Coburg
Stadtentwicklung

Das Globe nimmt Gestalt an

Der Stadtrat sagt "Ja" zum Globe, weil es ihm als beste Lösung erscheint, wichtige Unternehmer es befürworten und der Freistaat zehn Millionen Euro gibt.
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So könnte das Globe auf dem einstigen Güterbahnhof aussehen, wenn es fertig ist. Grafik: Brose
So könnte das Globe auf dem einstigen Güterbahnhof aussehen, wenn es fertig ist. Grafik: Brose
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Am Ende war es Michael Stoschek, der als erster applaudierte: Einstimmig nahm der Stadtrat am Donnerstag den Vorschlag an, ein "Globe" auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs zu errichten.
Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe, hatte dem Stadtrat das Projekt vorgestellt. Das war aber nicht das einzig Ungewöhnliche im Zusammenhang mit diesem Projekt. Die Unternehmen Brose, HUK-Coburg und Kaeser Kompressoren wollen je eine Million Euro für den Bau zur Verfügung stellen. Außerdem hat Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) einen Zuschuss in Höhe von zehn Millionen Euro zugesagt. Die restlichen Kosten, die noch niemand genau zu beziffern weiß, soll die Stadt Coburg übernehmen. Stoschek nannte einen Kostenrahmen von 16 bis 18 Millionen Euro.
Der Rundbau soll zunächst als Interimsspielstätte für das Landestheater dienen. Das Theatergebäude am Schlossplatz soll über mehrere Jahre hinweg generalsaniert werden. Bislang hieß es, dass es 2019 losgehen solle. Aber für das Globe am Güterbahnhof wird nun versucht, die Betriebserlaubnis für das historische Gebäude um mindestens ein Jahr zu verlängern. "Frühestens Mitte 2020" sei der Umzug in die neue Spielstätte am Güterbahnhof möglich, sagte Stoschek.
Dass noch keine ausgearbeiteten Pläne vorliegen, hat seinen Grund: Erst seit Mitte Dezember überhaupt liegt der Vorschlag "Globe" auf dem Ratstisch; erst seit 8. Januar weiß Stoschek, dass auch andere Unternehmer das Projekt unterstützen, und am 12. Januar schließlich wurde beschlossen, das Projekt anzugehen.
Seither wird geplant, und hinsichtlich einer Frage konnte Stoschek beruhigen: Es wird beim Rundbau bleiben. Zwischendurch war die Frage aufgekommen, ob ein rechteckiger Bau nicht die bessere Lösung wäre für all die Anforderungen, die erfüllt werden sollen. Doch es war ja gerade die ungewöhnliche Form, die so viele für das Globe begeistert hatte - und nicht erst vor acht Wochen. Schon im Sommer 2016 hatten die Studenten Isabell Stengel und Anders Macht das Globe als mögliche Ausweichspielstätte entworfen.
Doch der Stadtrat wollte den Rundbau nicht - für etwas, das nur einige Jahre stehenbleiben sollte, wäre er zu teuer gekommen. Denn es ging ja um eine Interimsspielstätte, und nur dafür sollte es vom Freistaat 75 Prozent Zuschuss geben. Folglich wollte ein großer Teil des Stadtrats die Kosten für die Interimsspielstätte deckeln.
Diese Vorgeschichte kam natürlich auch in der Stadtratssitzung zur Sprache, denn jetzt wird die Stadt auf jeden Fall mehr ausgeben müssen als für eine reine Interimsspielstätte. Andererseits hatte Michael Stoschek den Finanzminister überreden können, dass der Freistaat das Globe unterm Strich in gleicher Höhe fördert wie eine Interimsspielstätte am Anger. Söder habe den Mut gehabt, eine rechtsverbindliche Vereinbarung seiner Ministerialbeamten zu ändern, sagte Stadtratsmitglied und Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU). "Das habe ich in 38 Jahren als Mandatsträger nicht erlebt."
Aber auch der Stadtrat musste eine Kehrtwende vollziehen. Bislang galt, dass die Interimsspielstätte innenstadtnah am Anger liegen und den Anforderungen des Theaters entsprechen sollte. Das Globe dagegen soll am Güterbahnhof entstehen, und es muss vielen Ansprüchen genügen. Die freilich kennt noch niemand so genau. "Wir haben jetzt noch sieben Jahre Zeit", bat Stoschek um Geduld. Er gab sich auch zuversichtlich, dass die Weiternutzung keine Folgekosten für die Stadt nach sich ziehen werde.
Danach hatte Gabriele Morper-Marr (SPD) gefragt: Die Stadt müsse sich ja nicht nur den Bau des Globe leisten können, sondern auch den Betrieb des Landestheaters, die Ausgaben für Soziales und Sport. Kämmerin Regina Eberwein suchte in dieser Hinsicht zu beruhigen: "Dieser finanzielle Spielraum ist aktuell vorhanden", dank der guten Gewerbesteuereinnahmen, die die Unternehmen in der Stadt zahlen.
Bleibt als noch offene Frage, ob es irgendwelche rechtlichen Probleme gibt. Denn die Stadt muss das Vergaberecht beachten. Ob die Stadt das Angebot "Globe" so direkt annehmen könne, sei noch nicht abschließend geprüft, sagte Holger Schröder von der Beratungsfirma Rödel & Partner. Stoschek gab sich auch in dieser Hinsicht zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde. Die Stadt sei da "sehr engagiert und kreativ".

Das Globe in Kürze
Standort Ehemaliges Güterbahnhofgelände, direkt an der Itz und unweit der Ernst-Faber-Brücke.

Gebäude Außen rund, innen achteckig. Die runde Holzfassade mit einer außergewöhnlichen Gestaltung soll das Gebäude zum Leuchtturmprojekt für die Entwicklung des Güterbahnhofareals machen. Auch innen wird Holz der hauptsächlich verwendete Baustoff sein. Die aktuellen Entwürfe zeigen einen dreistöckigen Baukörper, 16 Meter hoch, 36 Meter im Durchmesser. Drinnen bietet er 320 Sitzplätze, wobei die Sitze im Erdgeschoss entfernt werden können, um im Parkett mehr Fläche zu gewinnen. Für die Funktionsräume (Büros, Künstlergarderoben, Probenräume) des Landestheaters sollen zusätzlich Container aufgestellt werden, die nach der Theaternutzung wieder entfernt werden.

Finanzierung Bayerns Finanzminister Markus Söder hat (bislang nur mündlich) einen Pauschalzuschuss von zehn Millionen Euro zugesagt. Die drei Unternehmen Brose, HUK-Coburg und Kaeser Kompressoren haben zusammen drei Millionen Euro zugesagt. Die Stadt muss die übrigen Baukosten übernehmen sowie die Altlastenbeseitigung auf dem Grundstück, die Erschließung und die Außenanlagen.

Beiträge Die Bayerischen Staatsforsten haben zugesagt, alles benötigte Holz für den Bau zu spenden. Die Firma Wöhner (Rödental) will die Elektroinstallation liefern, soweit sie die Teile selbst herstellt. Elektro Kirchner hat angeboten, die Starkstromplanung zu übernehmen, die Firma Baumeister würde die Akustikanlagen einbauen, eine Nürnberger Firma hat zugesagt, den Aufzug im Globe zu spendieren.


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