Coburg
Interview

"Die Fledermaus" in Coburg flott und zeitgemäß erzählen

Wie Gastregisseur Holger Potocki "Die Fledermaus" in der Johann-Strauß-Stadt Coburg auf die Bühne des Landestheaters bringen will.
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Gastregisseur Holger Potocki inszeniert "Die Fledermaus" von Johann Strauß.Foto: Jochen Berger
Gastregisseur Holger Potocki inszeniert "Die Fledermaus" von Johann Strauß.Foto: Jochen Berger
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Für die erste Operetten-Inszenierung der neuen Spielzeit hat Coburgs Intendant Bernhard F. Loges einen Gastregisseur aus Berlin verpflichtet: Holger Potocki. Was ihn am Operetten-Hit des Walzerkönigs besonders fasziniert und wie er das Stück am Landestheater lebendig werden lassen will, verrät der 45-Jährige im Interview.

Ist die Coburger "Fledermaus" Ihre erste Strauß-Inszenierung?

Den "Zigeunerbaron" habe ich schon vor zwölf, 13 Jahren in Radebeul inszeniert - damals als noch sehr junger Regisseur. "Der Zigeunerbaron" ist zudem ein sehr schwieriges Stück, das man dramaturgisch in den Griff bekommen muss.

Was reizt Sie an einem Werk wie der "Fledermaus", das schon Hunderte von Inszenierungen erlebt hat?

Zuallererst die unglaubliche tolle Musik. Gemeinsam mit meiner Bühnen- und Kostümbildnerin Lena Brexendorff, mit der ich schon häufig zusammen gearbeitet habe, haben wir uns zum Ziel gesetzt, dieses Stück ganz genau anzuschauen. Was kann man finden, damit die Geschichte auch heute noch glaubwürdig funktioniert? Uns geht es darum, Verknüpfungen zu finden, um die Figuren noch enger miteinander zu verflechten.

"Die Fledermaus" erzählt von Verwechslungen und wechselseitiger Untreue. Was ist das zentrale Thema für Ihre Inszenierung?

Im Kern geht es um die Diskrepanz zwischen dem, wovon man träumt und was man sich wünscht, und dem, was im Alltag in der Wirklichkeit passiert.

Wo und in welchem zeitlichen Kontext spielt Ihre "Fledermaus"?

Bei uns spielt "Die Fledermaus" im Heute. Eisenstein ist bei uns nicht einfach ein Arzt, sondern ein Schönheitschirurg und das erste Bild spielt nicht im Hause Eisenstein, sondern in seiner eleganten Praxis. Der zweite Akt mit dem Ball beim Prinzen Orlofsky spielt in einem Palais, einem poetischen Raum mit morbiden Charme, der real und zugleich ein Seelenraum ist. Bei uns braucht niemand Angst haben, dass "Die Fledermaus" geschreddert wird. Wir bleiben sehr nah am Stück, wollen es aber flott und zeitgemäß erzählen.

Wo sehen Sie der Operetten-Regie grundsätzliche Herausforderungen?

Mir ist wichtig, dass die Figuren nicht als naiv vorgeführt werden, nur weil sie in einer Operette auftreten. Wir wollen Menschen zeigen, die das Leben kennen, die Durchblick haben.

"Die Fledermaus" ist reich an populären Melodien. Haben Sie ein Lieblingsstück in dieser Partitur?

Ja - das Couplet der Adele "Spiel' ich die Unschuld vom Lande". Adele ist aus meiner Sicht eine verhinderte Schauspielschülerin, die von jeder Schauspielschule abgelehnt wurde, die aber in dieser Szene zeigen will, welches Talent sie besitzt.

Welche Rolle spielt für Sie der Umstand, das Johann Strauß Coburger Bürger war?

Inhaltlich spielt das im Grunde keine Rolle, aber es ist natürlich schön zu wissen, welche Bedeutung Strauß für Coburg hat.

Haben Sie schon die Strauß-Orte in Coburg besucht wie zum Beispiel den Gedenkstein im Rosengarten?

Noch nicht, aber ich hoffe, dass ich vor der Premiere noch Zeit dafür habe. Bevor mich der Intendant wegen der "Fledermaus" angerufen hat, war ich noch nicht in Coburg gewesen. Ich bin dann nach Coburg gefahren, habe mir die Stadt angeschaut, bin zur Veste hoch gelaufen - das war sehr schön.

Warum sind Sie Regisseur geworden?

Als Jugendlicher fand ich Opern eigentlich doof. Oper - das waren für mich dicke Sänger, die an der Rampe stehen und nicht spielen können. Dann habe ich zufällig im Fernsehen mit meinem Bruder eine Aufführung von Mozarts "Cosi fan tutte" gesehen und fand das faszinierend. Gemeinsam sind wir dann in eine "Rigoletto"-Vorstellung in der Deutschen Oper in Berlin gegangen - tolle Sänger, die auch toll gespielt haben. Danach hin ich sehr häufig alle drei Berliner Opernhäuser gegangen. Das Schlüsselerlebnis war eine Repertoirevorstellung von Puccinis "La Bohème" an der Deutschen Oper - da wusste ich, dass ich zum Theater wollte.

Gibt es Wunschstücke, die Sie gerne einmal inszenieren würden?

Puccinis "La fanciulla del west" - das würde ich seit Jahren gern mal inszenieren. Das ist eine Oper, die noch immer unterschätzt wird. Ihr Problem ist, dass sie im Western-Milieu spielt. Aber auch Aribert Reimanns "Das Schloss" und "Lear" würden mich sehr interessieren. "Don Giovanni" würde ich auch einmal sehr gerne machen - ein sehr schwieriges Stück.

Sie bringen "Die Fledermaus" in Coburg auf die Bühne

Premieren-Tipp Johann Strauß "Die Fledermaus", Samstag, 9. November, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg Produktionsteam Musikalische Leitung: Johannes Braun; Chorleitung: Mikko Sidoroff; Inszenierung: Holger Potocki; Bühne und Kostüme: Lena Brexendorff; Lichtdesign: Andreas Rehfeld; Dramaturgie: Dorothee Harpain

Besetzung

Gabriel von Eisenstein: Marvin Zobel

Rosalinde: Judith Kuhn

Prinz Orlofsky: Emily Lorini

Alfred: Peter Aisher

Frank: Michael Lion / Bartosz Araszkiewicz

Dr. Falke: Christian Huber

Dr. Blind: Dirk Mestmacher

Adele: Francesca Paratore / Laura Incko

Ida: Laura Incko / Francesca Paratore

Frosch: Stephan Mertl

Chor des Landestheaters Coburg

Statisterie des Landestheaters Coburg

Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Holger Potocki inszenierte nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft und Geschichte an der Humboldt-Universität über 50 Musiktheaterwerke an deutschen Theatern und gastierte für die Uraufführung "Das verräterische Herz" an den Nationaltheatern von Tokyo und Seoul. Am Theater Magdeburg war er ab 2002 als Oberspielleiter, von 2006 bis 2009 als Operndirektor engagiert. Als Autor von Theatertexten - darunter zahlreiche Opernlibretti - und als freischaffender Regisseur lebt und arbeitet Holger Potocki heute in Berlin. Termine 21., 29. November, 19.30 Uhr, 8. Dezember, 15 Uhr, 11., 19. Dezember, 19.30 Uhr, 26. Dezember, 18 Uhr, 31. Dezember, 15 und 19.30 Uhr, 11., 14., 22., 24. Januar, 19.30 Uhr, 2. Februar, 15 Uhr, 9. Februar, 18 Uhr, 15. Februar, 2. Mai, 14. Juli, 19.30 Uhr Vorverkauf Tickets im Vorverkauf gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Hindenburgstraße 3a, Coburg.

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