Coburg
Hilfsaktion

Crowdfunding: Coburg in Miniatur gemeinsam retten

Aufgerüttelt durch unsere Berichterstattung soll "Coburg in Miniatur" jetzt zum großen Gemeinschaftsprojekt werden. Die Oberfrankenstiftung hilft.
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Annabelle Menzner, Stefan Hinterleitner (beide Regionalmanagement), Bezirksrat Frank Rebhan und Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak machen sich für den Erhalt und die Sanierung von Coburg in Miniatur stark. Fotos: Christiane Lehmann
Annabelle Menzner, Stefan Hinterleitner (beide Regionalmanagement), Bezirksrat Frank Rebhan und Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak machen sich für den Erhalt und die Sanierung von Coburg in Miniatur stark. Fotos: Christiane Lehmann
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Wie schön, wenn ein Zeitungsartikelso manch verantwortungsbewusste Gewissen wachküssen kann und "Coburg in Miniatur" aus dem Dornröschenschlaf erweckt wird. So könnte man es beschreiben, denn die traurige Geschichte um den Verfall der detailgetreu nachgebauten Sehenswürdigkeiten Coburgshat nicht nur in den sozialen Netzwerken für Entrüstung gesorgt. Sonja Putz aus Bad Rodach hat einen Leserbrief geschrieben und Freunde und Familie aufgerüttelt. Ihre Schwiegertochter Annabelle Menzner, Mitarbeiterin beim Regionalmanagement Coburg, fragte schließlich ihren Chef Stefan Hinterleitner, Geschäftsführer von Coburg Stadt und Land aktiv, ob denn da nichts zu machen sei.

Begeistert von der Idee

Der engagierte Netzwerker ließ sich von der Idee begeistern. Der erste Schritt war getan. Gespräche mit Handwerkern und Unternehmern bestärkten ihn, eine Rettungsaktion für "Coburg in Miniatur" zu starten. Rein ehrenamtlich lässt sich der Abbau, die Sanierung und schließlich die Wiederaufstellung sowie Betreuung der Modelle nicht stemmen. Einer, der Hinterleitners Gedanken spannend fand, war auch Bezirksrat Frank Rebhan. Spontan stellte er das Projekt bei der Oberfrankenstiftung in Bayreuth vor. "Das waren keine schwierigen Verhandlungen. Ich bekam sehr schnell Zustimmung", sagt Rebhan beim Pressegespräch auf der Ernstfarm, wo die Modelle derzeit ausgestellt. Eine Förderung - in der Regel 20 Prozent der Kosten - sei in Aussicht gestellt. "Ganz viel Geld fließt in Dinge, die keiner sieht. Da ist das schon mal was anderes", erläutert der Bezirksrat die positive Resonanz. Damit ist der Abbau und die Einlagerung über den Winter finanziell abgesichert. Noch im Herbst werden die Gebäude (Maßstab 1:25) in ihre Einzelteile zerlegt. "Die Spuren, die die Witterung und auch so manch kleiner und großer Vandale in den vergangenen Jahren hinterlassen hat, sind erheblich", gibt der Pächter der Ernstfarm Walter Krahl zu Bedenken. Das Forst- und Domänenamt hatte dem Jobcenter das Grundstück auf der Ernstfarm kostenlos zur Verfügung gestellt.

Krahl, selbst Handwerker, hatte den geplanten Abriss der Modelle verhindert. "Ich bin froh, dass sich da endlich was tut", betont er und unterstreicht noch einmal das unglaubliche Engagement der Männer, allen voran Projektleiter Thomas Roos. Mit viel Geschick und Kreativität entstanden die Modelle - teilweise mit Sandstein und Granit gebaut. Ob allerdings die Arkaden zu retten sein werden, sei fraglich, da der Zustand als "erbärmlich" bezeichnet werden muss. Umgebogene Laternen, abgeschlagene Köpfe, aufgerissene Dächer, abgebrochene Erker - es gibt viel zu tun. Für Hinterleitner steht fest: "Da müssen alle mithelfen. Wir wollen das Projekt mit den Coburgern zusammen machen." Deshalb wird eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, an der sich jeder beteiligen kann.

Stimmiges Konzept muss her

Inwiefern ehrenamtliche Hilfe, sei es bei Handwerksleistungen oder der späteren Betreuung benötigt wird, soll in einem Konzept festgeschrieben werden. Das Regionalmanagement betont, dass "die Sache Hand und Fuß" haben und vor allem muss klar sein, wie und wo das Modell anschließend präsentiert wird.

An dieser Stelle kommt Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak ins Spiel. Auch er hat schon in der Referentenrunde für Interesse an dem Projekt geworben und sei auf Begeisterung gestoßen. Voraussetzung allerdings: Das Konzept muss stimmig sein. Locker diskutiert wurden bereits zwei Varianten: Das Gesamtensemble komplett an einem geeigneten Ort zu präsentieren oder die Modelle einzeln aufzustellen und daraus eine Art Stadtrallye zu entwickeln.

Was bedeutet Crowdfunding?

Crowdfunding, auf deutsch auch Schwarmfinanzierung oder Gruppenfinanzierung, ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen Mitteln versorgen. Ein weiteres kennzeichnendes Merkmal von Crowdfunding ist, dass erzielte Gelder zweckgebunden an die jeweilige Aktion sind. Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen - in der Regel Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird.Quelle: wikipedia

Ansprechpartner Stefan Hinterleitner , Coburg Stadt und Land aktiv GmbH

Telefon: 09561/514-412

E-Mail: mail@region-coburg.de

Hintergrund In den Jahren 2010 bis 2015 hat das Berufsförderungswerk Nürnberg gemeinsam mit den Jobcentern Coburg Stadt und Land eine Maßnahme mit fast 150 Langzeitarbeitslosen durchgeführt. Es entstand ein Modell der historischen Gebäude Coburgs - originalgetreu im Maßstab 1:25 nachgebaut. Zu sehen war es eineinhalb Jahre im Naturkunde-Museum, mittlerweile ist es schutzlos der Witterung ausgeliefert. Die Kosten für das im Jahr 2010 einjährig geplante Projekt bewegten sich im sechsstelligen Bereich.

KOMMENTAR

von Christiane Lehmann

Gemeinsam kann's gehen

Die Sanierung des Landestheaters ist nur ein Teil. Der größere Brocken dürfte die Wiederherstellung der Ehrenburg und des Burglassschlösschens werden. Bei den Arkaden scheint keine Rettung in Sicht - zu groß sind die Schäden. Man wird sehen, was machbar ist. "Gemeinsam schaffen wir das" lautet die Devise, die Stefan Hinterleitner euphorisch ausgesprochen hat. Mit Mut, Kreativität und Engagement hat er sich unserer kleinen zerstörten Stadt angenommen - und dabei schon jetzt einige im Schlepptau mitgenommen. Im Boot sind die Stadt Coburg und der Bezirk. Jetzt geht es um jeden einzelnen von uns.

Allen, denen Wertschätzung für die Arbeit von Menschen wichtig ist und die sich mit dieser Stadt verbunden fühlen, können aufspringen und sich an dieser sympathischen Aktion zur Wiederherstellung von "Coburg in Miniatur" beteiligen.



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