Coburg

Daniel Kirch debütiert in Coburg als Lohengrin

Wagners Helden ziehen Daniel Kirch an. Doch begonnen hat der Sänger seine Karriere als Operettentenor. Am Sonntag gibt er auf der Bühne des Landestheaters Coburg sein Rollendebüt als Lohengrin.
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Am Landestheater Coburg gibt der Tenor Daniel Kirch sein Rollendebüt als Lohengrin. Richard Wagners Oper feiert an diesem Sonntag Premiere. Foto: Jochen Berger
Am Landestheater Coburg gibt der Tenor Daniel Kirch sein Rollendebüt als Lohengrin. Richard Wagners Oper feiert an diesem Sonntag Premiere. Foto: Jochen Berger
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Der Tenor Daniel Kirch ist ein Mann für das jugendlich-dramatische Tenorfach. Er hat schon an vielen großen Häusern gesungen - an der Staatsoper Berlin, an der Leipziger Oper oder an der Mailänder Scala. Jetzt gastiert er erstmals am Landestheater Coburg. Im Gespräch verrät er, was ihn an der Titelpartie von Richard Wagners romantischer Oper "Lohengrin" reizt.

Der "Lohengrin" ist ein Rollendebüt für Sie. Wie hat sich der Kontakt nach Coburg ergeben?
Intendant Bodo Busse hat mich als Paul in der "Toten Stadt" in Hof gehört und mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Warum nicht? Der Lohengrin war immer schon eine Wunschpartie für mich.
Inzwischen zeichnen sich als Folge dieses Lohengrin-Engagements sogar schon einige Anfragen ab für Partien, an die ich noch gar nicht gedacht hätte.

Wie hat sich Ihre Karriere entwickelt?
In meiner Karriere gibt es einige Meilensteine, den Herzog in "Rigoletto", den Tamino in der "Zauberflöte". Langsam wird sichtbar, dass die Partien immer schwerer werden. Ich werde immer wieder auch nach Tannhäuser und Tristan gefragt. Über Tristan denke ich gerade nach, aber das wird sicher noch ein paar Jahre dauern. Meine Stimme hat sich jedenfalls über den Buffo und das leichte lyrische Fach entwickelt. Ich habe den Monastatos gesungen, bevor ich an Partien wie den Ferrando in "Cosi fan tutte" kam. Auch Belmonte in der "Entführung" war eine sehr wichtige Partie an der Staatsoper Berlin und in München. Dazwischen habe ich auch ein bisschen Operette gesungen und das leichtere Fach, habe als Steuermann im "Holländer" an der Scala debütiert.

Seit wann ist Ihnen klar, dass Sie im Wagner-Fach landen würden?
Mir selbst war das nicht von Anfang an klar, auch wenn schon in frühen Jahren in Kritiken manchmal von einem "Baby-Lohengrin" oder einem "embryonalen Held" die Rede war. Ich finde diese Entwicklung interessant, aber ich habe nicht wissentlich darauf hin gearbeitet. Ich merke nur: Plötzlich stecke ich in dieser Schublade.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?
Mit Wagner bin ich groß geworden, ich hatte in Köln, wo ich geboren wurde, ein Abo in der Oper, habe dort viel Wagner gehört. Die "Meistersinger" sind eine meiner Lieblingsopern, in den "Meistersingern" habe kürzlich als Stolzing debütiert. Das deutsche Fach wird sicher eine zentrale Rolle spielen - allein deshalb, weil man sich in der Sprache zuhause fühlt und deshalb intensiver ausdrücken kann. Aber ich würde sehr gerne auch mal Puccini singen oder einen Verdi. Ich sehe mich in einem ähnlichen Fach wie Jonas Kaufmann.

Haben Sie Rollenvorbilder als Lohengrin?
René Kollo in der Aufnahme mit Karajan - und Peter Seiffert in einer Aufnahme unter Leitung von Fischer-Dieskau, auch wenn das nur Ausschnitte sind.

Wie sehen Sie Lohengrin?
Wenn man sich mit dem Klavierauszug intensiv befasst, entdeckt man schnell die Widersprüche in dieser Figur. Allein die dynamische Spannweite ist sehr groß - von zarten Tönen bis zu heroischen Ausbrüchen. Früher hatte ich vielleicht noch ein verklärtes Bild dieser Figur. Inzwischen ist diese Partie für mich ambivalenter geworden. In dieser Inszenierung versuchen wir, in Lohengrin eine gebrochene Figur zu finden.

Hat sich Ihr Rollenbild während der Probenzeit verändert?
Eher vertieft. Ich habe mich bestätigt gefühlt und habe bei unserem Regisseur Carlos Wagner schon im Konzeptionsgespräch gespürt, dass er Lohengrin ähnlich sieht. Lohengrin ist kein totaler Sympath. Er rechtfertigt ja sogar einen Mord, den Mord an Telramund. Schon das Frageverbot gleich am Anfang ist eine Anmaßung.

Auf der Rangliste der schwierigsten Tenorpartien: Wo siedeln Sie den Lohengrin an?
Schon ziemlich weit oben. Es ist auf jeden Fall eine Partie mit sehr schwierigen Passagio-Stellen. Man muss in der Farbigkeit und im Ausdruck ein großes Spektrum eröffnen. Mit plumpem Rausgebrülle wird man dieser Partie jedenfalls nicht Herr. Im ersten Akt stellt sich Lohengrin gleich in sehr hoher Lage vor, im zweiten Akt wird es fast ein wenig süßlich - und der dritte Akt ist schon eine sehr lange Strecke.

Welche Premieren-Rituale pflegen Sie?
Ich versuche immer, die Stimme schon mittags einzusingen. Dann esse ich etwas, schlafe ein wenig, trinke später einen Kaffee und wecke die Stimme dann ein zweites Mal. Wichtig ist, dass man mit großer Konzentration an das herangeht, was zu tun ist, dass man sein Herz und seine Seele öffnen kann.

Wie sieht es aus mit Traumpartien für die Zukunft?
Der Kaiser in der "Frau ohne Schatten" wäre so eine Partie. Ob's mal ein Siegfried wird, weiß ich nicht. Schöne Stimmen haben an dieser Partie schon sehr gelitten. Ob's irgendwann zu einem Otello reicht? Da trau ich mich noch gar nicht daran zu denken - das ist allenfalls eine vage Idee für die Zukunft. Auch Don Carlos wäre sehr schön.



Stationen einer Sängerkarriere


Premieren-Tipp Wagner "Lohengrin" - Sonntag, 23. Februar, 17 Uhr, Landestheater Coburg (Koproduktion mit der Opéra de Rouen und der Opéra de Rennes)

Weitere Aufführungen 28. Februar, 18.30 Uhr, 6. März, 18..30 Uhr, 16. März, 17 Uhr, 21., 25. März, 18.30 Uhr, 21. April, 17 Uhr, 4., 25., 29. Mai, 17 Uhr, 4. Juni, 18.30 Uhr, 16. Juli, 18.30 Uhr

Produktions-Team Musikalische Leitung Roland Kluttig; Inszenierung Carlos Wagner; Bühnenbild Rifail Ajdarpasic; Kostüme Christof Cremer; Cho reinstudierung: Lorenzo Da Rio; Dramaturgie: Renate Liedtke

Daniel Kirch Der jugendlich-dramatische Tenor Daniel Kirch wuchs in Köln und Berlin auf und studierte bei Hans Sotin und Irmgard Hartmann-Dressler. In den Jahren 1997 bis 2002 war er Ensemble-Mitglied an der Komischen Oper Berlin. Im Konzert- und Opernfach arbeitete er beispielsweise mit den Dirigenten Zubin Mehta, Lothar Zagrosek, Ulf Schirmer, Marek Janowski, Christian Thielemann und Claudio Abbado sowie den Regisseuren Michael Thalheimer, Peter Konwitschny, Harry Kupfer, David Pountney und Christof Loy zusammen. Als Gast sang er an renommierten Häusern wie der Staatsoper und Deutschen Oper Berlin, an den Opern Frankfurt, Köln, Zürich, Brüssel, Barcelona, der Bayerischen Staatsoper München, der Wiener Staatsoper, der Nationaloper Warschau und der Mailänder Scala.










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