Coburg
Sommerfest

Dickens' Geist fürs heimische Wohnzimmer

Das Landestheater versteigerte in seinen Werkstätten in Cortendorf einige besonders ausgefallene Requisiten und mistete seinen Fundus aus.
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Zum Zweiten, zum Dritten... Schauspieler Frederik Leberle versucht, den "Geist der Gegenwart" an die Frau oder den Mann zu bringen.Foto: Daniela Pondelicek
Zum Zweiten, zum Dritten... Schauspieler Frederik Leberle versucht, den "Geist der Gegenwart" an die Frau oder den Mann zu bringen.Foto: Daniela Pondelicek
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Mit weit geöffneten, blauen Augen schaut sich der "Geist der Gegenwart" scheinbar im Malsaal der Werkstatt des Landestheaters um und hört mit seinen großen Ohren Schauspieler Frederik Leberle im paillettenbesetzten Anzug ganz genau zu. Denn nach einer aufregenden Spielzeit und zahlreichen Auftritten in der Inszenierung von Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte" heißt es für den Geist der Gegenwart nun Abschied nehmen vom Landestheater! Bei der großen Auktion am Ende des Frühsommerfestes wird er zusammen mit anderen besonders ausgefallenen Requisiten versteigert.
Aber bevor der Geist der Gegenwart und all die anderen Kuriositäten ein neues Zuhause suchen, wird den Besuchern des Festes noch viel mehr geboten. Der Lastwagen, der sonst Bühnenbild und Requisiten von der Werkstatt zum Landestheater bringt, wird zur spannenden Attraktion für Kinder. Sie dürfen auf der Rückbank Platz nehmen und sich eine Runde durch die Stadt fahren lassen. Ida (9) und Emil (11) lassen sich das nicht zwei Mal sagen und klettern aufgeregt ins Führerhaus des Lkw. Nach der Spritztour strahlen sie übers ganze Gesicht: "Die Fahrt war richtig schön", erzählt Ida und Emil stimmt ihr zu. "Wir konnten alles von oben sehen. Das hat mir gefallen", ergänzt er. Ida und Emil sind sich einig: Das Fahren im Lkw fühlt sich ganz anders an als im Auto.
Für die Erwachsenen ist - neben der Auktion - der Kostümverkauf in der Montagehalle interessant. Ob mittelalterliche Gewänder, fantasievolle Märchenkleider oder ausgefallene Abend- und Cocktailkleider: Beim Stöbern in den aussortierten Stücken des Theaterfundus finden die Besucher schnell das eine oder andere Schmuckstück.
Anna Schad, zum Beispiel, hat sich ein rotes Kleid und einen mittelalterlichen Umhang ausgesucht. "Ich wollte einfach mal ein bisschen stöbern", sagt sie. Nach einer Weile sind ihr die beiden Kleidungsstücke ins Auge gefallen und sie habe zugegriffen. "Das werden ganz tolle Halloweenkostüme", erklärt sie.
Auch Laura Engelgeh war beim Stöbern erfolgreich. "Ich habe drei Kleider gefunden, die mir unheimlich gut gefallen", schwärmt sie. Sie habe aber nicht nur darauf geachtet, dass ihr die Kleider passen, "die Farbe und der Schnitt mussten natürlich auch stimmen". So genau wisse sie noch nicht, wann sie die Kleider anziehen wolle. "Aber ich kann mir vorstellen, dass sie sich am Fasching gut machen."
Auch Elvira Reg hat Kleidungsstücke gekauft, die sie am Fasching anziehen möchte. "Ich habe ein Zigeunerkostüm gefunden, das stammt aus dem Stück ,Der Zigeunerbaron‘ aus dem Jahr 1999", erzählt sie. Sie selbst nähe sehr gerne und habe schon lange überlegt, ein Zigeunerkostüm zu schneidern. "Allerdings sind solche Kostüme sehr aufwendig und auch der Stoffpreis war mir bisher zu hoch", sagt sie. "Dieses miederartige Kostüm ist unheimlich gut gearbeitet und allein die seidigen Stoffe hätten mich ein kleines Vermögen gekostet." Dass das Kostüm bereits getragen wurde, störe sie nicht - ganz im Gegenteil: "Ich finde den Gedanken schön, dass das Kleid schon auf der Bühne getragen wurde - und es gefällt mir, dass ich erfahren habe, aus welchem Stück und Jahr das Kleid stammt."
Auch für den "Geist der Gegenwart" nimmt das Fest ein gutes Ende: Zwar schaut es zunächst so aus, als würde ihn keiner kaufen wollen, nach einiger Zeit finden sich aber genug Interessenten, die dem Geist mit den blauen Augen, den großen Ohren und der zerzausten Mähne ein Zuhause geben wollen.
Auch das Kostüm des rosaroten Panthers, ein Teebeutelkostüm aus dem "Lebkuchenmann" und ein grünes Kleid aus der "Schneekönigin", das sich beim Tragen auch als Sitzsack verwenden lässt, wechseln den Besitzer. Das größte Interesse besteht wohl an einer Rakete im Stil der 50er Jahre: Bei einem Startgebot von 50 Euro steigen schnell einige Interessenten ein und der Preis schnellt raketenartig in die Höhe, so dass das Requisit schließlich für 110 Euro unter den Hammer kommt.
Einzig und allein eine große Pferdestatue bleibt am Ende der Auktion im Besitz des Landestheaters. Für Frederik Leberle ist das aber nur halb so wild: "Im ‚Rosenkavalier‘, im ‚Zigeunerbaron‘ und in ‚Hair‘ hat die Statue für eine hohe Ästhetik auf der Bühne gesorgt - wenn sie also niemand für 800 Euro haben möchte, dann nehmen wir sie mit Handkuss zurück in den Fundus."
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