Coburg
Projekt

Die etwas andere Grenzerfahrung

Wie sieht es aus rund um die ehemalige innerdeutsche Grenze? Drei Redakteure von Tageblatt und Radio Eins wollen dieser Frage 25 Jahre nach dem Mauerfall - im wahrsten Sinne des Wortes - nachgehen: Eine Woche lang werden sie wandern.
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Drei machen sich auf den Weg: Detlef König, Oliver Schmidt und Thomas Apfel sind gespannt auf ihre "Grenzerfahrung". Das Bild entstand bei Görsdorf (Landkreis Sonneberg) nahe der Gemeinde Lautertal, wo im Wald sogar noch ein Stück Mauer steht. Foto: Matthias Hoch
Drei machen sich auf den Weg: Detlef König, Oliver Schmidt und Thomas Apfel sind gespannt auf ihre "Grenzerfahrung". Das Bild entstand bei Görsdorf (Landkreis Sonneberg) nahe der Gemeinde Lautertal, wo im Wald sogar noch ein Stück Mauer steht. Foto: Matthias Hoch
Ist es eine Reise in die Vergangenheit? Oder eher eine Bestandsaufnahme der Gegenwart? Ist es eine Spurensuche - oder sogar viel eher der Versuch, an geschichtsträchtigen Orten in die Zukunft zu blicken? Thomas Apfel, Detlef König und Oliver Schmidt glauben, dass es von allen diesen Sachen ein bisschen was ist. Und gerade das macht dieses Experiment ja so interessant: "Wir wissen nicht genau, was da alles auf uns zukommen wird", sagen die drei Redakteure übereinstimmend, "aber wir sind uns schon jetzt total sicher, dass es eine spannende Erfahrung wird." Eine "Grenzerfahrung", um genau zu sein.

Gespannt auf Entdeckungen

Um was geht's? Die drei Redakteure von Radio Eins und Coburger Tageblatt werden in der ersten November-Woche entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze wandern. 25 Jahre nach dem Mauerfall wollen sie dabei möglichst hautnah erleben, entdecken und erfahren, wie sich das Leben diesseits und jenseits des einstigen "Todesstreifens" entwickelt hat.

Aber nicht nur das: In vielen Gesprächen und bei vielen Treffen mit Zeitzeugen wollen sie auch noch einmal zurückblicken: Wie war das damals, im November 1989, als plötzlich die Mauer fiel und auch das Coburger Land auf einmal nicht mehr "Zonenrandgebiet" war, sondern mittendrin im Einheitsjubel? Natürlich wird sich an der einen oder anderen Stelle auch die Frage stellen, was von diesem Jubel noch übrig geblieben ist. Und sollte er tatsächlich hie und da längst verflogen sein: Ist das dann ein gutes Zeichen, weil doch längst zusammen gewachsen ist, was zusammen gehört - oder ist es ein schlechtes Zeichen, weil doch die Freiheit über allem stehen sollte? Wie gesagt: Es wird spannend! Und Sie, liebe Leser, können täglich ganz nah mit dabei sein!

Am 3. November geht's los

Geplant sind vom 3. bis 8. November sowohl tägliche Berichte im Coburger Tageblatt als auch den ganzen Tag über immer wieder auf www.infranken.de. Radio Eins plant mehrere Live-Schaltungen zu den Wanderern, außerdem wird ein Video-Tagebuch erstellt, das sowohl auf infranken.de als auch auf www.radioeins.com abrufbar sein wird.

Start in Probstzella

Die Wandertour setzt auf viele überraschende Elemente - einige Eckpfeiler sind aber bereits gesetzt. So wird die Wanderung in Probstzella starten. Die thüringische Nachbarstadt von Ludwigsstadt (Landkreis Kronach) dürften die meisten mit dem Zugverkehr verbinden: Der Bahnhof Probstzella diente nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 als Grenzübergangsstelle für den innerdeutschen Zugverkehr.

Von Probstzella wird es Richtung Neustadt bei Coburg und Sonneberg gehen - die beiden Nachbarstädte sind sogar Partnerstädte. Aber wie wird diese Partnerschaft "gelebt" 25 Jahre nach dem so freudig umjubelten Mauerfall? Und warum ist aus den Plänen eines gemeinsamen, fränkisch-thüringischen Mittelzentrums nichts geworden?

Dann geht's weiter Richtung Rottenbach und Eisfeld. Am ehemaligen Grenzübergang vom Landkreis Coburg in den Landkreis Hildburghausen wird auf vielfältige Weise an die Trennung Deutschlands erinnert. Sogar ein alter Wachturm steht hier noch und kann auch besichtigt werden.

Ein weiteres Etappenziel wird Streufdorf sein, das zur Gemeinde Straufhain im Thüringer Teil des Rodachtals gehört. Apropos: Die "Initiative Rodachtal" ist längst zu einem starken Verbund geworden - ihr gehören elf Gemeinden aus Bayern und Thüringen an. Gemeinsam wurde schon viel erreicht und errichtet - allen voran das "Zwei-Länder-Museum" in Streufdorf.

Gedenkstätte in Billmuthausen

Als Schlusspunkt ihrer Wanderung haben sich die drei Redakteure einen sehr symbolträchtigen Ort ausgesucht: Billmuthausen, das ab 1952 in der von den DDR-Behörden geschaffenen Sperrzone lag und deshalb bis 1978 komplett geschleift wurde. Das heißt: Alle Bewohner wurden zwangsumgesiedelt, alle Häuser sofort abgerissen. Auch die Kirche wurde dem Erdboden gleich gemacht. Nur der Friedhof blieb erhalten.

Billmuthausen ist heute eine bewegende Gedenkstätte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, nur einen Steinwurf von Bad Rodach im Landkreis Coburg entfernt.

Aufruf Seit dem Mauerfall ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Wer hat noch besondere Erinnerungen an die bewegenden Ereignisse von damals? Und wer hat Lust, sie uns während unserer Wandertour zu schildern? Wichtig: Wer etwas erzählen möchte, muss nicht extra mitwandern - aber kann! Anfragen bitte per Mail an o.schmidt@infranken.de
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