Sonnefeld
Fußball

Der TSV Sonnefeld "siegt" 0:0

515 Zuschauer sahen ein schwaches Landesliga-Derby, in dem die kampfstarken Sonnefelder den ideenlosen Vestekickern erfolgreich Paroli boten.
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Beide Teams schworen sich für dem Landesliga-Derby noch einmal ein. Lisa Hümmer
Beide Teams schworen sich für dem Landesliga-Derby noch einmal ein. Lisa Hümmer
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Der von vielen erwartete Klassenunterschied war nicht erkennbar! Das Landesliga-Duell zwischen dem in der Sommerpause eilig zusammen gewürfelten Team des TSV Sonnefeld und der seit einigen Jahren gezielt aufgebauten und durchaus schlagkräftigen Mannschaft des FC Coburg endete am Mittwochabend vor 515 enttäuschten Zuschauern mit einer Nullnummer.
Deprimierend für die klar favorisierten Gäste - Selbstvertrauen stärkend für die Platzherren. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die Landesliga-Greenhorns diese kämpferisch herausragende Leistung regelmäßig wiederholen können. Die Vestekicker müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie zu keinem Zeitpunkt die richtige Einstellung für dieses Derby fanden. Der FCC hätte sich nicht beschweren können, wenn er als Verlierer den Platz verlassen hätte. Die Sonnefelder hatten die besseren Chancen.


Pietsch hatte eine Vorahnung

Und dabei wurde vor dem Spiel eigentlich nur die Höhe des Coburger Sieges diskutiert. Werden es sechs oder sieben Gegentore? Wird es am Ende gar zweistellig? Weit gefehlt. Von einem klaren Sieg waren die Vestekicker meilenweit entfernt.
"Ich wäre heute schon mit einem 1:0 und keinem Verletzten zufrieden". Alexander Pietsch, stellvertretender Vorsitzender des FCC hatte kurz vor dem Anpfiff ein mulmiges Gefühl. Und das sollte ihn nicht täuschen, denn die Sonnefelder legten sich von Beginn an mächtig ins Zeug.


Limitiert, aber motiviert

Mit ihren limitierten spielerischen Mitteln boten sie den Coburgern Paroli, arbeiteten sich förmlich in die Partie und gestalteten das Derby streckenweise sogar ausgeglichen. Mehr noch, Heider, Scheler & Co. hatten mehrmals die Chance, um in Führung zu gehen, während die Gäste in der ersten Hälfte nur einmal gefährlich wurden. Nach der Pause traf Scheler sogar de Pfosten.
Natürlich hatten die "Roten" deutlich mehr Ballbesitz, doch sie spielten viel zu behäbig, ohne Esprit und ohne Ideen. Ein taktisches Konzept war gegen die dicht gestaffelte Sonnefelder Abwehr nicht erkennbar. Deshalb ging der Matchplan des Außenseiters auf. Trainer Heiko Schröder, der schon im Vorfeld zuversichtlich war ("Wir schaffen ein 1:1"), darf sich als Sieger fühlen. Der 50-Jährige kannte als langjähriger Jugendtrainer im Nachwuchsleistungszentrum die Stärken und Schwächen der gegnerischen Spieler besser als die seiner eigenen. Ein Großteil der aktuellen Vestekicker ging schließlich durch seine Fittiche.


"Fußball-Professor"

Erfolgreiche Maßnahmen, um die Antritte eines Fabian Carl, die Solis von Sertan und Gökhan Sener oder die Flanken und Schüsse eines Adrian Guhling zu verhindern, hatte der Detail-Fanatiker genügend in seinem Notizblock. Ein langjähriger Coburger Hausmeister in der Wiesenstraße betitelte Schröder aufgrund dessen unbestrittener Kompetenz einmal sogar als "Fußball-Professor".
Und die willigen, bis in die Haarspitzen motivierten Schröder-Jungs setzen die Vorgaben Eins zu Eins um. Bestnoten verdiente sich vor allem Kapitän Kunick, der seiner Binde am Arm alle Ehre machte. Er kämpfte, am Ende von Krämpfen geplagt, bis zum Umfallen und avancierte so zu einem Spiegelbild der Sonnefelder Energieleistung. Respekt!
Ein Großteil der Sonnefelder Kicker kamen zu Landesliga-Ehren wie die Jungfrau zum Kind. Ihr Können und das Talent ist begrenzt, doch selten war die abgedroschene Fußball-Weisheit, dass jeder zumindest Kämpfen kann, treffender als bei diesem Spiel. Den Coburgern muss zu Gute gehalten werden, dass die Hitze und der stumpfe Platz erschwerend hinzukamen.


Enttäuschende Vestekicker

Weshalb jedoch keine einzige Standard auf das von einem nach der Pause permanent in die Sonne schauenden etatmäßigen Feldspieler gehütete Tor kam, oder weshalb kein Mal aus der 2. Reihe abgezogen wurde, bleibt ein FCC-Geheimnis. Die zweiten Bälle wurden nahezu alle verschlafen. Die Stürmer kreuzten oder hinterliefen kein einziges Mal. Alles Dinge, die im NLZ seit Jahren intensiv trainiert werden und die diese Mannschaft normalerweise beherrscht. Doch es war eben nicht der Tag der Coburger.

Die Höhepunkte des Landesliga-Derbys

11. Minute: Sonnefelds Danny Heider - vom Kreisklassisten TSV Oberlauter gekommen - bolzt die Kugel nach einer Ecke freistehend über den Coburger Kasten.

21. Minute: Ludwig Scheler - der beste Sonnefelder Stürmer - fehlt bei einem Heber aus aussichtsreicher Position das Gefühl.

39. Minute: Mosert, der bereits mit eine Kopfball am langen Pfosten völlig frei vergab, wird von Heinze sehenswert frei gespielt, doch Sonnefelds "Notnagel" im Kasten ist auf dem Posten. Szenenapplaus für "Meister" Jakob.

65. Minute: Sonnefeld hat sich längst von der Coburger Druckphase freigespielt und kommt zu einer Großchance: Churilov lenkt Schelers Schuss am kurzen Eck gerade noch an den Posten. Riesenglück für Coburg.

76. Minute: Der Auftritt von "Oldie" Benni Demel. Erst spielt er die Kugel per Hacke durchs Mittelfeld, um Sekunden später nach einem Sprint an der Außenlinie von Krämpfen geplagt liegen bleibt. Doch der Ex-Postbote holt eine Ecke heraus und hält durch.

77. Minute: Fast das 1:0. Doch Scheler schießt aus fünf Metern am langen Eck vorbei.

80. Minute: Die Schlussoffensive des FC. Erst trifft Sertan Sener nach einem weiten Schlag den Ball beim Abschluss nicht - Mosert war in der Mitte völlig frei - ...

87. Minute: ... und dann wäre Carl fast zum Buhmann geworden. Als nämlich ein Sonnefelder (wieder einmal) am Boden lag, spielte der Flügelflitzer zum Entsetzen der Platzherren einfach weiter und verfehlte mit einem fulminanten Vollspannschuss nur ganz knapp das Siegtor.


Die Statistik


TSV Sonnefeld gegen
FC Coburg 0:0

TSV Sonnefeld: Jacob - Heider, Kunick (90. Günnel J.), Krämer, Demel, Bauer T., Graf (37. Kappenberger Le.), Brückner, Wandrai, Pohl, Scheler Lu.
FC Coburg: Churilov - Alles, Scheler, Guhling (84. Hajian), Heinze, Schmidt, Sener G. (70. Bayersdorfer), Carl, Dilauro (80. Riedelbauch), Mosert, Sener S.
Gelb: Heider, Kunick, Wandrai, Pohl / Alles, Sener S., Schmidt. - Zuschauer: 550. - SR: Ehwald (Geldersheim).


Die Trainerstimmen

Heiko Schröder (Trainer TSV Sonnefeld): "Natürlich erst einmal ein großes Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben das gut gemacht. Natürlich hatten wir auch ein wenig Glück, aber wir hätten dieses Spiel auch gewinnen können, denn unter dem Strich hatten wir ja sogar die besseren Chancen. Wenn an bedenkt, dass ich unseren etatmäßigen Ersatz-Mittelstürmer heute ins Tor stellen musste, macht dieser Punktgewinn schon ein wenig stolz. Coburg hat die Angriffe eben nicht gut zu Ende gespielt und deshalb auch nicht getroffen.

Lars Scheler (Trainer FC Coburg): "Sonnefeld hat uns sehr wenige Räume gelassen. Sie haben einfach gut verteidigt und wir haben vor allem in der ersten Halbzeit kaum Wege in die Tiefe gesucht. Auch sind wir einfach zu wenig Tempo gegangen. Momentan tun wir uns noch schwer das Spiel zu machen, trotzdem hatten wir etliche Chancen und Halbchancen, die wir nicht konsequent und teilweise überhastet vergeben haben. Am Ende hatte Sonnefeld sogar etliche gute Kontermöglichkeiten.
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