Heldritt

Die Coburger Sommeroperette ist pleite

Das Insolvenzverfahren wurde mangels Masse abgelehnt. Bei der Staatsanwaltschaft Coburg liegen mehrere Anzeigen vor.
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Da versuchte die Coburger Sommeroperette noch, mit einem anderen Konzept  kostensparender   zu agieren. Die  "Blues Brothers"  in Zusammenarbeit mit den Alzenauer Burgfestspielen waren 2017  die letzte Produktion der Sommeroperette in Heldritt. Foto: Jochen Berger
Da versuchte die Coburger Sommeroperette noch, mit einem anderen Konzept kostensparender zu agieren. Die "Blues Brothers" in Zusammenarbeit mit den Alzenauer Burgfestspielen waren 2017 die letzte Produktion der Sommeroperette in Heldritt. Foto: Jochen Berger
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Es war eine schöne Zeit des sommerlichen Vergnügens für die Region. Bis zu 8000 Besucher kamen in den besten Jahren zu den Inszenierungen der Coburger Sommeroperette auf der Waldbühne Heldritt. Und dann wurde es ein langes Leiden. Jetzt hat die Coburger Sommeroperette unter Vorsitz von Adelheid Frankenberger, die fast 25 Jahre lang in Heldritt die schwere Kunst der leichten Unterhaltung praktizierte, Insolvenz angemeldet.

Und: Das Amtsgericht Coburg hat den "Antrag des Schuldners auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen mangels Masse" bereits abgewiesen. Das Vereinsvermögen würde die Kosten eines solchen Verfahrens nicht decken.

Bei der Staatsanwaltschaft in Coburg liegen unterdessen mehrere Anzeigen gegen die Sommeroperette vor, die geprüft werden, wie Staatsanwalt Johannes Tränkle dem Tageblatt sagte. Zudem kann auch im Falle einer Vereinsinsolvenz die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Hof aktiv werden, was aber gegenwärtig noch nicht der Fall ist. Die Entscheidung des Amtsgerichtes Coburg wurde erst am 28. Februar veröffentlicht.

Wie der Hofer Staatsanwalt Robert Steiniger dem Tageblatt erklärte, prüfe die Staatsanwaltschaft von Amts wegen und regelmäßig, nachdem die Entscheidung über ein Insolvenzverfahren gefallen ist, ob strafrechtliche Belange vorliegen. Das muss nicht unbedingt Betrug, Unterschlagung oder ähnliches sein. Es geht auch darum, ob der Insolvenzantrag rechtzeitig gestellt wurde, um weiteren absehbaren Schaden abzuwenden. Sollte festgestellt werden, dass der Insolvenzantrag zu spät gestellt wurde, kann der Vorstand eines Vereines persönlich in Haftung genommen werden.

Viele Gläubiger

Tatsächlich haben sich in den letzten beiden Jahren immer wieder Gläubiger der Sommeroperette zu Wort gemeldet - namentlich und öffentlich und auch viele, die nicht genannt werden wollten, Künstler, Betroffene aus dem weiten Kreis der an den Produktionen Beteiligten, Gastwirte, Vermieter im Bad Rodacher Raum. Und mittlerweile auch aus dem Staffelsteiner Raum, nachdem die Coburger Sommeroperette mit ihrem Umzug ins dortige Kurgebiet im letzten Jahr einen Befreiungsschlag von den drückenden finanziellen Lasten versucht hatte. Beispielsweise schuldet die Coburger Sommeroperette jetzt auch dem Hotel "Sonnenblick" in Schwabthal, das eine Gruppe von Schauspielern über bis zu acht Wochen beherbergte, um die 30 000 Euro.

Auch in Bad Staffelstein gab es 2018 schnell Probleme. Im April letzten Jahres kündigte der neu installierte künstlerische Leiter Michael Heim, zugleich Regisseur und Darsteller des Gabriel von Eisenstein, seine Mitarbeit wieder auf. Die Sommeroperette habe es versäumt, "mir von Anfang an in vollem Umfang reinen Wein einzuschenken, und seit Wochen kommen Hiobsbotschaften verschiedenster Art, auch von wütenden Gläubigern", hatte Heim seinen Rückzug begründet, nachdem er ehrenamtlich bereits Hunderte Stunden Arbeit in das Projekt gesteckt habe. Die "Fledermaus" von Johann Strauß kam dann am 21. Juli in der Regie von Gernot Kranner aus Wien auf die Seebühne.

Hohe Schulden übernommen?

Heim voraus waren schon viele andere gegangen, öffentlich auch Claus J. Frankl, Regisseur, Schauspieler und früherer Dramaturg am Landestheater, der schon für die Inszenierung "Der fidele Bauer" 2016 die Verbindlichkeiten der Sommeroperette auf 40 000 bis 50 000 Euro schätzte. Er selbst konnte seine Gage noch einklagen.

Dem Tageblatt gegenüber hatte der frühere musikalische Leiter der Sommeroperette und 2. Vorsitzende, Reinhard Schmidt, der bereits 2011 die Coburger Sommeroperette mit Groll verlassen hatte, Einblick in eine Reihe von Dokumenten gegeben. Schmidt war von Anfang an als Kapellmeister dabei gewesen, damals als Klaus Lapins, Bernhard Maxara und Wolfgang Krautwig den Traum eines stilvoll-fröhlichen musikalischen Freilufttheaters für die Region hatten, getragen von Professionellen und mit Unterstützung von engagierten Laien aus der Region.

Heldritter sind sauer

Im Bad Rodacher Stadtteil Heldritt ist die Coburger Sommeroperette bis heute Gesprächsthema. So sagte Gerhard Witter, Mitglied der Feuerwehr und des Heimatvereines, gegenüber dem Tageblatt: "Die Heldritter sind sauer auf die Sommeroperette. Der Feuerwehr ist sie zum Beispiel immer noch 600 Euro für ihren Einsatz im Jahr 2017 schuldig. Das ist doch viel Geld für einen kleinen Verein."

Vorsitzende Adelheid Frankenberger beteuert gegenüber dieser Zeitung: "Wir wollten, dass jeder sein Geld bekommt, das war unser Ziel." Mit "wir" meint sie den aus drei Personen bestehenden Vorstand, der sich ihren Worten zufolge auch finanziell in das Projekt "Sommeroperette" eingebracht habe. Sie spricht von 70 000 Euro in den zurückliegenden Jahren.

Den Umfang der 2008 nach dem Tod von Gründungsintendant Klaus Lapins übernommenen Altlasten habe sie viel zu spät mitbekommen. Hier nennt sie eine Summe von 140 000 Euro. Dem Tageblatt liegt allerdings eine Bescheinigung über das vorläufige Jahresergebnis 2007 vor, in dem von lediglich rund 9800 Euro minus die Rede ist. Zuletzt hätten drei von schlechtem Wetter getrübte Spielzeiten die Situation verschärft.

Ein hohes persönliches Engagement wird dem Vorstand der Sommeroperette von Rechtsanwältin Manuela Wittmann, Kronach, bestätigt, die nach dem Insolvenzantrag als Gutachterin für das Gericht tätig war.

Kritik am Führungsstil

Adelheid Frankenberger war aufgrund ihres Führungsstiles und ihres autarken Gebarens allerdings auch schon seit Jahren aufs Heftigste kritisiert worden. Bernhard Maxara, Mitbegründer der Sommeroperette und immer wieder helfende Hand, sowie seine Frau Elfriede waren zwei der vielen wütenden Stimmen. Profilneurose, Größenwahn, Unfähigkeit, Beratungsresistenz lauteten die Urteile unter anderem der Maxaras.

Glück im Unglück: Die traurige Entwicklung der 25 Jahre mit viel ehrenamtlichem Engagement gelebten Coburger Sommeroperette brachte im letzten Jahr in Bad Rodach eine neue Entwicklung. Dort haben sich ehemalige Gründungsmitglieder auf Initiative von Reinhard Schmidt und einem weiteren früheren Mitstreiter, Harald Wurmsdobler, zusammengeschlossen und noch im Sommer eine amüsante Operettengala auf die Beine gestellt. Ein neu gegründeter Verein unter dem Namen "Sommeroperette Heldritt", der in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Rodach und dem Heimatverein agiert, wird heuer auch wieder "richtig" Operette spielen auf der Waldbühne. Am 9. August soll Premiere von Carl Michael Ziehrers "Die Landstreicher" sein.

Insolvenzantragspflicht

Recht und Gesetz Laut Auskunft des Vereines Deutsches Ehrenamt muss der Vereinsvorstand unverzüglich nach Auftreten der Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellen (Paragraph 42 II 1 BGB). Unverzüglich heißt, dass es bezüglich der Sachlage zu keinen überflüssigen Verspätungen kommen darf. Die verantwortlichen Vorstandsmitglieder werden für den verspäteten oder nicht gestellten Antrag alle gemeinsam zur Verantwortung gezogen und haften mit ihrem Privatvermögen. Bei Insolvenzverschleppung kann es sogar zu strafrechtlichen Konsequenzen kommen.

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