Coburg
Handball

Das "linke Ding" beim HSC Coburg

Den aufstiegsambitionierten Handballern aus der Vestestadt fehlt aktuell nicht nur ein Linkshänder, sondern auch das Geld für einen weiteren Neuzugang.
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Pontus Zettermann arbeitet an seinem Comeback. Der zeitpunkt seiner Rückkehr ins HSC-Team ist derzeit noch offen.Archiv
Pontus Zettermann arbeitet an seinem Comeback. Der zeitpunkt seiner Rückkehr ins HSC-Team ist derzeit noch offen.Archiv
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Handball-Zweitligist HSC 2000 Coburg steht seit kurzem wieder voll im Saft. Nach den Abgängen von Markus Hagelin und Anton Prakapenia müssen sich die Vestestädter wieder ein Stück weit neu erfinden. Vor allem am eigenen Kreis. Das Hauptproblem ist aber ein ganz anderes, ein "linkes Ding" - und das im wahrsten Sinne des Wortes! Doch dazu später. Die Stimmung in dem am Wochenende zu Ende gegangenen Trainingslager im hessischen Biskirchen war bei Spielern und Funktionären prächtig. Kein Wunder, denn die Profis traten vor zwei Wochen gut erholt, überwiegend gebräunt und mit gestählten Köpern ihren langen Zweitliga-Dienst an. Es wurde trotz schweißtreibender Einheiten viel gescherzt und prima kommuniziert. Der erste Eindruck stimmt Trainer Jan Gorr jedenfalls äußerst zuversichtlich: "Die Jungs sind alle gut durch diese Sache durchgekommen."

Leistungsdiagnostik verlief positiv

Der Übungsleiter der Vestestädter war schon mit der im Vorfeld des Trainingslagers durchgeführten Leistungsdiagnostik sehr zufrieden. "Unsere Spieler haben alle ihre Hausaufgaben erledigt und sind schon in einer guten körperlichen Verfassung." Sprünge und Sprints wurden vermessen, die Belastungen beim Laufen sehr streng kontrolliert und ausgewertet.

Das Hauptaugenmerk in der relativ kurzen Vorbereitungszeit können Gorr und sein Co-Trainer Ralf Baucke deshalb bereits jetzt auf die Abwehrarbeit legen. Grundsätzlich will der 41-jährige Cheftrainer an seinem bisherigen 6:0-System festhalten, muss dabei aber ohne die bewährte "Zentrale" Hagelin/Prakapenia neue Aufstellungen, Abstimmungen und Hierarchien einstudieren. Mit den beiden Neuzugängen Andreas Schröder und Stephan Zeman sowie dem aufgrund seines Engagements bei der U21-Weltmeisterschaft in Spanien noch nicht am HSC-Mannschaftstraining teilnehmenden Marcel Timm sind drei "Kraftpakete" für die Mitte vor dem eigenen Kreis vorgesehen. Gorr schwebt aber auch noch eine 3:2:1-Variante vor, die er bereits beim Testspiel gegen den Oberligisten HSG Pohlheim (35:17) in der zweiten Halbzeit testete. Mit diesem Abwehrsystem will er künftig noch schneller den Gegnern den Ball "klauen" und in den Tempogegenstoß kommen.

Etat wird seit drei Jahren gekürzt

Von Vorteil ist dabei, dass er kaum neue Spieler integrieren und von seinen Ideen überzeugen muss, denn neben den beiden genannten "Mittelblockern" ergänzt seit dieser Serie lediglich der talentierte Max Preller den Spielerkader. Einen weiteren Neuzugang schließen Trainer Jan Gorr, der als Sportlicher Leiter in Personalunion maßgeblich für die Kaderzusammenstellung verantwortlich ist, und Geschäftsführer Michael Häfner auf Tageblatt-Anfrage zwar nicht aus, doch das Geld sei nicht so reichlich vorhanden wie in der Vergangenheit. Schließlich müsse seit drei Jahren der Etat immer wieder gekürzt werden. Die Zeiten, in denen nach einem verletzungsbedingten Ausfall eines Leistungsträgers quasi eine Ad-hoc-Verpflichtung folgte, sind beim HSC anscheinend vorbei. Das ist für die Vereinskasse sicher von Vorteil, denn oft genug wurde dabei mit einem überhasteten "Fehleinkauf" der eine oder andere Euro "verbrannt".

Kein Geld für einen weiteren Deal

Vom "verbrannten Euro" zum eingangs erwähnten "linken Ding"! Im HSC-Kader fehlt ohne Frage aktuell ein Linkshänder. Und solche, die noch dazu einem aufstiegsambitionierten Zweitligateam sofort weiterhelfen können, sind zum jetzigen Zeitpunkt rar und haben darüber hinaus ihren Preis. Genau darin liegt die Krux: Der HSC hat für solch einen Deal kein Geld. Daraus macht Gorr auch keinen Hehl: "Uns fehlen aktuell einfach die finanziellen Mittel. Und einen Linkshänder - woher nehmen, wenn nicht stehlen? Das wird budgetmäßig sicher extrem schwierig bis unmöglich für uns", erteilt der Trainer quasi allen Spekulationen eine Absage. Der Kader ist nach der Verpflichtung von Erstligaspieler Schröder und dem tschechischen Nationalspieler Zeman sowie deutlich lukrativeren neuen Verträgen - unter anderem für Lokalmatador Jakob Knauer - ohnehin schon teuer genug. Beim HSC sprechen die Verantwortlichen zwar seit jeher nicht gerne über ihren Etat, doch dass dieser auch in dieser Serie wieder zu den höchsten in der 2. Liga gehört, bestreitet selbst Geschäftsführer Michael Häfner nicht.

Zurück zum rechten Rückraum. Weshalb drückt der Schuh dort so gewaltig? Nach einem Eingriff an Knauers lädierter Schulter steht fest, dass der Youngster aus Neustadt frühestens 2020 wieder spielen kann. Ungewiss ist die Zukunft des zweiten HSC-Linkshänders. Trotz der laufenden Reha-Phase bei Pontus Zettermann ist nicht klar, wann er auf die Platte zurückkehrt. Der Schwede hat sich trotz einer hartnäckigen Schulterverletzung fast durch die komplette Rückrunde der letzten Saison gequält und befindet sich nun wieder im Aufbautraining. Das Problem: Bisher hat der Rückraumspieler noch keinen einzigen Ball geworfen.

Angst vor dem Worst Case

Sollte der Worst Case eintreffen und der Schwede den Härtetest nicht bestehen, geht der aufstiegsambitionierte Klub ohne gelernten Linkshänder auf der Halbposition in die Saison. Ein Umstand, der zwei, drei Spiele kompensiert werden kann, doch sicher nicht auf Dauer. Erst recht nicht, weil Gorr ohnehin immer wieder die fehlende Flexibilität im eigenen Angriff bemängelt: "Wir waren in der letzten Saison sehr berechenbar." Ohne Linkshänder ist es kaum möglich, gewinnbringend an der Variabilität zu arbeiten.

Comeback von Girts Lilienfelds

Fällt Zettermann tatsächlich länger als geplant aus, und der HSC erhält keine spontane, großzügige Unterstützung von Sponsorenseite, um noch einmal kurzfristig auf dem Transfermarkt zuschlagen zu können, dann ist erneut ein unverhofftes Comeback von Girts Linienfelds so gut wie sicher. Der 36-Jährige hat zwar längst andere Prioritäten - spielt in der 2. Mannschaft und hat eine Ausbildung begonnen - , doch er kennt natürlich die "Gorrschen" Abläufe aus dem Effeff. Der Lette wäre vorerst so etwas wie ein willkommener "Notnagel" für das neue HSC-Team.

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