Coburg

Der Zirkus und der Tierschutz

"Abgesagt wegen Tierquälerei" steht auf den Zetteln, die über Plakate des Circus Busch geklebt wurden. Für Tourneeleiter Reto Hütter ein vertrautes Problem. Von einer Absage der Vorstellungen in Coburg ist aber keine Rede.
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Sie werden natürlich wie geplant stattfinden, versichert Hütter. Der Circus Carl Busch wird vom 15. bis 19. November in Coburg gastieren. Die Proteste und der Vorwurf "Tierquälerei" verfolgen den Zirkus, wohin er auch kommt. Und wohin er auch kommt, wird ein Amtstierarzt die Gehege und Stallzelte aufsuchen und nachschauen, ob die Tiere dem Tierschutzgesetz entsprechend gehalten werden.

"Wir haben da Checklisten", bestätigt Marie Anne Lehmann, die Veterinärdirektorin in Coburg. Wie sind die Ställe beschaffen? Halten sie die Größenvorgaben ein, haben die Tiere die Möglichkeit zum Auslauf? Wie gut sind die Tiere gefüttert? Sind Klauen und Hufe gepflegt? All das prüfen die Tierärzte in jeder Stadt und tragen es ins Bestandsbuch des Zirkus ein. Ein weiterer Eintrag kommt in eine zentrale Datei, auf die alle Veterinärämter bundesweit Zugriff haben.
"In dem Moment, wo wir Meldung von einem Zirkus haben, schauen wir dort nach, ob es schon einmal Beanstandungen gab", sagt Marie Anne Lehmann.

Doch bisher gab es die nicht, sagt Reto Hütter. Trotzdem sind die Zirkusplakate an mehreren Stellen im Stadtgebiet mit den A4 großen weißen Zetteln beklebt, die fälschlicherweise behaupten, das Gastspiel sei abgesagt. "Vandalismus" sei das, sagt Hütter, und "Sachbeschädigung". Manchmal würden die Plakate ganz zerstört.
Anzeige erstatten will er nicht. Das bringe nichts. Immerhin habe die Polizei vor einigen Wochen solche Plakatkleber in flagranti erwischt, "beim Zirkus Knie". Denn der Vorwurf "Tierquälerei" richtet sich gegen alle Zirkusse, nicht nur gegen das Unternehmen Carl Busch. Vor allem die Tierschutzorganisation Peta mache den Zirkussen das Leben schwer, sagt Hütter. "Wir werden von Peta regelrecht verfolgt!" Peta hatte im Sommer dem Circus Carl Busch während seiner Gastspiele in Frankfurt und Landau vorgeworfen, die Elefanten mit Stöcken zu traktieren. In der Folge setzte Peta 1000 Euro für Amateurvideos aus, die Tierquälereien im Zirkus dokumentieren können.

Reto Hütter widerspricht: "Den Tieren im Zirkus geht es gut. Unsere Elefanten werden nun von der dritten Generation versorgt. Die sind so lieb!"

Doch auch der Deutsche Tierschutzbund erhebt - wenn auch pauschal - schwere Vorwürfe gegen die Zirkusse, die exotische Tiere halten: Die Käfige seien häufig zu klein, die Tatsache, dass sie bis zu 50 mal im Jahr umziehen müssten, bedeute für die Tiere Stress. Sie würden nur wenige Minuten am Tag beschäftigt, und spezialisierte Tierärzte gebe es für die Elefanten, Tiger und Schlangen kaum. Auch fehle den Zirkusleuten häufig die rechte Sachkunde, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen, und nur wenige würden ein eigenes Winterquartier besitzen.

Für Busch treffe letzteres nicht zu, betont Hütter. Mit dem "Chicco-Land" in der Nähe von Dinkelsbühl verfüge der Zirkus außerdem über ein Gelände, auf dem die Tiere bleiben können, wenn sie für ein Gastspiel nicht gebraucht werden. "Wir haben ja auch reine Varieté-Gastspiele." Außerdem hätten die Zirkusse inzwischen schon eigene Studien in Auftrag gegeben, um den Zustand ihrer Tiere beurteilen zu lassen. Ergebnis: Das Leben im Zirkus stresse die Tiere nicht mehr als eins im Zoo. Mehr noch: Das Reisen, die Kunststücke kommen dem natürlichen Verhalten mancher Tiere sogar entgegen, meint Hütter. "Die Tiere freuen sich sogar, wenn sie etwas Neues sehen."

Auch Marie Anne Lehmann geht davon aus, dass die Zirkusleute ein großes eigenes Interesse daran haben, dass es ihren Tieren gut geht. "Das ist schließlich ihr Kapital." Zusammen mit Vertretern des Ordnungsamts wird sie deshalb in den nächsten Tagen ihre Runde durch die Ställe rund um die Manege machen. Denn wenn die Amtstierärztin etwas zu beanstanden hat, muss das Ordnungsamt die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Das sei sogar schon vorgekommen, teilte Stadt-Pressesprecherin Michaela Hofmann mit: "In Form der Anordnung einer Hufpflege. Allerdings war noch kein Verstoß so gravierend, dass ein Tier hätte fortgenommen werden müssen. "

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