Neustadt bei Coburg
Brauchtum

Den Segen gab's in Neustadt auch für das Stoffhündchen

Pferde und Hunde stehen einmal im Jahr in Neustadt im Mittelpunkt, denn dann empfangen die Tiere den göttlichen Segen beim Leonhardiritt.
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Stolz marschiert Dominik mit seinem Stoffhund "Hanno", Mama,  Brüderchen Fabian und dem Familienhund "Luis" am Altar vorbei. Und Martina  Braun segnete auch "Hanno". Foto: Manja von Nida
Stolz marschiert Dominik mit seinem Stoffhund "Hanno", Mama, Brüderchen Fabian und dem Familienhund "Luis" am Altar vorbei. Und Martina Braun segnete auch "Hanno". Foto: Manja von Nida
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"Wir weihen heute einen Hund", freute sich der fünfjährige Dominik am Samstagmittag mächtig. Mit Brüderchen Fabian und der Familie hatte er den festlichen Leonhardiritt-Umzug der geschmückten Pferde, Kutschen und Hunde gesehen und jetzt warteten alle auf die feierliche Segnung der Tiere. Auf dem Gelände für Gebrauchshunde an der Krämere sollte auch Familienhund "Luis" den Segen des Schutzpatrons aller Nutztiere, Sankt Leonhard, erhalten. Vorsichtshalber hatte Dominik auch sein Lieblingskuscheltier, Stoffhund "Hanno", zum Segnen mitgebracht.

"Wir freuen uns jedes Jahr auf diese Veranstaltung hier in Neustadt und auch über die zahlreichen Teilnehmer, die aus den vielen umliegenden Ortschaften zu uns kommen" , begrüßte nach der Fanfare Katrin Petersen, Vorsitzende des Neustadter Reit- und Fahrvereins, alle Pferde- und Hundefreunde sowie die zahlreichen Besucher. Zudem informierte Petersen, der Reit- und Fahrverein richte diesen traditionellen Leonhardiritt gemeinsam mit dem Neustadter Verein für Gebrauchshunde unter der Leitung seines Vorsitzenden Matthias Knauer aus. "Ich freue mich, dass diese Tradition über so viele Jahrzehnte bewahrt worden ist", dankte Dritter Bürgermeister Martin Stingl. Agnes Rosin aus dem Bayerischen sei es zu verdanken, dass der Leonhardiritt sich in Neustadt etabliert habe, erinnerte Stingl. Dies sei geschehen, als der Reit- und Fahrverein Neustadt vor 35 Jahren gegründet wurde, sagte Stingl, der damals zu dessen Vorstandsmitgliedern zählte. "Seitdem, mit ganz wenigen Unterbrechungen, ist das hier der einzige Leonhardiritt in dieser Region", sagte Bürgermeister Stingl. Seitdem nähmen zahlreiche Reiter mit ihren geschmückten Tieren und Kutschen sowie Hundefreunde aus der ganzen Umgebung daran teil. "Die Verbindung zum Pferd und zum Hund, die Partnerschaft untereinander, die soll heute in den Vordergrund gestellt werden, mit der Segnung vor Augen geführt werden, dass der Partner Hund und Pferd quasi ebenbürtig von Ansehen und Rang ist, zu uns selbst, und ganz wesentliches Element im gelebten Miteinander auch in einer Partnerschaft auf Augenhöhe", dankte Martin Stingl im Namen der Stadt Neustadt.

"Immer um das Fest des heiligen Leonhard (6. November) herum, des Schutzpatrons der Nutztiere, feiern wir diesen Leonhardiritt", sagte Martina Braun von der katholischen Kirchengemeinde Sankt Ottilia zur Andacht. Früher habe die Segnung hauptsächlich den landwirtschaftlichen Tieren gegolten. Früher habe man in Pferden und Hunden vor allem Nutztiere gesehen, die das tägliche Leben erleichtert und beschützt hätten. "Diese Tiere sind heute oft zu Lebensbegleitern geworden. Gefährten, die uns ans Herz gewachsen sind, sind uns heilig. Was heilig ist, kommt von Gott, ist Gabe Gottes, der wir mit Achtung, Respekt und Dankbarkeit begegnen", erklärte Braun die Zusammenhänge. Aufgabe des Menschen sei es, alles, was ihm anvertraut werde, in Ordnung zu halten, verantwortungsvoll mit allem Geschaffenen umzugehen und sich liebevoll darum zu kümmern. "Und so wollen wir für die Tiere, die uns wertvoll sind, heute Gottes Schutz und Segen erbitten. Segen ist, wenn Gott da ist: Guter Gott, du hast die Erde erschaffen. Sie ist dein Wunder, das du uns anvertraut hast. Lass uns dieser Verantwortung gerecht werden und für alle deine Geschöpfe, besonders für die Tiere, die uns am Herzen liegen, in liebevoller Weise sorgen. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn, Amen", betete Braun.

In einer feierlichen Prozession zogen alle Pferde- und Hundefreunde mit ihren geschmückten Tieren am Altar vorbei und wurden gesegnet. Übrigens wurde der Wagen des Reit- und Fahrvereins heuer erstmals von einem Vierer-Gespann gemütlicher Kaltblüter gezogen.

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