Coburg
Porträt

Die besondere Perspektive

Für sein Fotobuch sucht Richard Franz eine Coburger Druckerei. Der Erlös aus dem Verkauf kommt der offenen Behindertenarbeit Oberfranken zugute.
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Richard Franz fotografiert vor allem Häuser- und Straßenansichten incoburg.Gabi Arnold
Richard Franz fotografiert vor allem Häuser- und Straßenansichten incoburg.Gabi Arnold
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Richard Franz ist ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Der Wahlcoburger knipst das, was ihm auf seinen Touren begegnet. Meist sind dies Häuser-und Straßenansichten, auch Bauwerke, verträumte Ecken und Winkel der Vestestadt. Da Richy, wie ihn Freunden nennen, im Rollstuhl sitzt entstehen die Fotos aus seiner besonderen Perspektive und genau dies macht den Reiz der Aufnahmen aus.

Mittlerweile hat der 63-jährige viele Motive, die die Schönheit der Vestestadt zu allen Tageszeiten und in jeder Jahreszeit abbilden, aufgenommen. Mit den Bildern gestaltet der passionierte Fotograf einen Bilderband, einen Sponsor dafür hat er gefunden. Aber eines fehlt ihm noch: Er sucht eine heimische Druckerei, die den Bildband druckt. "Da ich Coburg fotografiere, wäre es schön, wenn er von einer Coburger Druckerei gedruckt wird", sagt Richard Franz. Bisher habe er auf seine Anfragen keine Antwort erhalten, bedauert er. Das Fotobuch soll 48 Seiten dick sein und zunächst in einer kleineren Auflage publiziert werden. Der Erlös von 15 Euro aus dem Verkauf soll an die Offene Behinderten Arbeit Oberfranken (OBO) fließen.

Auslösen mit dem Kinn

Richard Franz ist in Rumänen geboren, durch einen Sauerstoffmangel ist er von Geburt an spastisch gelähmt. Dadurch sind seine Bewegungen fahrig, zuckend und unkontrolliert. Da er seine Hände nicht bewegen kann, hilft eine Assistentin im Alltag, zum Beispiel beim Essen und auch beim Fotografieren. Sie schraubt die Kamera auf den Elektrorollstuhl fest und stellt sie ein, nach seiner Regie natürlich. Auslösen kann er mit dem Kinn, zum Bearbeiten benutzt er einen sogenannten Kopfschreiber. Das ist eine Art Helm mit einem längeren Stift, mit dem er seinen Computer bedienen kann.

Im Moment stellt Richard Franz aus seinem umfangreichen Archiv die Fotos am Computer zusammen; er lebt in einer Behinderten-WG am Max-Böhme-Ring. Zuhause in seiner "WG" erzählt er beim Pressegespräch von seiner Kindheit in Rumänen. "Ich hatte trotz meiner anderen Normalität eine schöne Kindheit." Überhaupt, sagt er, was sei schon normal. Für ihn gibt es eh nur die Normalnormal und die Andersnormalen, eben Menschen, die so sind wie er. "In meinem Dorf war ich anerkannt und beliebt. Dort war ich selbstverständlich mittendrin. Hier sagt man jetzt integriert oder inkludiert dazu", schmunzelt er. Seine Sozialpädagogen seien seine Eltern gewesen und die Psychologen die Freunde.

Die Kamera hilft nur

Seine erste Kamera bekommt Richard Franz von einem Freund seines Vaters geschenkt, eine Lochkamera, die einen Schuhkarton mit Löchern gleicht. Dies weckt die Leidenschaft des 20-jährigen, beim Dorfpfarrer lernt er die analoge Fotografie und das Entwickeln der Bilder. Ein Satz begleitet ihn bis heute: "Es ist wichtig, was und wie Du fotografiert. Die Kamera erleichtert dies nur." Deswegen lässt der 63-jährige die Kamera manuell einstellen, um eindrucksvolle Bilder zu schießen.

Im Jahr 1988 kam er mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester nach Rödental. Längst besitzt er eine digitale Spiegelreflexkamera, wenn er in Coburg unterwegs ist, dann schaut er genau und sucht Motiv und Blickwinkel. Im sozialen Netzwerk "Facebook" erhält er viel positive Resonanz für seine "Coburger Ansichten." Deswegen stellt er im Jahr 2016 zum ersten Mal in Haus Dialog in der Metzgergasse seine Fotos unter dem Titel "Mein Coburg" aus.

Das Projekt Lebensgeschichte

Richard Franz möchte mit seinem Hobby aber auch allen "Andersnormalen" Mut machen. "Viele können mehr als sie sich zutrauen", ist er überzeugt. Zukünftig möchte er wieder mehr analog fotografieren, er arbeitet auch an einem neuen Projekt: Er schreibt nämlich seine spannende Lebensgeschichte auf, die eines "Andersnormalen" eben. Jetzt wird aber erst einmal eine Coburger Druckerei für das Fotobuch gesucht. Zu erreichen ist er per E-Mail an richy.spasti@gmx.de



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