Coburg
Konzert

Der reine Klang der jungen Männer in St. Moriz

Mit den Octavians aus Jena war in St. Moriz ein außergewöhnliches und tief berührendes A-cappella-Ensemble zu erleben. Es brachte "der Töne Licht".
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A cappella in  durchaus  eigener Ausformung brachten die Octavians in  die Morizkirche. Carolin Herrmann
A cappella in durchaus eigener Ausformung brachten die Octavians in die Morizkirche. Carolin Herrmann
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Stille, stille, lass uns lauschen. Heißt es im Gedicht von Clemens Brentano, das Johannes Brahms vertont hat. Lauschen. Das ist viel mehr als zuhören, außerdem im Getöns unserer Zeit viel schwieriger geworden. - Und dann kommen da acht Jungchen, sie sehen jung aus, sind jedenfalls alle noch deutlich unter 30. Die bringen die Moriz-Kirche zum Schweben, nur singend, ohne elektronische Verstärkung.

Die Octavians, das trotz der Jugendlichkeit schon erstaunlich vielfach ausgezeichnete A-cappella-Ensemble aus Jena, wurde von der Reihe Cultur im Contakt nicht von ungefähr in St. Moriz präsentiert, in Zusammenarbeit mit der Musica Mauritiana. Was da am Sonntag zu spüren war, gibt es nur im mystisch hallenden Raum eines solchen Kirchenbaus, konnte nur in dem hier möglichen Raumklang eröffnet werden - von Sängern, die eben dem auch nachspüren wollen.

A-cappella-Ensembles sind poppig und rockig bewegend in Mode gekommen. Die können sehr viel Spaß machen. Die Octavians aber, diese Buben in ihren adretten Anzüglein, führen zurück bis in die frühe Mehrstimmigkeit, ziehen mit ihren Stimmen und ihren sehr überlegten, zurückhaltenden Arrangements durch die Jahrhunderte und bleiben ihrem Anspruch, mit Klang in die Stille zu führen, auch in den Songs unserer Zeit treu.

"Der Töne Licht" war dieses Programm überschrieben, das die Octavians, selbst ein bisschen ehrfürchtig, in Coburg zum letzten Mal sangen. Ihre CD zum zehnjährigen Bestehen belegt, dass sie durchaus auch auf anderen Pfaden, originell kickboxend und spaßend, unterwegs waren. Doch der frühere Kirchengesang, der Klang der Mönche, unserer Zeit dann näher kommend die Tradition der feinen Männerchöre scheint sie langfristig stärker in den Bann zu ziehen. Und wahrscheinlich auch ihr Publikum. In der Mischung und deren Grundton liegt die Einmaligkeit der Octavians.

Zehnjähriges Bestehen? - Die Jungs sind allesamt dem Knabenchor der Jenaer Philharmonie entwachsen, wie sie erzählen. Haben dann offensichtlich mit 15, 16 Jahren nicht voneinander gelassen und, statt Gitarre zu schrappel und auf die Töpfe zu hauen, etwas Tieferes entdeckt. Heute ist der Klang ihrer Stimmen, die Ausgewogenheit des Oktetts, die Fähigkeit sich und ihr Publikum zu konzentrieren in einen höheren, tieferen, weiteren Daseinsraum, schon sehr erstaunlich, fein, zart.

Drei Countertenöre

Alle Darbietungen der Octavians sind zurückhaltend arrangiert, immer auf der Suche nach der wahren Wirkung jedes Tones, aller Klänge, um dann aber auch machtvoll auszugreifen. Von Anfang an fällt der klare, wunderbare Sopran auf - drei hörenswerte Countertenöre finden sich und uns hier.

Ob im Renaissance-Gesang, im älteren schottischen Volkslied, dem Sklavenlied von 1880, bei Franz Schubert und Johannes Brahms und dem leider eher unbekannten Wilhelm Berger (1861 - 1911) oder dann nach der Pause bei Bruce Springsteens "Streets of Philadelphia" oder John Lennons "Imagine", die Octavians loten bedächtig aus und führen in eine Art Versenkung.

Auch die heutigen Songs werden nicht vordergründig "instrumentiert", der eigentliche pure Song wird ausgebreitet. Was bei Paul Simons "The Boxer" zu Gänsehauteffekt führt; da können die acht Sänger in der puren Schönheit ihrer Gesangsentfaltung Tränen in die Augen treiben.

Huch, ihr armen Menschlein, nach so etwas Tiefgehenden braucht es dann aber doch auch etwas Spaß, Duke Ellingtons "Creole Love Call", reines Instrumentalstück, nun tatsächlich nur mit den Mäulern erzeugt, zum Herzerbarmen, die gedämpfte Trompete, die Posaune, der katzenhafte Jammer des Liebesrufes - och gottle, war das schön.

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