LKR Coburg
Kreisversammlung

Die Bauern im Coburger Land fühlen sich arg bedrängt

Immer mehr Bürokratie, Kontrollen und Auflagen, Unsicherheiten und dann noch das Volksbegehren, die Bauern im Coburger Land fühlen sich unter Druck.
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Plädoyer für die Bauern: Heidi Bauersachs, Thomas Nowak, Matthias Borst, Martin Flohrschütz, Dagmar Hartleb und Sebastian Straubel Foto: Gabi Bertram
Plädoyer für die Bauern: Heidi Bauersachs, Thomas Nowak, Matthias Borst, Martin Flohrschütz, Dagmar Hartleb und Sebastian Straubel Foto: Gabi Bertram
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Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" habe die Bauern schlichtweg überrollt. "Sie sollen dafür herhalten, was eine moderne Industriegesellschaft an Billig-Massenkonsum in Bequemlichkeit erzeugt hat. Dazu kommt all das, was ohnehin eine bäuerliche Existenz immer schwieriger werden lässt: Bürokratie, Auflagen, Verunsicherungen in der europäischen Agrarpolitik, Ausgleichszahlungen, bei denen die Trauben immer wieder ein Stück höher gehängt werden", zählte Direktor Matthias Borst, Vize-Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes und Gastredner bei der Kreisversammlung des BBV-Kreisverbandes Coburg, auf. Die Bauern hätten es nicht verstanden, Landwirtschaft authentisch rüberzubringen und hätten auf das Volksbegehren "zu spät, zu leise, zu lasch" reagiert. Dabei gebe es genügend Baustellen für die Landwirte, betonte Borst und nannte den Brexit. Es sei unklar, welche Auswirkungen der Austritt Großbritanniens aus der europäischen Union auf die europäische Agrarpolitik habe. Nach den Europawahlen, prophezeite Borst, werde man in Brüssel erst einmal in eine Stand-by-Situation verfallen. Entscheidungen für Rahmenbedingungen dürften sich so um mindestens ein, eher um zwei Jahre verschieben. Was nach 2020 kommen wird, liege bislang nur als Vorschlag der EU-Kommission auf dem Tisch. Direktzahlungen seien nur noch für "echte Landwirte" vorgesehen, also Haupterwerbsbetriebe, die das beim Einkommenssteuerbescheid zu belegen hätten. Bei den Ausgleichszahlungen, erklärte Borst, gehe Bayern einen eigenen Weg mit einem ausgewogenerem Konzept. Gefördert würden darüber naturbedingt benachteiligte Gebiete, die Kriterien dafür seien in Bayern gesondert ausgewiesen, sie reichten von ph-Wert bis Hangneigung. Mit diesem Konzept, so Borst, seien immerhin 702 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche wieder in die Ausgleichszahlungen reingekommen. Dieses Bayern-Konzept sei aber noch nicht spruchreif.

Für 20 Hektar Blühwiesen seien auch in diesem Jahr die Voraussetzungen gegeben, sagte BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz. Seine Worte waren sehr emotional. Aber ob die Landwirte nach diesem Volksbegehren da noch mitmachten, sei fraglich. Flohrschütz zeigt sich betroffen davon, was das Volksbegehren mit sich gebracht habe. Von Vorwürfen der Käuflichkeit der Landwirtschaft durch die Düngemittelindustrie bis hin zu persönlichen Anfeindungen habe er alles erlebt. Jedoch gehe es auch der Bauernschaft um Artenschutz. Flohrschütz appellierte an die Landwirte, die Kräfte zu bündeln - für Selbstachtung, Respekt und Würde des Berufsstandes.

"Doppelmoral"

Christian Giebinger, ein junger Landwirt aus Mirsdorf, sprach von einer Doppelmoral der Gesellschaft. "72 Prozent wollen Bio, 16 Prozent kaufen Bio. Warum machen wir nicht auch ein Volksbegehren: Wollt ihr unsere Produkte oder nicht?" Wolfgang Schultheiß, Vize-Kreisobmann, schlug vor, dass der Staat die Flächen der geforderten Uferrandstreifen kauft oder dafür bezahlt. Martin Rauscher forderte, dass jeder, der das Volksbegehren unterschrieben hat, für 30 oder 50 Euro einen Blühstreifen anlegen soll. Nur seine Unterschrift hinzusetzen, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich im rasengemähten Garten zurückzulehnen, sei blanke Scheinheiligkeit. Es gab noch andere Vorschläge aus dem Bereich Gegenreaktion.

Wie es weiter geht nach dem Volksbegehren, ist noch offen. Die Bauern, das steht fest, sind bis ins Mark getroffen. Dass sowohl der neue Landrat Sebastian Straubel (CSU) als auch Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) jeweils ein kleines Plädoyer für die Landwirtschaft hielten, machte den Landwirten zumindest etwas Hoffnung, dass die Politik zu vermitteln vermag.

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