Coburg
Verhandlung

Wegen Fußballverein erstochen? Mann hinterließ eine Blutspur durch Coburg

In Coburg ging ein Mann im Streit auf einen anderen mit dem Messer los. Er soll ihn so schlimm verletzt haben, dass der Kontrahent starb.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Angeklagte soll seinem Opfer ein Messer ins Knie gerammt und damit eine Schlagader verletzt haben.  Symbolbild: Christopher Schulz
Der Angeklagte soll seinem Opfer ein Messer ins Knie gerammt und damit eine Schlagader verletzt haben. Symbolbild: Christopher Schulz

An einem Samstagabend im Oktober 2018 finden Passanten einen schwer verletzten Mann im Kalenderweg in Coburg. Der Unbekannte stirbt noch in der Nacht im Krankenhaus infolge eines starken Blutverlustes. Die Identität des Toten ist zu dieser zeit noch unklar - erst nach Veröffentlichung von Leichenfotos konnte der Tot damals identifiziert werden.

Am Freitag hat die Verhandlung der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg begonnen. Angeklagt ist ein 34-jähriger polnischer Staatsbürger, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten muss. Aber: "Es kommt auch Totschlag durch unterlassene Hilfestellung infrage", sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot beim Prozessauftakt.

Coburg: Streit um Fußballverein eskaliert

Laut der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Tatjana Winterholer, haben sich am Tattag drei Männer in der Wohnung des Angeklagten getroffen und reichlich Bier und Wodka getrunken. Der Angeklagte und das Opfer, ein ebenfalls 34-jährige Pole und Arbeitskollege, gerieten demnach wegen einer Kleinigkeit aneinander. So soll der Angeklagte die Fans eines Krakauer Fußballvereins als Deppen bezeichnet haben, die mit Messern herumlaufen. Als sein Landmanns sagte, er habe auch ein Messer, soll die Sache aus dem Ruder gelaufen sein. Der mutmaßliche Täter soll daraufhin ein Messer aus der Küche geholt haben und die 21 Zentimeter lange Klinge mit voller Wucht in die Außenseite des Knies seines Landmannes gestochen und dabei die Beinschlagader getroffen haben.

Der Mann schleppte sich schwer verletzt auf die Straße, wo er eine große Blutspur hinterließ, bis er bewusstlos vor einem Pkw liegen blieb. Durch den starken Blutverlust geriet der Verletzte in einen Schock und konnte letztendlich nicht mehr gerettet werden.

Mit einem Dolmetscher

Der Angeklagte will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zu den Tatvorwürfen äußern, er machte aber Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Da der Mann kein Deutsch spricht, stehen ihm zwei Dolmetscher zur Verfügung. Der 34-Jährige berichtete von seiner Kindheit in Polen; im Alter von zehn Jahren habe er eine schwere Kopfverletzung erlitten und sei ins Koma gefallen. Er habe zehn Jahre lang in England gelebt und sei dort auch vorbestraft, sagte er. Nach Coburg sei er durch einen Bekannten im vergangenen Jahr gekommen, über eine Vermittlungsfirma habe er bei einem Unternehmen im nordöstlichen Landkreis eine Anstellung gefunden.

Am ersten Verhandlungstag traten neben einer Sachverständigen, die anhand eines 3D-Scanners Einblicke in den Tatort gab, auch Beamte der Kriminalpolizei Coburg in den Zeugenstand. Sie legten Bilder vor, die zeigten, dass der verletzte Mann schwallweiße Blut verloren haben muss. "Der Mann hat etliche Meter eine hufeisenförmige Blutspur hinterlassen", so der Beamte. Als er schließlich hinter dem Pkw gefunden wurde, sei er nicht mehr ansprechbar gewesen.

Die Polizisten gehen der Blutspur nach

Die Beamten verfolgen demnach die Spur zurück bis in die Wohnung des Angeklagten. "Dort gab es Hinweise, dass man versucht hat, die Blutspuren zu verwischen." Den Angeklagten trafen die Beamten später auf der Straße an. "Er war auffallend nervös und stand sichtlich unter dem Eindruck irgendeines Geschehens", so der Beamte.

Die Verhandlung wird am 7. Juni und am 12. Juni jeweils um 9 Uhr am Landgericht Coburg fortgesetzt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.