Coburg
Schiffsmodelle

Die "Bismarck", die "Admiral Hipper" und die "Blücher" kreuzen in Coburg

Ein Modellbauplan ist eine Wissenschaft für sich. Wer sich damit nicht zurechtfindet, braucht gar nicht erst anzufangen. Karl Duda aber aus Beiersdorf fand hier seine Leidenschaft.
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Karl Duda betrachtet eine Miniatur-"Bismarck". Für das größere Modell  hat er fünf Jahre gebraucht. Foto: Wolfgang Desombre
Karl Duda betrachtet eine Miniatur-"Bismarck". Für das größere Modell hat er fünf Jahre gebraucht. Foto: Wolfgang Desombre
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Die Liebe zum Detail und einen Blick für das Besondere muss Karl Duda wohl schon in die Wiege gelegt bekommen haben. In zig Arbeitsstunden hat er das Kriegsschiff "Bismarck" detailgetreu nachgebaut.

Vor rund fünf Jahren hatte Karl Duda mit dem Nachbau des Kriegsschiffes "Bismarck" begonnen und nun nach unendlichen Stunden fertiggestellt. Das Basteln reicht bei Karl Duda bis in die Kindheit zurück. Aus Baumrinden hatte er Schiffe gebastelt und später Bausätze von Schiffsmodellen zu Weihnachten bekommen. Mit 16 Jahren folgten das Kriegsschiff der deutschen Kriegsmarine "Prinz Eugen", die "Admiral Hipper" und die "Blücher", ein schwerer Kreuzer der Admiral-Hipper-Klasse. Sein erstes großes Modellschiff, die "Pamir", hatte er nach der Heirat bekommen.

Und mit dem Modellbau-Virus ist Karl Duda noch heute infiziert. In einem eigens dafür ausgewählten Zimmer des Einfamilienhauses sind die tollen Schiffsmodelle neben Uniformen der bayerischen Polizei zu bestaunen. Eine großartige Mützensammlung hat Karl Duda sich im Laufe der Jahre auch zugelegt. Egal wo er Urlaub macht, ein Besuch bei einer Polizeidienststelle gehört einfach dazu. Wenn er fündig wird, bringt er immer wieder neue Mützen mit nach Beiersdorf.

Vieles ging nicht ohne Lupe

Das Modell "Bismarck" wurde damals als Bausatz angeboten und jeden Monat kamen neue Teile hinzu, erinnert sich Karl Duda. Der Bauplan war schon eine Wissenschaft für sich und wer sich damit nicht zurechtfindet, braucht nicht anzufangen. Die vielen Teile mussten einzeln bearbeitet werden. Erst ausschneiden, dann mit dem Sekundenkleber bestreichen und fixieren, ohne dass die Finger zusammenkleben, schildert es der Tüftler. Allein der 120 Zentimeter lange Schiffsrumpf besteht aus zig Teilen, die Duda in Schichtenbauweise zusammensetzten musste. Die dünnen Planken aus Balsaholz waren dann zu bestücken und die einzelnen Teile mussten zuvor mit Stecknadeln fixiert werden. Für das Nachbohren der Pfosten mit einem dünnen Bohrer musste Karl Duda schon die Lupe zur Hand nehmen, um dann den Draht für die Reling einzuziehen. Um die Kanonen zu erkennen, muss man schon genau hinschauen. Die vier großen Geschütze "Anton", "Bruno", "Cäsar" und "Dora" sind von vorn nach achtern alphabetisch bezeichnet. Die schwere Artillerie der Modell-"Bismarck" besteht aus acht 38-Millimeter-Geschützen in je zwei Doppeltürmen vorn und achtern. Dabei sind die Türme "Bruno" und "Caesar" überhöht angeordnet, so dass sie über den davor oder dahinter angeordneten Turm hinwegfeuern könnten, so die fachkundige Aussage des Bastlers.

In der Realität hatten die Geschütze eine Rohrlänge von 19,63 Metern, eine Reichweite von 36,6 Kilometern und feuerten maximal 3,3 Schüsse in der Minute ab. Dies war jedoch nur beim Ladewinkel von 2,5 ° möglich, wobei die Reichweite weniger als fünf Kilometer betrug. Bei größerer Entfernung musste das Rohr gesenkt und wieder erhöht werden. Beim Gefecht in der Dänemarkstraße betrug die Feuerrate etwa zwei Schuss pro Minute. Die Geschütze konnten gegen Land- und gegen Seeziele eingesetzt werden, erklärt Karl Duda.

Es ist eine wahre Sisyphusarbeit, die Karl Duda hier geleistet hat. "Weil's mir Spaß macht und das Hobby beruhigt", antwortet der Bastler auf die Frage, warum er sich so ein Hobby ausgewählt hat. Aber es ist nicht nur das Handwerkliche, das Karl Duda begeistert. Wenn er sich seine Schiffsmodelle anschaut, dann denkt er auch an die Leute, die im Krieg elend ums Leben gekommen sind. "Sie sind für nix gestorben und haben nur dem Vaterland gedient", meint er nachdenklich. Die filigrane Arbeit mache den Reiz aus, sagt Duda. "Wenn ich keine Lust mehr habe, dann muss ich aufhören und etwas anderes machen", sagte der passionierte Bastler.

Hintergrund: Die "Bismarck"

Die "Bismarck" zählt heute zu den bekanntesten Schiffen der deutschen Kriegsmarine und ist daher Objekt zahlreicher Modelldarstellungen. Die "Bismarck" war ein Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine und bildete mit ihrem Schwesterschiff "Tirpitz" die Bismarck-Klasse. Bei der Indienststellung im August 1940 unter dem Kommando von Kapitän zur See Ernst Lindemann galt sie als das weltweit größte und kampfstärkste Schlachtschiff. Im Mai 1941 wurde die "Bismarck" zusammen mit dem schweren Kreuzer "Prinz Eugen" in den Nordatlantik geschickt, um dort Handelskrieg zu führen. Bald nach dem Beginn dieser Mission gelang ihr in der Dänemarkstraße die Versenkung des britischen Schlachtkreuzers "Hood". Drei Tage darauf versank sie selbst nach einem schweren Gefecht gegen Einheiten der britischen Royal Navy mit dem Großteil ihrer Besatzung im Nordatlantik.



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