Coburg
Aktion

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Familie Frank aus Ahorn sammelt Spenden, um ihrem Sohn eine Delphintherapie zu ermöglichen. Der Junge ist mehrfach behindert. Dazu kommt, dass seine Mama jetzt auch noch an Multiple Sklerose und Morbus Crohn erkrankt ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Familie Frank (ohne Leonie) hofft darauf, dass Laurin in zwei Jahren eine Delphintherapie machen kann. Foto: Christiane Lehmann
Familie Frank (ohne Leonie) hofft darauf, dass Laurin in zwei Jahren eine Delphintherapie machen kann. Foto: Christiane Lehmann
+4 Bilder
"Mein Name ist Laurin Frank. Ich wurde am 4. Oktober 2007 in Coburg geboren. Meine Mama merkte schon sehr früh, dass ich was besonderes bin, irgendwie anders besonders..." Mit diesen Worten beginnt die Geschichte des mittlerweile achtjährigen Jungen aus Ahorn auf der Facebook-Seite "Delphintherapie für Laurin", die seit Mitte der Woche im Netz steht.

Wie schön das du mich hier auf meiner Seite besuchst 󾰀 Damit du weißt , wer ich bin , werde ich mich gleich mal...

Posted by Delphintherapie für Laurin on Dienstag, 8. Dezember 2015


Geschrieben hat sie Laurins Mama Katrin, die damit auf das Schicksal ihrer Familie aufmerksam machen möchte. Denn die Franks haben ein großes Ziel vor Augen: Zusammen mit Laurin, der an einer multiplen, nicht definierbaren Behinderung leidet, möchten sie in zwei Jahren zur Delphintherapie nach Curacao fliegen. Und bis dahin müssen sie etwa 15.000 Euro aufbringen. Organisatorisch unterstützt werden sie von Dolphin Aid, einer Hilfsorganisation, die sich für Familien stark macht, deren Kindern eine Delphintherapie helfen kann.


Empfohlen in München

Empfohlen und ans Herz gelegt wurde ihnen die Therapie im Kompetenzzentrum in München, wo Laurin regelmäßig behandelt wird. Ob Katrin selbst dabei sein kann, ist allerdings nicht klar, da die 34-Jährige vor sechs Jahren an Multiple Sklerose erkrankte und seitdem schon acht Schübe hatte. In diesem Jahr wurde zudem Morbus Crohn festgestellt

Über Facebook werden auch wir auf die Geschichte aufmerksam und setzen uns mit Familie Frank in Ahorn in Verbindung. Über 400 Likes, jede Menge spontanen Zuspruch und eine ganze Reihe Spendenzusagen haben die Familie überwältigt. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", freut sich Vater Oliver. Der gelernte Kfz-Elektriker kümmert sich seit Sommer nur noch um seine Familie, hat im elterlichen Betrieb gekündigt. "Es ging nicht mehr anders", erzählt er. Seine Frau ist mittlerweile verrentet und kann sich nicht mehr allein um Laurin, die große Tochter Leonie (14) und die kleine Lilly-Marleen (19 Monate) kümmern. Katrin hat oft Schmerzen und ist schlapp, muss starke Medikamente nehmen.

"Doch wir kriegen das hin. Laurin geht vor. Ich hab jetzt eigentlich keine Zeit für MS", scherzt die Mutter. Ihren Humor haben die Franks behalten - "aber wir hatten auch andere Zeiten", sagt Oliver. "Wir sind durch viele Tiefs gegangen, waren oft traurig und mutlos." Immer sei irgendwas. "Das glaubt uns kein Mensch." Und Oliver beschreibt die vergangenen Wochen mit einem längeren Krankenhausaufenthalt von Katrin, Magen-Darm-Grippe und Beinbruch von Laurin.

Was Laurin wirklich für eine Behinderung hat, kann niemand genau sagen. Seine Diagnosen auf einen Blick: Tiefgreifende Entwicklungsstörung mit mittelgradiger geistiger Behinderung, expressive und rezeptive Sprachenentwicklungsstörung, umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen, Ein - und Durchschlafsstörung, Muskelhypotonie ... Niemand kann sagen, wie sich Laurin weiter entwickelt.

Tatsache ist, dass seine Eltern alles tun, damit es ihm möglichst gut geht. Und Tiere und das Meer gehören da dazu. "Wenn wir in Dänemark am Strand sind, ist Laurin glücklich. Da kann er entspannen und freut sich", erzählt Oliver, der seinen Sohn liebevoll auf den Schoß nimmt und ihm die Haare fürs Foto kämmt.

Bereits mit drei Monaten war klar, dass etwas mit Laurin nicht stimmte: Sein kleiner Körper hatte keinerlei Muskelspannung und sein Kopf war extrem verformt. Mit neun Monaten konnte er seinen Kopf halten, sitzen konnte er mit zwölf Monaten fast alleine.


Komisches Bauchgefühl

"Jungs liegen meistens in der Entwicklung zurück ..." Katrin und Oliver Frank war dieser Satz und der mittlerweile große Entwicklungsrückstand unheimlich, sie hatten ein komisches Bauchgefühl und machten mit Laurin einen Termin in einer Uniklinik.

Dort wurde festgestellt, dass organisch alles in Ordnung ist. Laut den Untersuchungsbefunden ist Laurin eigentlich kerngesund. Der Bub bekam Frühförderung und besuchte das SPZ in Coburg. Mit fast drei Jahren lernte er das Laufen und wechselte von der Kinderkrippe in die schulvorbereitenden Einrichtungen in Ahorn. Dort bekam er Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Er machte immer wieder kleine Fortschritte, "aber mit jedem Schritt ging es meistens auch wieder drei zurück", erzählt seine Mama. Laurin ist auf dem geistigen Stand eines Zweijährigen. Der Achtjährige spricht nicht, schreit viel, um sich verständlich zu machen. Nachts schläft er kaum, seit Kurzem besser, da er ein Schlafmittel verordnet bekommen hat.

"Irgendwann verkündeten die Ärzte meinen Eltern, dass ich körperlich und geistig behindert sein werde und dann wohl auch ein Leben lang auf Hilfe angewiesen bin", schreibt Katrin auf Facebook im Namen ihres Sohnes. Bei all ihrem Frohsinn und Optimismus, ihrer Geduld und Tatkraft, die die Franks an den Tag legen, steckt ihnen doch auch die Angst und die Ungewissheit vor der Zukunft in den Knochen.

Die letzten Jahre waren geprägt von Krankenhausaufenthalten, Reha, Therapien, Fortschritten, Niederlagen und Schicksalsschlägen. "Oliver sagt immer, das langt für fünf. Also langweilig wird's bei uns nie," sagt Katrin.
Gut, dass es den Familienentlastenden Dienst (FED) gibt. Denn manchmal kommt ein Babysitter und passt auf Laurin und Lilly-Marleen auf, oder Laurin besucht übers Wochenende das Wohnnest, damit Mama und Papa mal mit den Mädchen ausspannen können.

"Wir haben gelernt, was wichtig ist", sagt Katrin Frank. "Die Kinder stehen bei uns an erster Stelle. Wir haben unser Leben danach ausgerichtet. Für Laurin wollen wir jetzt alles tun, damit er zur Delphintherapie kann." Oliver ist entschlossen, nicht nur abzuwarten, was da an Spenden kommt, er möchte Aktionen planen und aktiv werden.

Aber der Alltag macht dem engagierten Familienvater so manches Mal einen Strich durch die Rechnung. Langfristig planen können die Franks nicht. Es kommt immer was dazwischen - und meistens ist es nichts Schönes. Ihren Traum von der Delphintherapie wollen sie sich jedoch bewahren und darum kämpfen.

Laurins Spendenkonto

Empfänger
dolphin aid e.V.
Stadtsparkasse Düsseldorf
BLZ 300 501 10
Konto-Nr. 2000 2424
IBAN DE 52 3005 0110 0020 0024 24
BIC-Code DUSSDEDDXXX

Verwendungszweck Laurin Frank
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren