Coburg
Ärger

Darum fühlen sich die Regenwürmer im Coburger Stadion so wohl

Die Schulsportanlage muss saniert werden, weil vor zehn Jahren Fehler beim Bau passiert sind.
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Der Untergrund des Sportplatzes an der Wiesenstraße ist wegen nicht angeschlossener oder gar fehlender Drainagerohre zu feucht. Daher fühlen sich die Regenwürmer in der Rasentragschicht sehr wohl. Foto: Christoph Winter
Der Untergrund des Sportplatzes an der Wiesenstraße ist wegen nicht angeschlossener oder gar fehlender Drainagerohre zu feucht. Daher fühlen sich die Regenwürmer in der Rasentragschicht sehr wohl. Foto: Christoph Winter
Nach nicht einmal zehn Jahren muss das Rasenspielfeld der Schulsportanlage in der Wiesenstraße saniert werden. 2009 wurde das frühere Dr.-Stocke-Stadion von der Stadt umgebaut. Die fehlende oder hoffentlich nur fehlerhaft ausgeführte Drainage des Sportplatzes freut die Regenwürmer im feuchten Untergrund. Und weil sich die Würmer ständig kreuz und quer durch die Bodenschichten fressen, kommt bei ihnen hinten entsprechend viel heraus. Die angehäuften Ausscheidungen der Würmer machen den Kickern eine kunstvolle trickreiche Ballführung und Dribblings unmöglich, kurz: Der Platz ist nicht bespielbar.

Nach dem Votum des Bau- und Umweltsenats am Mittwoch soll der Platz nun einerseits intensiv gepflegt, zum anderen soll die Entwässerung des Spielfeldes funktionstüchtig gemacht werden. Auch die Ableitung des Wassers in die Itz wird überprüft. Festgestellt wurde, dass sich einerseits Wasser in den Drainagerohren zurückstaut, andererseits die Entwässerungsrohre unter dem Spielfeld zumindestens nicht angeschlossen sind, wenn nicht ganz fehlen.

Die Fraktion der Christlich-Sozialen Bürger (CSB) hatte im Oktober beantragt, einerseits den Rasenplatz in diesem Jahr zu sanieren. Beklagt hatten sich auch die Fußballer des FC Coburg, die dort ihre Spiele austragen.

Drei Szenarien für die gedeihliche Zukunft des Sportplatzes stellte Bernhard Ledermann dem Bau- und Umweltsenat dar: Einmal könnte die Pflege intensiviert, zum zweiten könnte nur der Rasen abgefräst, belüftet und gesandet werden und schließlich könnte zusätzlich die Entwässerung auf Vordermann gebracht werden. Beim sogenannten "Traumspiel" des Bayernfanclubs Red Residenz gegen den FC Bayern München Ende August 2017 war das Spielfeld in einem guten Zustand, "Ende August kehrte die störende Regenwurmtätigkeit zurück", so der Leiter des Grünflächenamtes.

Im vergangenen September sondierte das Grünflächenamt an 15 Stellen das Spielfeld. Dazu stanzte man zehn Zentimeter durchmessende Rasenstücke bis in eine Tiefe von 20 Zentimetern aus. Ein Ergebnis: Unter der durchschnittlich 15 Zentimeter dicken Rasentragschicht staut sich mancherorts das Wasser, eine Dränschicht zwischen der Rasentragschicht und dem Baugrund gibt es nicht. Stattdessen wurde seinerzeit ein Drainagesystem mit Rohrleitungen eingebaut. Auch eine sogenannte Schlitzentwässerung gibt es, aber in die Ringleitung rund um das Spielfeld münden zumindest an der Itzseite keine Entwässerungsrohe aus dem Spielfeld. Auch an die Sammelleitung unter der Mittellinie sind keine Drainagerohre angeschlossen. Das hat eine Prüfung durch den Entsorgungs- und Baubetrieb mit einer Kamera ergeben.

Nach den Bauakten des Sportplatzes müsste es solche Rohrdrainagen aber geben, schließlich sind sie damals geplant und abgerechnet worden. Um Klarheit zu erlangen, sind nach den Angaben des Grünflächenamts-Leiters Aufgrabungen und gegebenenfalls Funktionsprüfungen veranlasst worden. "Misslingt der Nachweis beziehungsweise die Funktionsprüfung, ist eine Ertüchtigung des Drainagesystem durch nachträglichen Einbau notwendig." Allein dafür schätzte Ledermann die Kosten auf 45 000 bis 50 000 Euro.

Der Leiter des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs, Gerhard Knoch, war beim Umbau des Stocke-Stadion in den Jahren 2006 und 2007 Chef des Coburger Tiefbauamtes, unter dessen Federführung die Bauarbeiten stattfanden. Knoch zu den Drainangerohren: "Die Dinger sind da! Es liegt kein Betrug vor!", zeigte er sich sicher. Es sei möglich, dass damals die Entwässerungsrohre nicht an die Ringleitung angeschlossen wurden. Solche Fehler könnten durchaus vorkommen. Knoch erinnerte daran, dass der Sportplatz "zehn Jahre gut funktioniert hat".

Der Regenwasserkanal der Dr.-Stocke-Anlage führt in die Itz. Bei Hochwasser schließt sich eine Rückstauklappe und Pumpen leiten das Wasser ab. Als das Drainagesystem untersucht wurde, hatte sich darin Wasser aufgestaut. Deshalb muss geklärt werden, ob die Ableitung in die Itz ausreichend ist. Sichergestellt werden soll nun, dass dieses System ordnungsgemäß funktioniert.

Nach einem Ortstermin am 13. September vergangenen Jahres heißt es in einem Aktenvermerk des Grünflächenamtes: "Gegenwärtig ist der Platz aufgrund der regen Regenwurmtätigkeit nur schwer bespielbar bis unbespielbar. Bei ausreichender Trockenheit kann durch Abschleppen bzw. Abkehren eine hinreichende bis gute Bespielbarkeit des Platzes wieder hergestellt werden." Nach den Worten von Grünflächenamtsleiter Bernhard Ledermann sind Regenwürmer im Spielfeld kein Problem ausschließlich in der Stocke-Sportanlage. Dieser Platz aber sei außer in den Sommermonaten dauerhaft zu feucht.

Die Mitglieder des Bau- und Umweltsenats zeigten sich erschrocken über den Zustand des Sportplatzes an der Wiesenstraße. Eine grundhafte Erneuerung des Sportplatzes würde rund 400 000 Euro Kosten und dauerte mindestens ein halbes Jahr. Etwaige Regressansprüche an die damals tätige Baufirma werde es wahrscheinlich nach dieser langen Zeit nicht geben, so der Tenor.
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