Oberelldorf
Verkehr

Deshalb bleibt die B303 bei Oberelldorf für Traktoren tabu

Langsame landwirtschaftliche Fahrzeuge haben auf der Bundesstraße 303 im westlichen Landkreis Coburg nichts zu suchen - und das wird auch so bleiben.
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Lastwagen ja, Traktoren nein:  Landwirtschaftliche Fahrzeuge müssen  die Bundesstraße 303 bei der Muggenbacher Abzweigung verlassen und über  Begleitwege weiter bis nach Oberelldorf fahren.
Lastwagen ja, Traktoren nein: Landwirtschaftliche Fahrzeuge müssen die Bundesstraße 303 bei der Muggenbacher Abzweigung verlassen und über Begleitwege weiter bis nach Oberelldorf fahren.

Die Einstufung des Neubauabschnitts der Bundesstraße 303 als Kraftfahrstraße und das damit verbundene Befahrungsverbot für langsame Fahrzeuge ist den Vertretern der Landwirtschaft weiterhin ein Dorn im Auge. Erst beim Jahresauftakt der Fraktion von CSU und Landvolk drohte Christine Heider in Neustadt: "Wenn so etwas Schule macht, werden die Landwirte künftig keine Flächen mehr für Straßenbauprojekte zur Verfügung stellen." Aber auch wenn die Landvolk-Sprecherin ankündigte, weiter auf eine Freigabe der B303 für landwirtschaftliche Fahrzeuge zu drängen - der Wunsch wird sich kaum erfüllen lassen.

Bei der Unteren Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt - sie ist eine staatliche Dienststelle - ist die Sache nach Angaben von Landratsamts-Pressesprecher Dieter Pillmann klar: "Es gibt keine Bestrebungen, an der geltenden Einstufung etwas zu ändern." Beim Abschnitt zwischen dem Ortsausgang Oberelldorf und der Abzweigung nach Muggenbach wurde ein sogenannter "2+1-Ausbau" verwirklicht. Der dritte Fahrstreifen (in Fahrtrichtung Coburg) soll dabei für mehr Sicherheit beim Überholen von Fahrzeugen im Schwerlastverkehr gewährleisten, mit erheblich langsamer fahrenden Fahrzeugen, wie landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Fahrrädern und Kleinkrafträdern rechnet dabei niemand mehr.

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Zudem ist in Fahrtrichtung Schweinfurt ein Überholen auf der ganzen Strecke nicht zulässig. Was das in der Praxis heißt, erklärt Pillmann auch: "Wären dort langsamere Fahrzeuge unterwegs, dürften diese nicht überholt werden." Weil aber Autofahrer kaum die gesamte Strecke einen langsamen Traktur hinterher fahren wollen, hätte die Situation nach Ansicht der Unteren Verkehrsbehörde schnell verbotene Überholmanöver und gefährliche Situationen zur Folge. Deshalb wurden für den von der Benutzung der Kraftfahrstraße ausgenommenen Verkehr Begleitwege geschaffen. Dies alles, betont Dieter Pillmann, sei in Abstimmungen zwischen den zuständigen Straßenverkehrsbehörden, der zuständigen Straßenbaubehörde und der Polizei geschehen.

Doch diese Begleitwege kommen bei den Vertretern der Landwirtschaft nicht gut an. "Sie haben teilweise sehr enge Kurvenradien", erklärt Hans Rebelein (Geschäftsführer des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband). Gerade für größere Traktoren, die im Fernverkehr bis hin zum Schweinfurter Hafen fahren müssen, seien die Begleitwege zu eng bemessen.

Es geht auch anders - bei der B4

Umso mehr ärgert die Landwirte deshalb der Verlauf des Genehmigungsverfahren zum Ausbau der B303 östlich von Oberelldorf - sagt zumindest Hans Rebelein. Dort haben die Bauern im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens ihre Grundstücke freiwillig für das Straßenbauprojekt zur Verfügung gestellt. Wohl in der Hoffnung - es gibt auch Landwirte, die von einer fixen Zusage des Staatlichen Bauamtes sprechen - auf eine Regelung, die dem landwirtschaftlichen Verkehr das Befahren der Bundesstraße ermöglicht. Hätte nur ein Grundstückseigentümer seine Zusage verweigert, hätte der Ausbau mit einem Planfeststellungsverfahren rechtssicher gemacht werden müssen. "Und das hätte viel Zeit gekostet", betont Rebelein. Insofern sei die Sache mit der Ausweisung der Kraftfahrstraße aus Sicht der Landwirtschaft schon eine "sehr fragwürdige Vorgehensweise".

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Vielleicht hätten die Bauern in der Umgebung auch mit der Kraftfahrstraße leben können, wenn man ihnen bei den Begleitwegen mehr entgegengekommen wäre, vermutet der BBV-Kreisgeschäftsführer. Wie das gehen kann, hat Hans Rebelein erst jüngst, ebenfalls mit dem Staatlichen Bauamt, erlebt: beim Ausbau der B4 zwischen Neustadt und Mönchröden. Dort seien die landwirtschaftlichen Begleitwege in Absprache mit den Landwirten besprochen und auch "entsprechend geplant" (Rebelein) worden. Deshalb dürfte es keine Probleme geben, wenn dort in ein paar Jahren die B4 als Kraftfahrstraße ausgewiesen wird und keine Traktoren mehr fahren dürfen.

In der Unteren Straßenverkehrsbehörde sieht man die Probleme mit den Begleitwegen rund um Oberelldorf freilich ein bisschen anders. Dieter Pillmann spricht von einer Fahrbahnbreite von 3,50 Metern, beidseitig und parallel zur Bundesstraße. "Damit ist es auch sehr breiten landwirtschaftlichen Fahrzeugen möglich, die Begleitwege zu nutzen", sagt der Pressesprecher.

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