Coburg
Medizin

Die Coburger Hofapotheke feiert Jubiläum

475 Jahre Geschichte pur: Apotheker Gernot Priesner gibt am Tag der offenen Tür am Samstag Einblick in fünf spannende Jahrhunderte.
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Gernot Priesner auf dem Kräuterboden der Apotheke: Der Schwammpilz wurde einst wegen seiner blutungsstillenden Wirkung eingesetzt. Ulrike Nauer (2)/ Repro: Gernot Priesner (1)
Gernot Priesner auf dem Kräuterboden der Apotheke: Der Schwammpilz wurde einst wegen seiner blutungsstillenden Wirkung eingesetzt. Ulrike Nauer (2)/ Repro: Gernot Priesner (1)
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Wenn Gernot Priesner in seinem Büro die Deckenmalerei betrachtet, sieht er nicht nur alle seine Vorgänger als Chef der Coburger Hofapotheke verewigt, sondern gleichzeitig eine Art Stammbaum seiner eigenen Familie. 1864 kaufte sein Ur-Urgroßvater Louis Heil die Hofapotheke. Dessen Tochter Frieda heiratete Eugen Priesner und mit Gernot Priesner führt nun bereits die fünfte Generation seiner Familie die Hofapotheke.
Die Geschichte der Apotheke beginnt allerdings schon gut 320 Jahre vor Louis Heil - mit Cyriakus Schnauß, der sie 1543 gegründet hat. Wäre es nach Schnauß gegangen, könnte die Hofapotheke heute schon ihr 480-jähriges Bestehen feiern, doch schon im 15. Jahrhundert gab es Konkurrenz und die machte dem Coburger Apotheker zunächst einen dicken Strich durch die Rechnung.
"Es gab damals schon eine andere Apotheke in Coburg", berichtet Gernot Priesner beim Rundgang durch sein Haus. Deshalb hatte der Rodacher Schnauß erst einmal das Nachsehen. Dank des Stadtarztes klappte es 1543 dann doch noch. Der nämlich war mit dem Service der ansässigen Apotheke nicht zufrieden, fand die Preise überhöht und das Angebot nicht groß genug, wie Priesner schmunzelnd erzählt. "Er sagte, man müsse immer nach Bamberg in die Apotheke fahren."


Herzog als Hausbesitzer

So wurde es Schnauß schließlich gestattet, seine eigene Apotheke zu eröffnen, zunächst unter dem Namen "Zum güldenen Strauß". Hoflieferant und damit offiziell Hofapotheke wurde sie erst 1617 unter Georg Goßmann. Wenige Jahre später kaufte Herzog Johann Casimir die Apotheke sogar. "Er hat sie natürlich nicht selber geführt, aber er hatte Interesse an solchen Häusern", sagt Priesner. Bis 1697 war sie im Besitz der Herzogsfamilie.
Übrigens hatte auch Cyriakus Schnauß das Haus einst gekauft, nicht selbst gebaut, wie man vermuten könnte. Eine Architekturstudentin der Hochschule hatte das Baujahr anhand der Dachbalken auf mindestens 1431 datiert, so Priesner. Bei weiteren Nachforschungen habe sie Dokumente gefunden, wonach ein Eberhard Stadtler das Gebäude schon 1401 verkauft haben soll. "Das ist die erste Erwähnung des Hauses."
Diese Geschichte wird Gernot Priesner auch am morgigen Samstag erzählen, denn da öffnet die Hofapotheke anlässlich der 475-Jahr-Feier ihre Türen und bietet Führungen durchs Haus an (Infos am Textende). Dabei kommt sicherlich auch zur Sprache, welch große Rolle die Frauen in Priesners Familie gespielt haben. Als zum Beispiel Gernot Priesners Urgroßvater Eugen starb, hatte dessen Frau Frieda die Hofapotheke weitergeführt. "Das war nicht einfach", sagt Priesner. "Sie war keine Apothekerin und hatte vier Kinder, das ist schon eine Leistung gewesen."
Ein besonderes Highlight der Führung ist der Besuch auf dem Kräuterboden. Schon der betörende Duft, der einem beim Betreten des Raumes in die Nase steigt, weist auf die Schätze hin, die hier in 160 Tonnen aus Buchenholz lagern.


Dufterlebnis Kräuterboden

"Die waren alle mal voll", erzählt Priesner, Aber das sei eher zu Zeiten der Hildegard von Bingen gewesen. "Heute haben wir hier vielleicht noch 100 Kräuter und Gewürze." Gesammelt und getrocknet wird in der Hofapotheke längst nicht mehr. Kräuter und Gewürze kommen aus Südosteuropa, Südamerika, Indien und China. In vielen anderen Apotheken gebe es das heute gar nicht mehr, sagt Priesner, denn ein Geschäft lasse sich mit dem Verkauf von Kräutermischungen und Tees nicht mehr machen. "Aber es ist ein wunderschönes Hobby und es hat eben noch viel mit der Pharmaziegeschichte zu tun."
Außerdem komme es auch vor, dass Kunden der Hofapotheke ein spezielles Kraut oder eine spezielle Mischung suchen. Diese Wünsche erfüllen Priesner und sein Team natürlich gerne. Das Ausgefallenste, was auf dem Dachboden lagert, wird aber vermutlich nicht mehr nachgefragt: Ein Schwammpilz, der einst zum Blutstillen verwendet wurde.

Führungen am Samstag

Tag der offenen Tür - er findet am Samstag, 21. Juli, von 9 bis 15 Uhr statt. Von 10 bis 14 Uhr werden außerdem immer zur vollen Stunde 30-minütige Führungen durch die Hofapotheke angeboten. Apotheker Gernot Priesner bittet dazu um vorherige Anmeldung unter Telefon 09561/80120 oder per E-Mail an: info@hofapo.com.
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