bier geblieben sind. Das Troschenreuther Mundarttheater erzählt die Geschichte von der Liebe des Kellners zu seiner Chefin, der Besitzerin des "Roten Ochsen", und von den illustren Gästen des Hauses - alles im Stil des Singspiels "Im weißen Rößl". Für die musikalische Leistung gibt es viel Applaus.

Ronald Bayer aus Heroldsbach nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise in seine Kindheit, genauer gesagt, zu einem speziellen Weihnachtsfest, an dem er und sein Bruder die in der elterlichen Wohnung aufgebaute Krippe mit Leben erfüllen wollten. Sie zündeten ein echtes Feuer darunter an und versuchten dann mit allerlei Tricks, unter anderem mit Hilfe ihres Kriegsspielzeugs das Ganze zu "reparieren". Wodurch sich die Mutter natürlich nicht täuschen ließ.

Mit Geschichten aus Sonneberg, wie sie treffender nicht sein können, erheitert Renate Röther das Publikum. Sie erzählt von der Sehnsucht der Sumbarcher nach der Veste Coburg und dem Muppberg - beides zu DDR-Zeiten unerreichbar. Von den Tricks der Männer, die begehrte Knackwürste von Dienstreisen nach Berlin und Leipzig mitbrachten. Und im Gedicht "A Plouch mit der Sprouch" spricht sie dem Fränkischen eine Liebeserklärung aus.

Wolfgang Reichmann aus Bamberg ist Kabarettist und Radiomoderator. In rasantem Tempo unterhält er das Publikum mit Geschichten und Witzen rund um den Franken und seine Vorlieben - den Club und seine leidgeprüften Fans, über Touristen in Bamberg und über die Sprache, die Gegensätzliches ganz locker vereinen kann: "Du bist fei g'scheit blöd".

Jutta Lange aus Kulmbach erzählt die Geschichten vom Bier, das in der Vorweihnachtszeit in einer Druckerei explodiert und von einem vermeintlichen Autoknacker.

Den Schlusspunkt setzen die Spieler von der Freilichtbühne Stettfeld mit Gartenzwerg-Impressionen. Aufregend, was da jeder von den Gesellen über seine früheren Besitzer zu berichten hat.

Musikalisch und nicht minder fränkisch-witzig schaffen "Die alten Haderlumpen" die Übergänge von Lesung zu Theaterstück und zurück. Die Moderator Rüdiger Baumann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mundarttheater Franken, gibt wichtige Informationen zu den Teilnehmern.

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