Neuentwicklung

Der schwebende Schreibtisch aus dem Coburger Land

Leuwico aus Wiesenfeld bei Coburg entwickelte zusammen mit Konstrukteuren von Kontec den "High One" - einen mechanisch höhenverstellbaren Schreibtisch.
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Zwischen 60 und 130 Zentimetern Höhe kann die Arbeitsfläche des "High One" stufenlos verschoben werden, Zufrieden mit dem , was sie gemeinsam entwickelt haben, sind Mattias Rothe, Martin Pechtold und Ulrich Hofmann (von links).Berthold Köhler
Zwischen 60 und 130 Zentimetern Höhe kann die Arbeitsfläche des "High One" stufenlos verschoben werden, Zufrieden mit dem , was sie gemeinsam entwickelt haben, sind Mattias Rothe, Martin Pechtold und Ulrich Hofmann (von links).Berthold Köhler

"High One" - unter dieser Bezeichnung wird die Firma Leuwico im kommenden Jahr einen neuen rein mechanisch höhenverstellbaren Schreibtisch auf den Markt bringen. Geschäftsführer Mattias Rothe ist überzeugt: "Das wird der beste Tisch auf dem Markt." Das Design mit einer nahezu freischwebenden Tischplatte und der damit völligen Beinfreiheit machte "High One" vor wenigen Wochen zu einem der Highlights auf der "Orgatec", der Leitmesse, was Büroausstattung in Deutschland angeht.

"High One" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Coburger Landes. Leuwico verwirklichte den Tisch gemeinsam mit den Konstrukteuren der Firma Kontec aus Coburg, die das Innenleben der Höhenverstellung entwickelte. "Anderthalb Jahre haben wir an diesem Projekt gearbeitet", erzählt Ulrich Hofmann, Geschäftsführer bei der Firma Kontec. Die große Herausforderung dabei sei es gewesen, die gesamte Verstelltechnik in einer möglichst schmalen Säule unterzubringen. Denn die Kräfte, die dort wirken, erklärt Hofmanns Geschäftsführer-Kollege Martin Pechtold, seien enorm. Da brauche man normal eher viel Platz. Alleine eine gute Tischplatte wiegt bis zu 60 Kilo - dazu kommt noch all das, was heute zu einem Büro-Arbeitsplatz gehört: Computer, Bildschirm und noch viel mehr. "Das alles muss man mit vier Fingern bewegen können", schildert Pechtold, was man sich bei Leuwico zu Beginn der Entwicklung vorgestellt hatte.

Lesen Sie hier, warum sich Leuwico der Vivonio-Gruppe angeschlossen hat

Gasfedern, Ketten, Wickelräder - das Innenleben von "High One" ist so kompliziert, dass sich Mattias Rothe gar nicht erst die Mühe macht, die Verkleidung zu entfernen. Das hat er bei der "Orgatec" auch nicht gemacht, weil die Mitbewerber sichtlich beeindruckt auf den Tisch schauten - "und auch kräftig Fotos gemacht haben", ergänzt der Geschäftsführer lachend. Mit nach Hause nehmen konnten die Fachhändler als Vertriebspartner von Leuwico den "High One" zu deren Bedauern noch nicht. "Er ist zwar bereits voll funktionstüchtig, aber wir befinden uns im Stadium der technischen Verfeinerung", erklärt Rothe. Danach kommen die Endkalkulation sowie die Frage, ob und mit welchen Zulieferern gearbeitet wird. Rothe schätzt: "Wir werden mit der Serienfertigung im ersten Halbjahr 2019 beginnen."

Wie viel der High-Tech-Tisch aus Wiesenfeld am Ende kosten wird, kann Mattias Rothe heute noch nicht sagen. Aber klar ist für den Geschäftsführer: "Leuwico steht für technische Innovation, individuelle Bürogestaltung und seine Rolle als technischer Vorreiter im Markt." Und Billigtische waren es noch nie, die das Leuwico-Gelände neben der Staatsstraße nach Bad Rodach verlassen haben. "Irgendwo zwischen relativ teuer und sehr teuer", sagt Mattias Rothe lachend, werde sich "High One" im Schreibtischmarkt bewegen. Dafür bekommen die Kunden aber auch viel geboten: Neben der nahezu geräuschlosen, schnellen und stromfreien Höhenverstellung auch den kompletten Verzicht auf eine Kabelkette am Tisch. Sämtliche Anschlüsse und Leitungen sind in der Monosäule und unter der Tischplatte unsichtbar verbaut.

Und es werden immer mehr

Die Kontec-Tüftler waren für Mattias Rothe der perfekte Partner für das Projekt. "Hemdsärmeliges Arbeiten" war für den Leuwico-Geschäftsführer eine Maßgabe bei der Entwicklung von "High One". Im Prozess stecken da kurze Wege, schnelle Entscheidungen und noch schnellere Lösungen dahinter. Da traf es sich gut, dass für Hofmann und Kollegen die Firma Leuwico keine Unbekannte war. "Wir haben Leuwico-Tische bei uns in den Büros", erzählt der Geschäftsführer des Konstruktionsbüros mit 16 Mitarbeitern. Zudem habe sich bei den Gesprächen rund um "High One" herausgestellt, dass Maschinenbau (dort hat Kontec in den zwei Jahrzehnten seines Bestehens die meiste Erfahrung gesammelt) und höhenverstellbare Schreibtische jede Menge Gemeinsamkeiten haben.

Die Entwicklung in der Arbeitswelt stärkt Leuwico - seit jeher einer der Marktführer, was hochwertige Schreibtische angeht. Schon heute ist jeder vierte Arbeitsplatz in den deutschen Büros mit einem höhenverstellbaren Tisch ausgestattet, die Branche rechnet für 2025 mit einer Quote von gut 60 Prozent. "In Skandinavien", weiß Mattias Rothe, "sind sie heute schon bei 90 Prozent."

Wundern tut dies den Leuwico-Geschäftsführer nicht, schließlich ist - das haben Untersuchungen längst bewiesen - ein effektiver und gesunder Arbeitsplatz nicht nur für die Mitarbeiter gut, sondern auch für den Unternehmenserfolg. Und das soll "High One" auch für Leuwico sein.

Das ist die Firma Leuwico

Hintergrund Das Unternehmen wurde vor 95 Jahren gegründet und hat sich im Jahr 1947 auf die Ausstattung von Büroarbeitsplätzen spezialisiert. Nach dem wirtschaftlichen Höhepunkt im Jahr 2000 mit über 25 Millionen Euro Umsatz und 300 Mitarbeitern ging es mit dem Wiesenfelder Unternehmen stetig bergab, was 2011 zur Insolvenz führte. Nach dem Einstieg zweier Beteiligungsgesellschaften führt Mattias Rothe die Geschäfte. Inzwischen istLeuwicoeigenständiger Teil vonVivonio, einer Firmengruppe mit sechs eigenständigen Unternehmen aus der Möbelbranche, die zusammen insgesamt 1700 Beschäftigte und 400 Millionen Euro Jahresumsatz haben. Im Wiesenfelder Werk arbeiten derzeit über 120 Menschen.



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