Coburg

Die erste Tanzstunde mehr als einmal bereut

Redakteur Rainer Lutz schreibt über seine erste Tanzstunde: "Sie ist auch die letzte geblieben und natürlich habe ich es mehr als einmal bereut."
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Auch Oberbürgermeister Norbert Kastner hat seine Erfahrungen mit Margarete Rautenberg gemacht: "Wenn man mit ihr tanzte, hat immer die Margarete geführt. Alles andere war völlig ausgeschlossen. Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
Auch Oberbürgermeister Norbert Kastner hat seine Erfahrungen mit Margarete Rautenberg gemacht: "Wenn man mit ihr tanzte, hat immer die Margarete geführt. Alles andere war völlig ausgeschlossen. Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
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Tanzen? Matze musste völlig den Verstand verloren haben. Ich tanze doch nicht. Geht's noch uncooler? Er ließ aber nicht locker. Beim Tanzkurs wären jede Menge Mädels. Na und? Die ganze Schule war voll mit Mädels. Die waren überall, warum also Tanzkurs? Weil die Mädels völlig verrückt sind nach Jungs, die richtig tanzen können! Echt? Ja. Ich wollte wirklich nicht tanzen lernen.

Die Hoffnung war ja immer noch, dass meine Eltern die Kohle dafür nicht rausrücken würden. Immerhin ging es, wenn ich mich richtig erinnere, um satte 130 Mark. So hieß damals das Geld. Und 130 Einheiten davon waren in den 70ern schon was, womit man was anfangen konnte. Nur so zum Vergleich. Die Schachtel Zigaretten kostete drei Mark (gleich ein Euro fünfzig).

Der Spritpreis war nach der Ölkrise von rund 60 Pfennigen je Liter 1972 auf über 80 Pfennige 1976 hochgeschossen. Das war ein echter Aufreger. Heute wären das weniger als 50 Cent. Egal, wir sollten ja tanzen wollen. Keine Ahnung ob es damals mehrere Tanzschulen gab. Wir kannten nur eine, bei der offenbar alle das kontrollierte kollektive Hopsasa lernten. Meine Eltern waren von der bescheuerten Idee geradezu überwältigt. Nie war es leichter, ihnen so einen Betrag abzuringen. Sie drängten mir die Knete regelrecht auf! Und dachten schon laut darüber nach, was ich denn zum Abschlussball anziehen würde. Ball? Kennt der Wahnsinn keine Grenzen?

Von euphorischen Eltern vor dieser Arena voller tanzwütiger Mädels abgeliefert, rückten wir ein - und ließen die Kinnlade extrem nach unten klappen. Da war nicht eine dabei, die uns den Aufwand und die vielen Deutschmarks wert gewesen wäre. Es gab kein Zurück.


Am Ende half nur schweres Geschütz

Wir trampelten im Takt vor und zurück und schweißnasse Händchen haltend im Kreis. Irgendwann beendete die resolute Dame mit der Kommandostimme eines Drill-Instructors der Marines das Leiden. Wir auch. Umgehend stellten wir uns bei der Dame vor und erklärten ihr, dass für uns beide ganz sicher kein Weg durch dieses Tal der tänzelnden Würdelosigkeit führen werde. Wir hätten nun gerne den bereits erstatteten Betrag zurück, um ihn einer in unseren Augen sinnvolleren Verwendung zuzuführen. Das schien für die Dame aber gar kein bisschen infrage zu kommen. Die Verhandlungen dauerten an. Sie gewannen an Fahrt und Härte.

Am Ende half nur schweres Geschütz: "Glauben Sie uns - es ist absolut auch in Ihrem Interesse, wenn wir hier nicht jede Woche auftauchen und Ihr Durchsetzungsvermögen auf die Probe stellen. Auf eine sehr, sehr harte Probe... Fragen Sie unsere Lehrer! "Sie rückte die Kohle raus. Unsere, meine erste Tanzstunde blieb auch die letzte. Ob ich es bereut habe?

Klar! Ziemlich oft sogar. Aber ich bin immer ganz gut drüber weggekommen. Die Idee allerdings, mich von den Eltern immer weiter einmal die Woche zum Tanzen fahren zu lassen, statt Hopsasa im Tanzkurs, Juchheirassa im Scotch-Club oder im La Fontaine (kennen die Älteren beides noch) zu feiern, war nicht gut. Gar nicht gut. War doch klar, dass es auffliegen musste - und das tat es sehr schnell. Aber bis dahin war es sehr cool... Und tanzen musste man da gar nicht.
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